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Öl-Manager Mallet: "Wir müssen sparen, sparen, sparen"

In 20 Jahren könnte der Welt das Öl ausgehen: Dieses düstere Szenario stammt nicht von Umweltschützern, sondern von Michel Mallet, Deutschland-Chef des Energieriesen Total. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview fordert er radikales Sparen - und eine Steuer auf Flugbenzin.

SPIEGEL ONLINE: Total machte 2008 fast 14 Milliarden Euro Gewinn - Rekord in der französischen Wirtschaftsgeschichte. Macht Ihnen die Rezession nichts aus?

Total-Bohrinsel vor der Küste Angolas: "Die Ölförderung der Zukunft ist teuer"
AFP

Total-Bohrinsel vor der Küste Angolas: "Die Ölförderung der Zukunft ist teuer"

Mallet: Doch. Unsere Erträge sind eng mit dem Ölpreis verbunden, und der ist gefallen. Aktuell spüren wir einen leichten Rückgang. Es geht uns aber besser als anderen Branchen. Einen Autokauf kann man verschieben, tanken muss man regelmäßig.

SPIEGEL ONLINE: Im vergangenen Sommer kostete ein Fass Rohöl 147 Dollar, aktuell sind es nur noch 47 Dollar. Trotzdem ist das viel: Vor ein paar Jahren lag der Preis bei gerade einmal neun Dollar.

Mallet: Neun Dollar waren eine Katastrophe. Wir brauchen vernünftige Preise, sonst gibt es keinen Anreiz für Investitionen.

SPIEGEL ONLINE: Das müssen Sie sagen. Sind denn 47 Dollar genug?

Mallet: Nein. Für diesen Preis kann man ein altes Ölfeld leer machen. Aber für eine neue Bohrung im Ozean, mit einer Wassertiefe von 2000 Metern, liegt die Gewinnschwelle bei 60 Dollar. Große Förderländer verlangen sogar noch mehr. Venezuela braucht einen Ölpreis von 90 Dollar, um seinen Staatshaushalt auszugleichen. In Iran sind es 80 Dollar.

SPIEGEL ONLINE: Und wie viel wünscht sich Total?

Mallet: Für uns wäre ein Ölpreis zwischen 50 und 90 Dollar pro Barrel vernünftig, sagen wir 80 Dollar. Das wären in Deutschland ungefähr 1,40 Euro für den Liter Super und 1,25 Euro für den Liter Diesel.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind nicht gerade bescheiden.

Mallet: Die Ölförderung der Zukunft ist technisch kompliziert - und damit teuer.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Mallet: Leicht zugängliche Ölfelder gibt es kaum noch, die Nordseeböden zum Beispiel sind praktisch leer. Neue Vorkommen findet man nur noch tief im Meer, in abgelegenen Gegenden wie in Kasachstan oder in Form von Ölsanden. Alles nicht billig bei der Erschließung.

SPIEGEL ONLINE: Die Internationale Energieagentur warnt vor einer neuen Megakrise: Weil die Konzerne zu wenig in die Förderung investieren, könnte der Ölpreis bis 2013 auf 200 Dollar hochschießen.

Mallet: Für die Weltwirtschaft wären 200 Dollar dramatisch. Wenn wir peu à peu in diese Richtung gehen - okay. Dann hätte man Zeit, um alternative Technologien zu entwickeln. Aber nicht bis 2013, das wäre zu knapp.

SPIEGEL ONLINE: Was tun Sie, um ein solches Szenario abzuwenden?

Mallet: Total investiert in diesem Jahr 18 Milliarden Dollar. Gemessen am Gewinn ist das viel mehr als bei unseren Konkurrenten.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem können Sie die Produktion nicht steigern, im vergangenen Jahr ging sie sogar zurück.

Mallet: Das Problem sind die Förderlizenzen. Die Staaten, in denen es Öl gibt, verhalten sich sehr restriktiv. In den siebziger Jahren hatten die sieben großen Ölkonzerne die Kontrolle über 70 Prozent der Reserven. Heute sind es nur noch sieben Prozent, der allergrößte Teil befindet sich in staatlicher Hand.

SPIEGEL ONLINE: Was ist daran so schlimm? Länder wie Venezuela, Iran, Irak oder Russland können ihr Öl doch selbst fördern …

Mallet: Sicherlich. Den Staatskonzernen fehlt allerdings zu einem großen Teil das technische Know-how, das wir in den vergangenen Jahrzehnten gesammelt haben. Deshalb können sie nicht so effizient produzieren - besonders in den neuen, schwierigen Fördergebieten.

SPIEGEL ONLINE: Auch Total streicht Projekte wegen der Weltwirtschaftskrise, zum Beispiel die Förderung von Ölsanden in Kanada.

Mallet: Nein. Wir könnten höchstens Projekte verschieben. Generell bringt die Krise sogar Vorteile: Die Preise für Bohrgeräte haben sich wieder normalisiert.

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