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Ökokraftwerke: Bürger nehmen Stromversorgung selbst in die Hand

Von Tobias Lill

Die großen Energiekonzerne bekommen Konkurrenz: Mit ihren Kohle- und Atommeilern machen sie zwar Milliardengewinne, doch auf dem boomenden Ökomarkt haben sie das Nachsehen - die meisten Windräder und Solaranlagen gehören Privatleuten. In Bremen entsteht jetzt das erste Bürger-Wasserkraftwerk.

Anfangs war Hans Glaß noch neugierig. Manchmal ging er rauf zum Hügel unweit seines Dorfes, dorthin, wo das 133 Meter hohe Windrad steht. Dann überprüfte er den Zählerstand - vor allem, wenn es in der Nacht gestürmt hatte. Schließlich ist Glaß' Familie wie die meisten anderen Haushalte des Dorfes unmittelbar an den Gewinnen des Windrades beteiligt.

Glaß ist ehrenamtlicher Geschäftsführer der "Windenergieanlage Wittesheim", die knapp einen Kilometer hinter dem 230 Einwohner großen bayerischen Dorf liegt. 50 Wittesheimer und 15 Auswärtige investierten im Jahr 2002 in das Bürgerwindrad. Die Höhe der Einlagen war dabei sehr unterschiedlich - insgesamt kam ein Startkapital von 1,1 Millionen Euro zusammen. Die restlichen 900.000 Euro für den Bau schoss die heimische Raiffeisenbank zu.

Mittlerweile ist Glaß ziemlich entspannt. Ruhig zählt er die Sekunden. "Das Geld vermehrt sich von selbst", sagt er und lächelt. Pro Stunde erwirtschaftet das Rad rund 20 Euro für die Dorfgemeinschaft. In einer stürmischen Nacht kann der Gewinn sogar in die Tausende Euro gehen.

Eine Gelddruckmaschine ist die Anlage zwar nicht - mit einer Rendite von fünf Prozent gleiche sie eher "einem besseren Sparbuch", sagt Glaß. Eine "Investition für die nächste Generation" sei das Rad aber in jedem Fall. Der Stahl- und Betonkoloss deckt mit einer Leistung von 2,5 Megawatt den Stromverbrauch der Wittesheimer um ein Zehnfaches ab. Und nebenbei werden 2600 Tonnen CO2 eingespart, die ein konventionelles Kraftwerk in die Atmosphäre pusten würde.

Auch ohne das Engagement der Wittesheimer wäre bei dem Dorf wohl auf kurz oder lang ein Windrad gebaut worden. "Schließlich war die Region bei den Planern im Landratsamt als potentieller Standort für eine Anlage vorgesehen", sagt Glaß. Doch dann hätten nur Großunternehmen an den Subventionen verdient. "Wir wollten hier keine Anlage in Konzernhand haben, bei der der Landwirt nur noch der Knecht des Unternehmens ist."

Anders als bei vielen anderen Windkraftanlagen gab es in Wittesheim keine Proteste und Klagen. "Wer von der Windkraft finanziell profitiert, der hat nichts dagegen", sagt Glaß. Nur von außerhalb seien den Menschen Lügen erzählt worden. Etwa, dass die Vögel und Käfer sterben würden. "Quatsch", sagt Glaß. Kein Dorfbewohner habe je einen zerfetzten Vogel gesehen. Auch die Lautstärke der Propeller störe niemanden. "Nur an ein paar Tagen im Jahr, wenn es richtig windig ist, hört man das Rad. Und dann weiß man, dass man gerade Geld verdient."

"Bürgerwindparks sind eine gute Anlage für den kleinen Mann", sagt auch Ulf Gerder, der Sprecher des Bundesverbands Windenergie (BWE). Genau diese Aussicht auf Profit ist es, die vielerorts hilft, Widerstände in der Landbevölkerung gegen Windräder aufzuweichen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Laut BWE sind fast zwei Drittel der rund 19.000 Windkraftanlagen in Deutschland Bürgerwindparks. Das heißt, sie befinden sich ganz oder teilweise in der Hand von Privatpersonen. Dort hingegen, wo fremde Investoren Anlagen aufstellen, erinnert der Widerstand bisweilen an die Proteste gegen Kohle- oder Atomkraftwerke. Hunderte weitere Windräder wären nach Ansicht von Umweltverbänden allein in Süddeutschland ohne Gefahren für die Natur möglich, wenn sich die Bevölkerung oder Lokalpolitiker nicht dagegen sträubten.

