Öko-Investor Brenninkmeijer "Die Bewahrung der Schöpfung ist für mich selbstverständlich"

Er sieht sich als ethischer Investor und peilt zugleich 15 Prozent Rendite an. Marcel Brenninkmeijer, Spross der C&A-Dynastie, erklärt im Interview mit SPIEGEL ONLINE, warum Investitionen in "guten Strom" ein gutes Geschäft sind – und wie Profitdenken die Energiewende befeuern kann.


SPIEGEL ONLINE: Herr Brenninkmeijer, Sie stammen aus der C&A-Familie. Wie kommt jemand aus dem Textilhandel dazu, sich für erneuerbare Energien zu begeistern?

Investor Marcel Brenninkmeijer: "Mit Menschen zusammenzuarbeiten, die pure Geschäftsleute sind, macht mir wenig Spaß"
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Investor Marcel Brenninkmeijer: "Mit Menschen zusammenzuarbeiten, die pure Geschäftsleute sind, macht mir wenig Spaß"

Brenninkmeijer: Ich habe auf Einkaufsreisen für C&A einige der am schlimmsten verschmutzten Städte der Welt gesehen. Schon da habe ich mir gesagt: Das Wachstum kann nicht im alten Stil weitergehen, sonst fallen irgendwann alle tot um. Die erneuerbaren Energien müssen kommen, in diese Branche wird künftig mehr Geld fließen.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Firma Good Energies investiert in Firmen vor allem aus der Solarbranche, aber auch im Bereich Wind. Wie entstand die Idee, sie zu gründen?

Brenninkmeijer: Nach und nach. Ich war schon bei C&A über Jahre unter anderem für Umwelt zuständig. Anfangs hat mich das einen halben Tag im Monat beansprucht, zum Schluss die Hälfte meiner Zeit. Ende der neunziger Jahre habe ich bei C&A aufgehört und noch mal ein Jahr studiert. Im Jahr 2000 war mir klar: Ich wollte etwas Neues starten, wenigstens einen Minibeitrag zur Energiewende leisten. Da war ich 42.

SPIEGEL ONLINE: ... und in der Midlife-Crisis?

Brenninkmeijer: Es war keine Krise. Wenn man über 40 ist, glücklich verheiratet, mit Kindern, werden andere Dinge wichtig. Geld spielt eine untergeordnete Rolle. Es war eine positive Umorientierung. Was daraus wurde, habe ich in meinen kühnsten Träumen nicht geahnt.

SPIEGEL ONLINE: Denn heute, sieben Jahre später, verwaltet Good Energies wie viel Geld?

Brenninkmeijer: Wir besitzen Firmenanteile mit mehr als drei Milliarden Euro Marktwert, sind an 13 Unternehmen weltweit beteiligt. Der Solarzellen-Hersteller Q-Cells Chart zeigen ist unser größtes Investment, wir kontrollieren 49,55 Prozent. Im Moment verfügen wir außerdem über rund 350 Millionen Euro pro Jahr, um neu zu investieren.

SPIEGEL ONLINE: Sie wollen die Welt verändern - und gleichzeitig Rendite machen. Beißt sich das nicht?

Brenninkmeijer: Unser Renditeziel sind 15 Prozent pro Jahr. Unsere Mitbewerber wollen mindestens 20, manche 30. Im Vergleich zu klassischen Private-Equity-Investoren geben wir uns mit wenig zufrieden.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem mischen Sie nicht aus reinem Idealismus mit.

Brenninkmeijer: Ohne Profit könnten wir ja keine weiteren Projekte finanzieren. Abgehobener Idealismus kostet nur. Genauso einseitig wäre es, nur auf Rendite zu schauen. Mit Menschen zusammenzuarbeiten, die pure Geschäftsleute sind, macht mir wenig Spaß. Man hat auf Dauer nur Erfolg, wenn man Idealismus mit bodenständigem Denken verbindet. In der Cleantech-Branche gibt es diese Art Mensch zum Glück ziemlich oft.

SPIEGEL ONLINE: Was ist Idealismus für Sie?

Brenninkmeijer: Ich will die drei Ps im Blick behalten: People, Profit, Planet. Die Diskussion vor zehn Jahren über Shareholder Value und Quartalsziele halte ich für falsch. Die wichtigen Werte sind langfristige – was man heute Nachhaltigkeit nennt. Das sind keine originellen Ideen von mir - aber ich habe Sie mir auf die Fahne geschrieben, weil sie zu unseren Werten als Familienunternehmen passen.

