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Öffentlicher Druck: Dresdner-Bank-Chef verzichtet auf Abfindung

Die Empörung zeigt Wirkung: Nach massiver Kritik aus der Politik nimmt der ehemalige Vorstandvorsitzende der Dresdner Bank, Herbert Walter, seine Abfindung nicht in Anspruch. Bundeskanzlerin Merkel zeigt sich derweil entsetzt über "Nonchalance von Managern".

Berlin - Es ist die Kapitulation vor der öffentlichen Meinung: "Mit Rücksicht auf die massiven Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Dresdner Bank verzichte ich auf diese Abfindung", sagte der ehemalige Chef der Bank, Herbert Walter, der "Bild am Sonntag". Das Kreditinstitut hatte im vergangenen Jahr aufgrund von Abschreibungen im Investmentbanking mehr als sechs Milliarden Euro Verlust gemacht.

Ex-Bank-Chef Walter: "Rein rechtlich ergibt sich Anspruch auf Abfindung"
DPA

Ex-Bank-Chef Walter: "Rein rechtlich ergibt sich Anspruch auf Abfindung"

Trotzdem betonte Walter, dass er rein rechtlich einen Anspruch auf eine Abfindung habe: "Meine Verträge mit Allianz und Dresdner Bank wären noch knapp vier Jahre gelaufen, so ergibt sich rein rechtlich der Anspruch auf eine Abfindung", sagte Walter der Zeitung weiter. Zugleich forderte er eine durchgreifende Reform der Vergütungen im Bankbereich: "Die Bezahlung von Vorständen muss stärker als bisher an den langfristigen Erfolg der Unternehmen gekoppelt werden." Er könne nachvollziehen, dass die Vergütungssysteme von Banken bei vielen Menschen auf Unverständnis stoßen.

Am Freitag war bekannt geworden, dass die neun damaligen Vorstandsmitglieder der hochdefizitären Dresdner Bank 2008 zusammen 58 Millionen Euro kassierten. Das war deutlich mehr als ihre Kollegen bei allen anderen deutschen Geldhäusern. Zwar sind darin Abfindungen von gut 24 Millionen Euro enthalten, die dem vollständig ausgewechselten Vorstand nach der Übernahme durch die Commerzbank Chart zeigen bezahlt wurden. Dennoch bleibt mit 33,8 Millionen Euro eine Steigerung um 25 Prozent zu den Bezügen von 2007.

Scharfe Kritik von Kanzlerin Merkel

Das hatte vor allem bei der Bundesregierung für Kritik gesorgt, die das Verhalten von Führungskräften in der Wirtschaft scharf kritisierten. Kanzlerin Angela Merkel plädierte am Samstag für moralischen Anstand, auch wenn keine Gesetze übertreten werden. Mit welcher Nonchalance sich manche in der Krise ihre Boni leisteten, entsetze sie. Auch in der Wirtschaftskrise dürfe man den normalen Maßstab nicht verlieren, sagte die CDU-Chefin, ohne allerdings die Zahlungen bei der Dresdner Bank direkt zu erwähnen.

Bei der Commerzbank waren die Managergehälter wegen der Hilfe des staatlichen Rettungsfonds deutlich gesenkt worden. Vorstandssprecher Martin Blessing etwa bekommt nur noch ein Gehalt von 500.000 Euro im Jahr. Bonuszahlungen gibt es überhaupt nicht mehr. Bei der Deutschen Bank, die ohne Staatshilfe auskommen will, verzichtete der Vorstand freiwillig auf Bonuszahlungen.

Auch Innenminister Schäuble kritisierte die Millionenbezüge für die neun früheren Vorstandsmitglieder der Dresdner Bank. "Das sind Totengräber der sozialen Marktwirtschaft", sagte der CDU-Politiker bei einem Parteitag der baden-württembergischen CDU in Ludwigsburg. Auch Wirtschaftsminister Guttenberg kritisierte die Manager. "Ich habe kein Verständnis für maßlose Forderungen von Managern, deren Unternehmen ohne die Hilfe der Steuerzahler heute keine Gehälter und schon gar keine Boni mehr zahlen könnten", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung. Guttenberg sagte, es sei eine Frage des Anstandes, dass diese Manager ihre Boni zurückzahlten oder zumindest spendeten.

Ähnlich äußerte sich auch SPD-Fraktionsvize Joachim Poß am Samstag in Berlin: "Der skandalöse Vorgang zeigt, wie verlottert das Denken in der Finanzindustrie ist. Auch bei der Dresdner Bank war die Selbstbedienung offensichtlich zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Profiteure sollten auf ihre Ansprüche verzichten", verlangte auch er.

Der CDU-Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs forderte einen Ausschluss von Prämien für Vorstände bei Verlusten und schärfere Haftungsregeln für die Aufsichtsräte. "Aufsichtsräte, die solche Millionenbeträge absegnen, handeln unverantwortlich", sagte der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand. "Wir müssen deshalb die Haftungsregeln für Aufsichtsräte verschärfen." SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte, mit solch maßlosen Bezügen werde das Vertrauen der Menschen in die soziale Marktwirtschaft geschädigt. Er forderte, "die steuerliche Abzugsfähigkeit von überzogenen Managergehältern und Abfindungen zu deckeln. Hier muss die Union endlich mitziehen".

