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Offshore-Allianz: Europas Norden treibt die Energiewende voran

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Neun europäische Staaten, darunter Deutschland, planen ein Megaprojekt: Sie wollen ein gewaltiges Energienetz in der Nordsee verlegen. Ökonomen und Wissenschaftler loben das Vorhaben als Meilenstein für die Ökostromwende - auch wenn bislang nur eine Absichtserklärung existiert.

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DDP

Dänische Offshore-Windkraftanlagen

Hamburg - Europas Energiesektor ist um ein Megaprojekt reicher: Deutschland und acht weitere europäische Staaten wollen in der Nordsee ein Hightech-Netz für Ökostrom verlegen. In den kommenden zehn Jahren wollen sie Tausende Kilometer Hightech-Kabel auf dem Meeresgrund verlegen. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll so ein Untersee-Netz entstehen, die Infrastruktur für Europas Energiezukunft.

Und das ist auch dringend nötig. Denn viele Staaten Nordeuropas planen derzeit gewaltige Hochsee-Windparks. Allein Deutschland will 40 Offshore-Kraftwerke in der Nord- und Ostsee bauen lassen. Schon jetzt betreiben zudem Dänemark und Belgien Gezeitenkraftwerke, und Norwegen erzeugt Strom mit Wasserkraft. Schon bald sollen all diese Ökostromfabriken über ein "Supergrid" unter dem Meer zusammenarbeiten.

Das wäre ein gewaltiger Techniksprung: Denn für solch ein Supernetz, das Strom über weite Distanzen leiten soll, braucht man Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ, siehe Infobox links) statt Wechselstrom. HGÜ-Kabel leiten Strom relativ verlustarm, auf 1000 Kilometer Distanz verliert man etwa drei bis vier Prozent des Stroms. Würde man eine herkömmliche Wechselstromleitung nehmen, wären es 15 Prozent.

Ökonomen und Politiker werten das geplante Supernetz als Meilenstein. "Die Verkabelung der Nordsee ist die europäische Antwort auf den gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen", sagt Josef Auer, Energie-Analyst bei DB-Research. Trotz verkorkster Konferenz "prescht Europa bei der Nutzung erneuerbarer Energien vor".

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Nordsee-Supergrid: Europa unter Strom

Auch die Pressemitteilung, die Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle zum neuen Hochsee-Projekt herausgegeben hat, setzt ein deutliches politisches Signal. "Wir wollen dazu beitragen, dass uns möglichst schnell der Sprung in das regenerative Zeitalter gelingt", teilt der FDP-Politiker mit, der die Verkablung der Nordsee für Deutschland federführend betreut.

Damit ist er ausnahmsweise einer Meinung mit der Opposition. "Der politische Druck auf die Energiekonzerne ist durch die Ankündigung des Hochsee-Supergrids deutlich gewachsen", sagt Hans-Josef Fell, energiepolitischer Sprecher der Grünen. "Die Umstellung erneuerbarer Energien wird allmählich von einer geschäftsstrategischen Option zu einem politischen Muss."

Warum ein Untersee-Netz die Energiewende beschleunigt

Tatsächlich könnten die Branchengrößen wie E.on oder Vattenfall durch das Nordsee-Netz gezwungen werden, ihre Konzernstrategie schneller umzustellen als ihnen lieb ist. Denn das Unterwasser-Netz löst ein ganz wesentliches Problem beim Ausbau der Windenergieförderung vor der Küste. Hersteller von Offshore-Windanlagen haben bisher nur schwer eine Garantie erhalten, dass ihr Windpark, wenn er fertig gebaut ist, auch ans Stromnetz kommt.

Zwar sind die Netzbetreiber dazu gesetzlich verpflichtet - doch verlangen sie für eine Anschlussgarantie oft, dass die Finanzierung für das Windparkprojekt bereits steht. Banken dagegen verlangen von Investoren, dass die Anschlussgarantie steht, bevor sie Geld zuschießen. Für Windpark-Bauer war es dadurch in der Vergangenheit eher schwer, ihre Riesenprojekte finanziert zu bekommen.

Das ändert sich jetzt. "Der geplante Bau eines europäischen Supernetzes gibt den Herstellern mehr Planungssicherheit", sagt Analyst Auer. Zudem würden die Partner-Länder ihre technologische Expertise bündeln. "Die Verkabelung der Nordsee dürfte den Bau großer Offshore-Parks deutlich beschleunigen."