SPIEGEL ONLINE: Die Familie Brenninkmeijer gilt als stark katholisch geprägt.

Brenninkmeijer: Die religiöse Orientierung ist etwas Privates, aber auch eine Stütze im Geschäft. Wenn man Katholik ist wie ich, dann versucht man die Welt nicht schlechter zu hinterlassen, als man sie vorgefunden hat. Die Bewahrung der Schöpfung ist selbstverständlich für mich. Ich könnte nicht wie im Moment am Limit arbeiten, wenn ich nicht das Gefühl hätte, etwas Gutes zu tun.

SPIEGEL ONLINE: Die Finanzen für Ihre Investitionen stammen von Ihrer Familie, von der Holding der Brenninkmeijers. Entscheidet eine Art Familienrat über Ihr Geschäft?

Brenninkmeijer: Wenn wir über unser Budget hinaus investieren wollen, müssen wir gute Vorschläge machen. Wir sind nicht so konstruiert wie ein Fonds, der am Finanzmarkt Milliarden aufgenommen hat und auf einem Sack Geld sitzt - das Geld bleibt bei der Familienholding. Aber die Familie war und ist immer aufgeschlossen für Neues. Als ich meine Ideen im Jahr 2000 vorgestellt habe, wurde mir gesagt: Ja, in diese Richtung kannst Du gehen.

SPIEGEL ONLINE: Obwohl Sie die Energiebranche bis dahin nur als Außenseiter kannten?

Brenninkmeijer: Mein allererstes Investment ging auch gründlich daneben. Bei SAM Smart Energies haben wir 75 Prozent des Einsatzes verloren. Damals sagte mir ein Vetter: Hab keine schlaflosen Nächte deswegen. Die Familie hat mich sehr unterstützt. Ich hatte keinerlei Hintergrund als Investmentbanker, musste mich auf Networking verlassen, habe mich schlau gefragt, ständig neue Adressen eingesammelt. Ich habe mich dann schnell auf die Solarbranche fokussiert, vor allem auf Photovoltaik. Dort investieren wir jetzt global. Wir haben auch zwei Solarinvestments in China – kleine zwar, aber wir haben einen Fuß in der Tür.

SPIEGEL ONLINE: Wo haben Sie bewusst auf Rendite-Maximierung verzichtet, weil Sie an ein Projekt glauben?

Brenninkmeijer: Wir haben in die US-Firma Konarka investiert, die organische Photovoltaik entwickelt. Sehr futuristisch. Das kostet noch auf längere Sicht mehr, als es einspielt. Die meisten Fonds würden sich davon fernhalten. Aber wir sehen das als Investition in Forschung und Entwicklung und sagen: Ab 2015 geht der Spaß da erst richtig los. Wir unterstützen auch Projekte, von denen wir keine Rendite erwarten.

SPIEGEL ONLINE: Welche?

Brenninkmeijer: In Äthiopien haben wir ein Dorf mit Solaranlagen auszustatten geholfen. 1100 Hütten haben jetzt dank 300.000 Euro für 20 Jahre Licht. Ich habe meinen 15-jährigen Sohn dorthin mitgenommen. Das hat ihm die Augen geöffnet: die Armut sehen und gleichzeitig die Freude und Hoffnung.

SPIEGEL ONLINE: Der Chef von Shell hat in einem Interview jüngst daran erinnert, dass sich Solarstrom ohne Subventionen gar nicht rechnen würde.

Brenninkmeijer: In den ersten Ländern wird Solarstrom schon in fünf bis zehn Jahren wettbewerbsfähig sein. Er wird dann zu Spitzenzeiten so teuer sein wie andere Arten von Strom. Und die Lernkurve der Branche hört ja nicht auf. In 50 Jahren ist Solarenergie der billigste Strom, den Sie kriegen können.

SPIEGEL ONLINE: Setzen Sie mit Ihrem starken Engagement bei Q-Cells nicht zu viel auf eine Karte?

Brenninkmeijer: Das könnte man so sehen. Q-Cells ist allerdings eine tolle Firma und selbst diversifiziert, hat außer Siliziumtechnik noch Start-ups in der Dünnfilm-Technik. Meinetwegen kann der Aktienkurs kurzfristig um 20 Prozent nachgeben. Langfristig machen wir uns angesichts der Wachstumsraten keine Sorgen um die Bewertung.