sam/Reuters

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Forum - Schärfere Auflagen für Managergehälter?
insgesamt 414 Beiträge
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1.
Hadraniel, 29.01.2009
Warum nur gegen Managergehälter? Wenn es eine Gehaltsuntergrenze gibt (Sozialhilfe), warum nicht auch eine Gehaltsobergrenze? Nach meinem Verständnis von Moral und Ethik lassen sich Jahresgehälter über dem Lebensarbeitseinkommen von potentiellen Besserverdienenden (ein Akademiker mit Abschluss in IT oder Ingenieurswissenschaft hat ein Humankapital von rund 2.5 Millionen Euro) durch NICHTS rechtfertigen. Gleichzeitig gehört eine Vermögensobergrenze etabliert. Das 10- oder 100fache Humankapital des eben genannten Beispielverdieners wäre mehr ausreichend, um einer Tragik der Allmende entgegenzuwirken und Raum für das am unteren Ende der Einkommensgrenzen so oft geforderte "Leistungsprinzip" zu bieten. Wer für 100 Leben ausgesorgt hat, der hat wirklich genug. Des einen Reichtum ist schliesslich auch automatisch die Armut vieler anderer. Selbst mit den philantropischsten Absichten kann man irgendwann seiner Verantwortung als Besitzer von viel Eigentum nicht mehr gerecht werden (gleiches gilt für Einkommen -> Haftung, Verantwortung). Schade, daß man immer sofort in die kommunistische Ecke gesteckt wird, sobald man solche Gedanken äußert. Bin gespannt auf die Reaktionen hier.
2.
joselito 29.01.2009
Zitat von sysopDie Vorschläge von Finanzexperten aus Union und SPD stehen bereits: Die Große Koalition will schärfere Auflagen für Managergehälter - sie sollen noch vor der Bundestagswahl im September in Kraft treten. Eine richtige Initiative?
Dazu hätte ich mal eine grundsätzliche Frage: bekommen Banken und Grosskonzerne das Geld, *das Geld der Steuerzahler*, welches unsere Regierung ihnen zur Verfügung stellt, damit sie ihre leergezockten Kassen wieder auffüllen können, eigentlich geschenkt, oder müssen sie es zurückzahlen ? Und was ich von den "schärferen Auflagen" halte ? Die Manager werden Wege finden, diese "Auflagen" zu unterlaufen. Die Grosse Koalition hat doch noch nie etwas zustandegebracht, was handwerklich durchdacht und rechtlich abgesichert ist.
3. Spitzensteuersatz abschaffen
sample-d 29.01.2009
Zitat von HadranielWarum nur gegen Managergehälter? Wenn es eine Gehaltsuntergrenze gibt (Sozialhilfe), warum nicht auch eine Gehaltsobergrenze? Nach meinem Verständnis von Moral und Ethik lassen sich Jahresgehälter über dem Lebensarbeitseinkommen von potentiellen Besserverdienenden (ein Akademiker mit Abschluss in IT oder Ingenieurswissenschaft hat ein Humankapital von rund 2.5 Millionen Euro) durch NICHTS rechtfertigen. Gleichzeitig gehört eine Vermögensobergrenze etabliert. Das 10- oder 100fache Humankapital des eben genannten Beispielverdieners wäre mehr ausreichend, um einer Tragik der Allmende entgegenzuwirken und Raum für das am unteren Ende der Einkommensgrenzen so oft geforderte "Leistungsprinzip" zu bieten. Wer für 100 Leben ausgesorgt hat, der hat wirklich genug. Des einen Reichtum ist schliesslich auch automatisch die Armut vieler anderer. Selbst mit den philantropischsten Absichten kann man irgendwann seiner Verantwortung als Besitzer von viel Eigentum nicht mehr gerecht werden (gleiches gilt für Einkommen -> Haftung, Verantwortung). Schade, daß man immer sofort in die kommunistische Ecke gesteckt wird, sobald man solche Gedanken äußert. Bin gespannt auf die Reaktionen hier.
Es muss ja nicht unbedingt eine feste Grenze sein - man könnte auch den Spitzensteuersatz abschaffen, und ab bestimmten Beträgen die Progression wieder einsetzen lassen,so dass die Gehälter automatisch irgendwo begrenzt wären..
4. Nicht nur die Manager...
Wenzel Storch, 29.01.2009
Nicht nur die Manager, sondern auch die sogenannten "Volksvertreter", welche nur die Interessen der Lobbyisten vertreten. Beispiele: Die vielen mangelhaft ausgearbeiteten Gesetze, welche dann von Karlsruhe wieder gestoppt werden mußten. Entscheidungen und Steuerverschwendung, welche oft nur mit Korruption erklärbar ist. Diese zwei Kasten "Manager und Politiker" sind hauptsächlich für die Probleme in unserem Land verantwortlich.
5.
Hippedihop, 29.01.2009
Zitat von joselitoDazu hätte ich mal eine grundsätzliche Frage: bekommen Banken und Grosskonzerne das Geld, *das Geld der Steuerzahler*, welches unsere Regierung ihnen zur Verfügung stellt, damit sie ihre leergezockten Kassen wieder auffüllen können, eigentlich geschenkt, oder müssen sie es zurückzahlen ? Und was ich von den "schärferen Auflagen" halte ? Die Manager werden Wege finden, diese "Auflagen" zu unterlaufen. Die Grosse Koalition hat doch noch nie etwas zustandegebracht, was handwerklich durchdacht und rechtlich abgesichert ist.
Und wodurch lässt sich die Einschränkung rechtfertigen, dass Sie als Unternehmer nicht jemandem soviel Gehalt zahlen können wie Sie es wollen. Sie als Unternehmer wissen doch am Besten, was gut für Ihr Unternehmen ist. Und Sie würden doch nicht dem Unternehmen absichtlich schaden, und irgendjemand den Sie kennen in eine hohe Position hieven um ihn zu bereichern. Ergo: Obergrenze für Managergehälter ist Blödsinn.
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