Vor allem in wirtschaftlich schwächeren und dafür an Wind umso reicheren Regionen stieß die Idee von der volkseigenen Windkraft auf hohe Resonanz. So etwa im nordfriesischen Grenzörtchen Ellhöft. "Hier gibt es nicht viel, womit die Leute Geld verdienen können. Deshalb warten die Menschen regelrecht auf neue Anlagen", sagt Reinhard Christiansen, der Geschäftsführer des Windparks Ellhöft. Der 8,4 Megawatt starke Bürgerwindpark mit 50 Gesellschaftern ging im Sommer 2000 ans Netz. Ein Viertel der 8,5 Millionen Euro für die sechs Räder brachten die Dorfbewohner ein, den Rest die örtliche Raiffeisenbank.

Die Geschäfte laufen gut: Christiansen schwärmt von "jährlichen Renditen im zweistelligen Prozentbereich". Auch viele Ellhöfter, die keine Anteile erworben haben, freuen sich über den Windpark. So erhalten etwa Eigentümer von Grundstücken, die nicht selbst Standort der Anlagen sind, aber in deren Nähe liegen, Pachtzahlungen. Diejenigen Dorfbewohner, auf deren Flächen Wege zu den Windrädern gebaut wurden, verdienen ebenfalls. "Viele Aufträge gehen zudem an Unternehmen aus der Gegend", sagt Christiansen.

Nicht immer geht die Rechnung auf

Windlobbyist Gerder schwärmt: "Der überwiegende Teil der Wertschöpfung der Bürgerwindparks bleibt in der Region." Auch in Ellhöfts Nachbarorten stieß das Projekt deshalb auf großes Interesse. 220 Einzelpersonen, darunter 30 Dänen, schlossen sich zur Grenzstrom Vindved KG zusammen und bauten im vergangenen Jahr vier Windräder. Noch in diesem Jahr sollen drei der weltweit größten Räder mit Flügelspannweiten von 126 Metern hinzukommen. Nach zwölf Jahren, schätzt Christiansen, werde sich die Investitionssumme von mindestens 2000 Euro je Eigner amortisiert haben. Die erwartete jährliche Rendite: acht Prozent.

Doch nicht jeder Windpark ist ein lohnendes Geschäft. Diese bittere Erfahrung mussten die Kommanditisten des Windparks Himmelreich in Bayern machen. Wetterbedingt ist ihr Windpark in die Insolvenz geraten. Neben einer möglichen Flaute machen auch die hohen Anlagenpreise manches Windrad zu einem riskanten Investment. Schuld sind die weltweit wachsende Nachfrage und die steigenden Stahlpreise. "Insbesondere Parks im Binnenland sind nicht immer renditeverwöhnt", sagt Unternehmer Christiansen.

Dennoch gehen auch in diesem Jahr mehrere neue Bürgerwindparks ans Netz, zum Beispiel im nordrhein-westfälischen Hilchenbach, wo derzeit einer der höchsten Parks Europas entsteht. Sogar auf dem Meer ist ein Bürgerwindpark geplant. Das Projekt Butendiek liegt rund 30 Kilometer vor Sylt. Im Jahr 2001 kauften dort 8400 zumeist aus der Region stammende Menschen Anteile von mindestens 250 Euro und finanzierten so die Kosten der Planungsphase. Allerdings lässt der Baubeginn des 240-Megawatt-Projekts noch auf sich warten.

Greenpeace hat 14.000 Genossenschaftsmitglieder

Die Windkraft ist nicht die einzige regenerative Energie, bei deren Erzeugung Menschen aus der Region verdienen. "Es gibt beim Ökostrom zahlreiche Gesellschaften mit Bürgerbeteiligung", sagt ein Greenpeace-Sprecher. Das gilt selbst für die Wasserenergie. In Bremen soll sie künftig den Anwohnern hohe Gewinne in die Tasche spülen.

In der Hansestadt soll Deutschlands erstes Wasserkraftwerk mit Bürgerbeteiligung entstehen: 51 Prozent der 16 Millionen Euro Eigenkapital will sich die Wasserkraftwerk Bremen GmbH von umwelt- und renditebewussten Bürgern zuschießen lassen. Ab einer Mindesteinlage von 2500 Euro können Interessierte einsteigen. Das Werk soll rund 14.000 Haushalte mit Elektrizität versorgen.

Bei einer anderen Ökoenergie, der Sonne, profitieren ebenfalls viele Privatleute: Hausbesitzer mit einer Solaranlage dürfen ihren Strom zu rund 45 Cent pro Kilowattstunde in das öffentliche Netz einspeisen - ein Preis, der deutlich über dem Marktniveau liegt.