Und die Vernetzung von Wind-, Wasser- und Gezeitenkraft hat noch einen weiteren Vorteil. Sie macht die unkalkulierbare regenerative Energieerzeugung beständiger. Denn Strom lässt sich im großen Maßstab schlecht speichern. Eine Möglichkeit sind Pumpspeicherkraftwerke. Normalerweise fließt Wasser aus einem höheren Becken durch Turbinen in ein tiefer gelegenes. Dabei erzeugen die Turbinen Strom. Bei geringen Lastzeiten kann aber überschüssiger Strom aus dem Netz Pumpen antreiben, die das Wasser von unten nach oben bringen und die Energie auf diese Weise speichern.

Durch das geplante Netz in der Nordsee erhielten Länder wie Deutschland, die viel unberechenbare Windkraft erzeugen, Zugang zu den Speicherkraftwerken Skandinaviens, Österreichs und der Schweiz, sagt Raphael Görner vom Fachvertrieb elektrische Netze bei ABB Deutschland. Eine staatsübergreifende Vernetzung biete so die Möglichkeit, Unregelmäßigkeiten der Energieeinspeisung auszugleichen.

E.on, Vattenfall & Co. unter Druck

Energieriesen wie E.on und Vattenfall stellt das vor gewaltige Umwälzungen: Ihre traditionellen Kraftwerksparks könnten schneller an Bedeutung verlieren als ihnen lieb ist. Laut Analyst Auer ist es daher gut, dass die Politik das Projekt eng koordiniert. Denn die könnte verhindern, dass Großkonzerne den Netzausbau bremsen, damit die Gewinne ihrer Kohle- und Atommeiler nicht zu schnell schrumpfen - falls der Wille, die Energiewende voranzutreiben, tatsächlich so stark ist, wie Minister Brüderle behauptet.

Wohlgemerkt: falls. Denn bislang ist das Projekt nicht mehr als eine politische Absichtserklärung - und die liegt bislang noch nicht mal schriftlich vor. Denn erst am 7. Dezember haben Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Dänemark, die Niederlande, Irland, Luxemburg und Norwegen die Nordsee-Offshore-Initiative ("North Seas Countries' Offshore Grid Initiative") ins Leben gerufen.

Nach Vorarbeiten im vergangenen Jahr werden Vertreter der Ministerien in der ersten Hälfte dieses Jahres Schwerpunkte der Zusammenarbeit bestimmen und dabei auch in einen intensiven Dialog mit den zahlreichen europäischen Akteuren im Bereich Offshore treten. Für Ende des Jahres 2010 ist dann die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding geplant, in dem das weitere Vorgehen festgelegt wird.

Unternehmen sollen Großteil der Kosten tragen

Erst Ende 2010 wird sich also entscheiden, wer in dem Projekt was zu sagen hat. Machtlos werden E.on, Vattenfall & Co. dabei nicht bleiben: Den Großteil der Kosten, insgesamt gut 30 Milliarden Euro, sollen laut "Süddeutscher Zeitung" die Unternehmen tragen. Führende europäische Energieversorger und Netzbetreiber würden an den anstehenden Verhandlungen teilnehmen.

Die Grünen-Angeordnete Ingrid Nestle macht das skeptisch: "Es muss sichergestellt werden, dass durch die Nordseekabel letztlich wirklich Ökostrom fließt - dass also nicht etwa Kernkraftbetreiber das Netz für ihre Zwecke nutzen", sagt sie.

Dass das Projekt Nordsee-Netz indes realisiert wird, halten Experten für sehr wahrscheinlich. Der Bau von Supergrids wird schon seit längerem diskutiert. Es gibt eine Analyse von Greenpeace, die "North sea electricity grid"-Studie, laut der das Netz eine Gesamtlänge von 6200 Kilometer Kabeln haben werde. Auch der Europäische Windenergie-Verband hat ein umfangreiche Studie zu dem Thema veröffentlicht. Ihr Titel: "Oceans of Opportunity".

Sogar Pilotprojekte gibt es schon: Mit dem längsten unterseeischen Stromkabel der Welt wurden 2008 die Stromnetze Norwegens mit den Niederlanden verbunden. Über 580 Kilometer läuft das elf Zentimeter dicke HGÜ-Kabel in 410 Metern Tiefe durch die Nordsee. Wenige Monate dauerte die Verlegung. Die Kosten: 600 Millionen Euro. Seitdem können die Niederlande den aus Wasserkraft erzeugten Strom Norwegens importieren und überschüssigen Strom aus Windkraft in Norwegen zwischenspeichern.

