Ökostrom-Studie Solarfirmen kassieren Milliarden - auf Kosten der Verbraucher

Gerade einmal ein halbes Prozent - das ist der Anteil der Sonnenenergie an der deutschen Stromproduktion. Trotzdem fahren die Solarkonzerne horrende Gewinne ein, die Zeche zahlen die Verbraucher. Das belegt eine Studie aus der Branche, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

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Hamburg - Wer sich eine Solaranlage kauft, ist meist ein Idealist. In der Regel muss man das auch sein, denn das Geschäft lohnt sich für Privatleute selten. Zu diesem Schluss kommen die Analysten Joel Conkling und Michael Rogol vom Bostoner Beratungsunternehmen Photon Consulting. In ihrer Studie "The true cost of solar power", die SPIEGEL ONLINE vorliegt, haben sie die Herstellungskosten von Solaranlagen untersucht. Das Ergebnis: Die Produzenten schaufeln sich die Taschen voll, die Rechnung bezahlen die Stromkunden.

Solarmodule in Wismar: Der Markt funktioniert nicht mehr
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Solarmodule in Wismar: Der Markt funktioniert nicht mehr

Besonders pikant: Die Solarindustrie selbst hat die Ergebnisse der Studie bestätigt. Vor der Niederschrift haben die Autoren alle relevanten Daten den Unternehmen zur Kontrolle vorgelegt. Deren Antwort: Die Aussagen stimmen.

Im Kern besagt die Studie, dass sich Solaranlagen immer günstiger herstellen lassen. Allerdings geben die Hersteller diese Effizienzgewinne nicht weiter: Privatleute, die sich eine Solaranlage aufs Dach bauen möchten, müssen dafür heute genauso viel bezahlen wie vor drei Jahren.

"Die Preise für Solaranlagen haben sich von den Kosten abgekoppelt", heißt es in der Studie. "Kostensenkungen werden nicht automatisch an die Kunden weitergegeben." Mit anderen Worten: Der Markt funktioniert nicht mehr. Dabei ließe sich aus dem Licht der Sonne viel mehr Strom gewinnen als heute - nur eben nicht zu den derzeitigen Preisen.

Schuld daran ist ausgerechnet das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es garantiert den Besitzern einer Solaranlage die Abnahme ihres Stroms zu einem Fixpreis. Derzeit liegt der bei rund 50 Cent je Kilowattstunde. Zum Vergleich: Konventioneller Strom kostet an der Leipziger Energiebörse nur rund fünf Cent.

Doch trotz der hohen Vergütung lohnt es sich für Hausbesitzer immer weniger, eine Solaranlage zu kaufen. Den Gewinn streichen stattdessen die Hersteller ein - oft Großunternehmen wie Sharp Chart zeigen, Q-Cells Chart zeigen oder Solarworld Chart zeigen. Denn wegen der hohen staatlichen Vergütung übersteigt die Nachfrage das Angebot. In der Folge können die Anbieter den Preis bestimmen.

Derzeit kostet eine Solaranlage in der Herstellung knapp 2900 Euro pro Kilowatt. Bis zum Jahr 2010 wird dieser Betrag laut Studie auf knapp 2100 Euro sinken. In der Folge könnten auch die Erzeugungskosten des Stroms fallen - im sonnigen Süddeutschland um gut 40 Prozent auf 15 Cent je Kilowattstunde. Damit wäre Solarstrom erstmals günstiger als regulärer Haushaltsstrom, für den die Verbraucher in Deutschland durchschnittlich 18 Cent zahlen müssen.

In der Debatte um den Energiemix der Zukunft wäre das eine Sensation: Erstmals wäre die Sonne wettbewerbsfähig, problemlos könnte sie mit anderen Energieträgern wie Kohle und Uran mithalten. Einem Wachstum der Solarenergie stünde nichts mehr im Weg, ihr Anteil an der Stromerzeugung könnte deutlich über die mickrigen 0,5 Prozent von heute steigen. "20 bis 30 Prozent" hält Anne Kreutzmann von der deutschen Fachzeitschrift "Photon" für möglich.

Realistisch betrachtet wird daraus jedoch nichts: Weil die staatliche Förderung die Preise für Solaranlagen künstlich nach oben treibt, lohnt sich der Kauf für Privatleute kaum noch.



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