SPIEGEL ONLINE: Die Kursentwicklung vieler Solaraktien erinnert allerdings an eine Blase.

Brenninkmeijer: Es ist keine neue Dot-Com-Geschichte. Anders als bei den Internetfirmen vor zehn Jahren gibt es gute Gewinne. Die Bewertungen sind ungewöhnlich, aber durch hohes Wachstum gedeckt. Wir fühlen uns recht sicher - zumal wir die Branche inzwischen verstehen. Eher wenig interessant für uns sind im Moment die Solarmodulhersteller. Das ist low engineering und arbeitsintensiv - da sind Länder mit niedrigeren Kosten auf Dauer im Vorteil.

SPIEGEL ONLINE: Wenn sich der Solarsektor so entwickelt wie Sie sagen – dann wird Good Energies bald viel Konkurrenz bekommen.

Brenninkmeijer: Unter den Cleantech-Investoren gibt es im Moment nur zwei größere Wettbewerber: Fidelity und Goldman Sachs. Sie sind aber weniger fokussiert. Als Produzenten werden noch einige Große in den Markt drängen – viele wissen derzeit nicht, auf welches Pferd sie setzen sollen und warten noch ab. Spannend ist, was Sharp, Samsung und GE tun, was die Chinesen vorhaben. Wir müssen schauen, dass Firmen wie Q-Cells die richtigen Kostenstrukturen behalten. Wir sind da laufend auf der Hut.

SPIEGEL ONLINE: Nutzen Sie zu Hause selbst Solarstrom?

Brenninkmeijer: Wir haben wegen eigener Solarpanels auf dem Dach angefragt. Wir wohnen aber neben einer denkmalgeschützten Kirche und durften das nicht. Jetzt beziehen wir Zertifikate von einem Pfadfinderheim mit Solaranlagen bei Bern - auch für das Büro von Good Energies in Zug. Aber wir könnten noch viel mehr tun, um sparsamer im Verbrauch zu werden - das wird ein mühsamer Weg.

Das Interview führte Matthias Streitz



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
H.T. 26.06.2007
1. Trends
Zitat von sysopEr sieht sich als ethischer Investor und peilt zugleich 15 Prozent Rendite an. Marcel Brenninkmeijer, Spross der C&A-Dynastie, erklärt im Interview mit SPIEGEL ONLINE, warum Investitionen in "guten Strom" ein gutes Geschäft sind – und wie Profitdenken die Energiewende befeuern kann. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,490245,00.html
[QUOTE=sysop;1265278]Er sieht sich als ethischer Investor und peilt zugleich 15 Prozent Rendite an. Zu jedem Trend bildet sich ein über kurz oder lang ein Gegentrend. Das ist einfach so. Nicht unspannend^^ Aber, wenn man voraussetzt das es stimmt, daß wir emotional unser Leben lang 12jährige sind und so gesehen unsere Welt auch aussieht, könnte man auf die Idee kommen, das es um diese "Trends" nicht geht. Das sich vielleicht dahinter etwas verbirgt, um das es wirklich geht. Wäre doch mal etwas zum nachdenken, oder? *schmunzel*
kamau 26.06.2007
2. bemerkenswert
"Wenn man Katholik ist wie ich, dann versucht man die Welt nicht schlechter zu hinterlassen, als man sie vorgefunden hat. Die Bewahrung der Schöpfung ist selbstverständlich für mich", sagt herr brenninkmeijer. ich finde das bemerkenswert. wo die meisten menschen heute nur noch das wort umwelt (-schutz) kennen, erlaubt er sich das wort der "schöpfung" zu erwähnen. ein qualitätsbegriff der heute in vielen diskussionen nicht mal mehr am rande erwähnt wird.
indosolar 26.06.2007
3. Schade dass der Artiekel so schnell von der Titelseite verschwand
es macht Freude zu lesen, dass es auch solche Unternehmer gibt, besonders wenn man bedenkt, dass eigentlich genug Geld da waere, es nicht zu riskieren. Besonders dass die Motivation kam, als er bei Einkaufstouren so viele verschmutzte Staedte gesehen wurden. Vielleicht sollten unsere Politiker doch oefter in die Dritte Welt fahren und die Konsumenten mit, um ein Umdenken zu bewirken???
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