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Forum - Neue Ideen zum Energieproblem?
insgesamt 3491 Beiträge
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1.
AndyH 20.08.2009
Zitat von sysopSchwindende Ressourcen, steigende Preise: Die Frage nach den Energie der Zukunft wird drängender. Welche Ideen sind für Sie zukunftsfähig und Erfolg versprechend?
Kohle ist in Unmengen vorhanden. Alleine die deutschen Braunkohlereviere haben so viel Energiegehalt wie Iraks Ölfelder zusammen. Steinkohle gibt es in Osteuropa, Asien, Australien und Amerika en mass, oft als Tagebau. Öl ist nicht verschwunden. Als Öl gegen 150$ hochspekuliert wurde, fand man in kurzen Abständen neue Lagerstätte. Inzwischen nicht mehr weil wieder spottbillig, also nicht lohnt zu suchen. Die Lager sind randvoll, die Tankschiffe dümpeln als Lager auf hohe See. Gas gibt es mehr als Öl, selbst Norwegen fand neue gigantische gasvorkommen. Russland und Mittelasien hat bald 3 Pipelines nach Westeuropa und Katar kaufte sich eine Flotte Flüssiggastanker zusammen. Methan gibt es als Methanhydrate in unglaublichen Mengen an allen Küsten. Ausreichend für Jahrhunderte. Japan und USA basteln schon am industriellen Gewinnung. Uran und Thorium gibt es ebensfalls für Jahrhunderte. Bislang verbrennt man die Reste des kalten Krieges, was die Preise drückt und sogar gut laufende Minen zur Schliessung zwingt. Strompreis ist nahezu unabhängig vom Uranpreis, deshalb sind Kernkraftwerke langfristig preisstabilisierend. Neue Reaktortypen wie EPR und THTR sowie die Versuche mittels Transmutation zeigen, dass auch in 100-300 Jahren noch genug Energie erzeugt werden kann. Dagegen Biomist wie Hühnerfeder in Energieträger zu verarbeiten ist ziemlich aussichtslos. Einerseits ist es aufwändig und teuer, andereseits mikrige Mengen. Die Bioenergie Thema ist auch sehr leise geworden, nach den Hungeraufständen 2008 und auch die Zwangsbeimischungsunfug hat sich auch relativiert. Alle "alternativen" Energien werden Subventioniert, sind damit wirtschaftsschädlich und nur als ideologische Feigenblattt tauglich.
2.
bluaMauritius, 20.08.2009
Zitat von sysopSchwindende Ressourcen, steigende Preise: Die Frage nach den Energie der Zukunft wird drängender. Welche Ideen sind für Sie zukunftsfähig und Erfolg versprechend?
Seit über 250 Jahren gibt es den Hydraulischen Widder der Gebr. Montgolfiers. Seit 1920 gibt es das UK patent specification für Gaetano Sallusto's Kurzdruck-Wasserkraftwerk mit Kolbenzylindermaschine, daraus ist später auch Gravitations-Resonator entstanden. Es geht darum, dahs eine Kraft (z.B. hydrostatische Kraft) auch wenn nur kurzzeitig präsent, wegen ihres Vektors und ihrer Gröhsse (zB. bedingt durch Steigleitungshöhe und mit Druck beaufschlagte Fläche) dennoch - wie auch andere kurzzeitig wirkenden Kräfte auf anderen Gebieten - eine Bewegung einer berührten Masse bewirkt, wenn diese nachgeben kann (z.B. zum Antrieb eines der Kraft entsprechenden Schwungrades über Kolben, Kolbenstange, Pleuel und Kurbel), -oder ob dies unmöglich sei, weil so ein Kolben (s.o.) nicht 1 cm weit komme. Meinung eines Schamanen, der sofort auf die Linie der Kraftwirkungsleugner eingeschwenkt war (bei SPIEGEL, der neuerdings auch festlegt, was zu erforschen sei und was nicht?? und der eine sachliche] Antwort an alida80 nicht mehr freigab, den Strang einfach abschloss). Man staune: Zitat alida80: --> " Ich bewundere die Geduld, welche viele hier bisher an den Tag gelegt haben. Sie sehen, wozu es geführt hat? Ich hatte einen solchen "Erfinder" in meiner Familie. Interessanterweise hat mich das bewogen, Physik zu studieren. Ein bisschen ist hängen geblieben, denn schon seit meinem Studium sammele ich diese Art von Erfindungen, mache saubere technische Zeichnungen und lesbare Beschreibungen daraus. Irgendwann werde ich auch mal ein Buch darüber schreiben; .... Sie können hier nicht argumentieren, das haben sie alle inzwischen sicher gemerkt. Was sie hier sehen, ist so eine Art Fundamentalismus, der