Und selbst beim Stromhandel sind Genossenschaften und Kommanditgesellschaften auf dem Vormarsch. So versorgt Greenpeace Energy mittlerweile 80.000 Kunden mit Ökostrom. Der Umsatz verdreifachte sich von 2004 bis 2006 auf rund 35 Millionen Euro. Die Gewinne teilen sich 14.000 Genossenschaftsmitglieder.

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Forum - Kann Ökostrom Deutschlands Energieproblem lösen?
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1.
Gabri, 21.02.2007
Im Jahr 2005 betrug der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland 6.6% (BMU-Bericht 01/07). Diese Zahl bezieht sich auf die Stromerzeugung, die Wärmebereitstellung sowie die Kraftstoffe. Seit 1998 hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt, was über diesen doch recht langen Zeitraum allerdings erschreckend wenig ist. Die höchsten Zuwächse finden sich absolut in der Stromerzeugung (insbesondere Windkraft und Solarenergie), relativ gesehen in der Kraftstofferzeugung Biodiesel, Pflanzenöl und Ethanol). Realistische Vorstellungen gehen dahin, bis 2020 25 bis 30 % der Stromversorgung mit erneuerbaren Energien abzudecken, bis 2050 will man die Hälfte des Primärenergiebedarfs aus regenerativen Quellen decken. So weit so gut. Das bedeutet aber auch, dass selbst bei diesen sehr optimistischen Schätzungen Deutschland wohl kaum eine Vollversorgung erreichen kann und infolge dessen stets auf Importe angewiesen sein wird, egal ob es sich um bis dahin vermutlich knapp gewordenes Erdöl/Erdgas, Atomstrom oder regenerative Energien aus Ländern mit besseren Ressourcen, Flächen, Solarausbeute, Wasserkraft o.ä. handelt. Unter diesen Umständen wäre eine genaue Kosten/Nutzenanalyse der heimischen Möglichkeiten wichtig. Zum Beispiel die Frage, welche regenerativen Energien ausgebaut werden sollten und welche besser auch in Zukunft besser importiert werden. Beispielsweise gehören die deutschen Böden zu den fruchtbarsten der Welt und es wäre ernsthaft zu überlegen, ob man sie z.B. für den Rapsanbau vergeuden sollte und sich stattdessen nicht besser auf die Produktion hochwertiger Lebensmittel konzentrieren sollte um diese dann zu exportieren und gegen Energien einzutauschen. Länder wie Spanien mit diesen riesigen Dürregebieten eignen sich nun mal weitaus besser für Photovoltaik als die Norddeutsche Tiefebene und die Alpenregionen bieten bessere Möglichkeiten für Wasserkraft. Offshore-Windanlagen sind dagegen eine gute Option für Deutschland, ebenso aufgrund der Mehrheit der Böden dezentrale Geothermie-Anlagen für den einheimischen privaten und öffentlichen Wärmegewinn. Vorsichtig wäre ich dagegen bei dem verstärkten Einsatz von Holz (Pellets). Ein relativ waldarmes Land wie Deutschland kann hier im Verhältnis zu Skandinavien nur beschränkt punkten. Deshalb wäre ich auch vorsichtig mit dem möglichen Ziel der energetischen Unabhängigkeit. Diese wird in Deutschland nicht erreichbar sein ohne den Nachteil der Unwirtschaftlichkeit. Zum Ausbau regenerativer Energien würde ich ein klares Ja sagen, aber immer mit der Einschränkung, dass wir nicht den Ausbau jeder Energiequelle unbedingt fördern sollten, dieses nur im Verbund mit den europäischen Nachbarn.
2. Alles was geht ! Ökostrom sofort !
17 Träume, 21.02.2007
---Zitat von Gabri--- Im Jahr 2005 betrug der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland 6.6% (BMU-Bericht 01/07)... Unter diesen Umständen wäre eine genaue Kosten/Nutzenanalyse der heimischen Möglichkeiten wichtig. Zum Beispiel die Frage, welche regenerativen Energien ausgebaut werden sollten und welche besser auch in Zukunft besser importiert werden. Beispielsweise gehören die deutschen Böden zu den fruchtbarsten der Welt und es wäre ernsthaft zu überlegen, ob man sie z.B. für den Rapsanbau vergeuden sollte und sich stattdessen nicht besser auf die Produktion hochwertiger Lebensmittel konzentrieren sollte um diese.... ---Zitatende--- Ökostrom ist ja ein kleiner Teil bezogen auf die Primärenergieverbäuche