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Offerte für Opel: General Motors lässt Solarworld-Chef abblitzen

Das Angebot war überraschend, die Abfuhr folgte prompt: Der sieche US-Konzern General Motors will seine deutsche Tochter Opel nicht an die Solarfirma von Frank Asbeck verkaufen. Der schillernde Unternehmer hatte Analysten mit einer Offerte für den Autohersteller verblüfft und verstört.

Detroit - Ein Angebot für Opel basiere auf "puren Spekulationen" über einen Verkauf der General-Motors-Tochter, teilte eine Sprecherin des US-Autokonzerns am Mittwoch in Detroit mit. "Opel steht nicht zum Verkauf", sagte sie. Damit bekräftigte der Opel-Mutterkonzern seine Position in der Diskussion um seine deutsche Tochter.

Opel-Werk in Bochum: "Pure Spekulationen" über einen Verkauf
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Opel-Werk in Bochum: "Pure Spekulationen" über einen Verkauf

Der Bonner Solartechnikanbieter Solarworld hatte zuvor am Mittwoch überraschend mitgeteilt, die vier deutschen Opel-Werke in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach, Kaiserslautern übernehmen zu wollen. Dafür verlangt Solarworld nach eigenen Angaben eine Ausgleichszahlung von einer Milliarde Euro. Teil des vorgeschlagenen Geschäftes ist auch das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim. Langfristig soll Opel demnach nur noch Autos mit Elektro- oder Hybridmotoren herstellen.

Nach der Mitteilung von Solarworld will das Unternehmen selbst eine Milliarde Euro in Opel investieren. Der Betrag setze sich aus 250 Millionen Euro Bargeld und Bankkrediten von 750 Millionen Euro zusammen. Was mit den Beschäftigten passieren soll, sagte Solarworld zunächst nicht. Ziel sei, Opel wieder wettbewerbsfähig und zu einem wachsenden Unternehmen zu machen, sagte Sprecher Milan Nitzschke. Laut Solarworld stehen die Investitionen von einer Milliarde Euro unter dem Vorbehalt einer Bundesbürgschaft.

Der bisher ausschließlich in der Solartechnologie aktive Konzern würde mit der Übernahme Opel zum ersten "grünen" europäischen Autokonzern weiterentwickeln, teilte Solarworld mit. Opel wollte sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zu dem Angebot nicht äußern und verwies auf die Aussage des Mutterkonzerns, die Traditionsmarke stehe nicht zum Verkauf. Damit dürfte sich die Bedingung von Solarworld nicht erfüllen, wonach Voraussetzung für die Abgabe eines Übernahmeangebotes laut Solarworld die komplette Trennung Opels aus dem GM-Konzern sei. Zudem fordert das Unternehmen eine Kompensationszahlung von 40.000 Euro pro Arbeitsplatz in Deutschland, was der geforderten Ausgleichszahlung von insgesamt einer Milliarde Euro entspricht.

"Wenn sie klug und fair sind, dann gehen sie auf das Angebot ein", hatte Solarworld-Sprecher Nitzschke noch am Vormittag gesagt, bevor GM das Angebot ablehnte. Die Trennung von GM und Opel wird zwar seit Tagen diskutiert. Experten schätzen die Chancen dafür jedoch als äußerst gering ein.

Solarworld will nach eigenen Angaben die erfolgreichen Opel-Baureihen weiterentwickeln und neue Autos mit effizienten und schadstoffarmen Antrieben herstellen. Bei einer Umsetzung der Pläne soll Opel langfristig nur noch Elektro- und Hybridfahrzeuge herstellen. Es werde aber keinen Wechsel von einem Tag auf den anderen geben, sagte Nitzschke.

"Die Herausforderungen des Klimaschutzes und des Marktes lassen sich nur durch einen Übergang von Automotive- zu Sunmotivekonzepten bewältigen", erklärte Solarworld-Chef Frank Asbeck. Der Konzern arbeite bereits seit Jahren an der Entwicklung und Erprobung von Elektrofahrzeugen.

Sprecher Nitzschke verwies auf die Solarsparte von Shell Chart zeigen, die Solarworld vor zwei Jahren mit einer ähnlichen Vereinbarung übernommen habe. "Wir haben daraus ein Top-Unternehmen gemacht", betonte er.

Schon vor der GM-Absage zweifelten Analysten an den Plänen. Ingo Speich, Experte für die Automobilbranche von Union Investment, sagte: "Selbst mit größter Phantasie fehlen mir die nötigen Argumente, das zu glauben." Es sollte Erfahrung mit Autos vorhanden sein. Außerdem sei es nicht einfach, Opel aus GM herauszulösen. Das Vorhaben erscheine extrem unwahrscheinlich, sagte Speich. Solarworld-Aktionäre teilten die Skepsis: Das Papier gab bis zum frühen Nachmittag um knapp 18 Prozent nach.

Solarworld Chart zeigen bietet bislang Solarstromtechnik an und produziert in Deutschland und den USA. Weltweit hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 2254 Mitarbeiter. Die deutsche Adam Opel GmbH beschäftigt knapp 30.000 Menschen.

Die Opel-Mutter General Motors Chart zeigen kämpft wie die US-Konkurrenten Ford und Chrysler ums Überleben. Wegen der Krise will die deutsche Tochter eine Milliardenbürgschaft vom deutschen Staat. Darüber wollen Bund und Länder bis Weihnachten entscheiden.

kaz/AP/dpa/ddp

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