Deutschlands, aber ein Anfang. Sie haben völlig Recht, daß eine Vollversorgung viel Schritte und Effizienzverbesserungen braucht. Es gibt bereits Studien, die auch unser Umweltminister kennt, welche z.B. Biogas klar präferiert (bis 2020 sind 10% Anteil geplant obwohl heute nur 1% Beitrag hieraus resultiert). Ebenso wie Kraftstoffe aus Biomasse (BtL statt Biodiesel) ist Biogas sehr umweltfreundlich in der Herstellung und in der Flächeneffizienz sowie Speicherfähigkeit und bietet hohe Nutzungsausbeuten aus vielfältigen pflanzlichen Rohstoffen. Hierzu gibt es im März eine Neujustierung durch die Politik, die auch eine Verbesserung von Wärmeeinsatz bzw. ein Wärmeinspeisegesetz erwarten lässt aufgrund der hohen Wirkungsgrade von Kraftwäremkopplungsanlagen, die Strom und Wärme gleichzeitig produzieren. ein ausführlicher Beitrag über die Energiemöglichkeiten http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=967925#post967925 eigene Ideen für politische Sofortrahmensetzungen http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=974921#post974921
3.
aloa5, 21.02.2007
---Zitat von sysop--- Die Energieversorgung in Deutschland ist in hohem Grad von Importen abhängig. Neben der klimaschädlichen Braunkohle und der hoch subventionierten Steinkohle sind die erneuerbaren Energien der einzige relevante heimische Energieträger. Sollten sie deshalb stärker ausgebaut werden - auch wenn das teuer ist? ---Zitatende--- Und wo bzw. wie viele Windkrafträder lassen sich aufstellen ? Begrenzt. Solaranlagen ? Nun - auf Dächern wird es bei derzeitigem Klimawechsel wohl immer interessanter. Neuere Häuser haben meisst welche auf dem Dach. Längerfristig kann dies vielleicht ein relevanter Faktor werden. Geht aber nur langsam vorwärts und hängt mit den Stückpreisen und unserem Wohlstand zusammen. Auto - keine wirkliche Lösung in Sicht. Wir können gar nicht ausreichend Raps u.ä. herstellen - auch wenn es mit Verknappung (und verteuerung) der Ressourcen (China,Indien) durchaus die landwirtschaftliche Beschäftigungsalternative sein kann (und lohnend dazu). [[Was machen eigentlich die arabischen Ölstaaten mit Ihrem Geld, wenn das Öl (die Geldquelle) versiegt ist ? (habe ich mich schon immer gefragt.... Krieg? Oder werden dort Solaranlagen aufgebaut und wir so versorgt ? ) ]] Ich finde, man muss dies nicht auf biegen und brechen fördern. Mit der Winkraft wird viel Subventionsbetrug mit Mafia-Ähnlichen Kartellen getrieben. Solaranlagen auf Dächern können durchaus helfen. Bei steigenden Rohstoff- und Strompreisen wird evtl. das ganze sogar im Verhältnis immer billiger. Etwas fördern: ja - erzwingen: nein. Wenn es sich wirklich lohnt, dann kommt es später automatisch. Grüsse ALOA
4. 100% regenrativ ist machbar !
17 Träume, 21.02.2007
sagt auch Prof.Dr. Hohmeyer, der einen UN-Bericht über die sinnvollsten Maßnahmen weltweit verfassen wird bis 2010 im Auftrag der IPCC. http://www.innovations-report.de/html/berichte/energie_elektrotechnik/bericht-79206.html
5. Biogas bringt Strom oder Wärme
17 Träume, 21.02.2007
he nachdem man es ins Gasnetz einspeist um z.B Haushalte zu beheizen oder aber Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt. Das Potential von Biogas allein liegt laut einer aktuell veröffentlichten Studie europaweit bei + 100% Ersatz des Erdgasverbrauchs + 2 Mio Arbeitsplätze zusätzlich + Wertschöpfung von 63 Milliarden € + bereits bis 2020 Kyoto allein hierdurch zu erfüllen (10% zusätzliche CO²-Einsparung) + Zusatzeinkommen für Landwirte statt subventionierten Nahrungsmittelüberschüssen http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/14/0,1872,4339566,00.html nicht genannter Nebeneffekt sind Speicherfähigkeit wie auch Grundlastfähigkeit, ökologischer Kreislauf möglich durch Wiederausbringung von Restkompost auf die Fläche. Das heißt sehr effizient ließen sich 25% des Primärenergieverbrauchs (ohne zusätzliche Einsparungen) bis 2020 decken. Biogas nach vorn !
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