genau einen Lehrsatz kennt: "Wer das Gleiche sagt wie ich ist ein Experte, jeder andere hat mich nicht verstanden (weswegen die Beschreibung der Erfindung ad nauseam wiederholt wird), ist dumm und/oder von meinen Gegnern bezahlt". Mit dieser Art Fundamentalismus kann man nicht diskutieren. Einer von Ihnen hat es mit paradoxer Intervention versucht. Das soll manchmal bei Fundamentalisten klappen, aber hier beißen sie auf Granit. In der Tat finden sich bei diesen Erfindern immer wieder die gleichen Denkfehler: Kraft wird mit Arbeit verwechselt, es existiert ein allenfalls schwurbeliger Energiebegriff, Maßeinheiten und Begriffsdefinitionen werden durcheinander geworfen. Kurz gesagt: die physikalischen Begrifflichkeiten werden nicht verstanden. Einige Beispiele haben sie hier schon gesehen (...) " Zitat Ende.
3.
Roller, 20.08.2009
Zitat von sysopSchwindende Ressourcen, steigende Preise: Die Frage nach den Energie der Zukunft wird drängender. Welche Ideen sind für Sie zukunftsfähig und Erfolg versprechend?
Unser großes Problem ist das 50 Hz Hochspannungsnetz. Elektrizität ist nicht für große Energietransporte geeignet. Dafür ist das hier zigmal besser geeignet:http://www.subbrit.org.uk/sb-sites/sites/h/hydraulic_power_in_london/ Das hat früher in London funktioniert und würde auch heute noch sehr gut in Deutschland funktionieren, zumal der dafür erforderliche Druck kostenlos vorhanden ist. Fuer grosse Leistungen ist es nach wie vor viel! besser, die Energie mit Rohrleitungen als mit elektrischen Kabeln zu uebetragen. Das kommt daher,weil bei einer Rohrleitung das Verhaeltnis von Reibungsflaeche zur uebertragenen Leistung immer kleiner wird mit steigendem Rohrdurchmesser. Bei einem Elektrokabel bleibt dieses Verhaeltnis fast bei jedem Kabeldurchmesser konstant. Es ist daher viel besser kleine Leistungen elektrisch zu uebertragen und grosse Leistungen hydraulisch. Nehmen wir einmal an, wir haetten zwei gleichlange Kabel, eines mit dem halben Durchmesser des anderen und schalten diese in Reihe . Legen wir jetzt eine spannung an, stellt sich ein Spannungsteiler von 1:4 ein, da das duennere Kabel den vierfachen Widerstand hat. Es entstehen in diesem Falle ca. 20% Verluste. Uebertragen wir diesen Fall auf eine Rohrleitung, dann stellt sich jedoch ein Druckteiler von 1:40 ein, da ein Rohr mit doppeltem Durchmesser vierzigmal besser leitet. Es entstehen dann nur noch ca 2,5% Verluste. Das zeigt, dass bei groesseren Durchmessern ein Rohrleitungsnetz mindestens 10 mal stabiler als ein Kabelnetz ist. Bei kleineren Durchmessern ist jedoch das Kabel dem Rohr schnell um ein vielfaches ueberlegen. Der Leitwert des Rohres aendert sich mit d^5,33 und der Leitwert des Kabels aendert sich mit d^2/4 . Hieraus kann man ersehen, dass bei d=1 ist das Rohr jedoch dem Elektrokabel sehr schnell um ein Vielfaches ueberlegen. Wuerde man jetzt bundes -oder europaweit statt des Hochspannungsnetzes ein Hochdruckwassernetz aufbauen, haette man folgende Vorteile.: -ein fast betriebskostenloser Betrieb, ohne CO2 Erzeugung, da der Betriebsdruck in hochgelegenen Staudaemmen kostenlos zur Verfuegung steht. -Vervielfachung des bisherigen Ertrages aus Wasserkraft durch den Hoehengewinn des Drucknetzes. -hydraulische Windräder können Windenergie mit hohem Wirkungsgrad, mit minimalem Aufwand an jeder Stelle in das Drucknetz einspeisen und damit Windenergie grundlastfähig machen. - Da die Energie nicht mehr mit 50 Hz Takt in das Netz eingespeist werden muss, kann der Ertrag aus Windkraft mit hydraulischen Windraedern durch Auslassung des elektrischen Weges mehr als verdoppelt werden. - Hochspannungsleitungen reichen nur bis max. ca. 500km, Rohrleitungen haben jedoch kein Leistungs- und kein Enfernungslimit. - die Verluste im Rohrnetz gehen gegen Null im Vergleich zum Elektrokabel. -keine Verschandelung der Landschaft mit Hochspannungsmasten -dezentrale Energieversorgung zerstört die Monopolstellung der EVU. -das Trinkwasserproblem wird nebenbei gelöst. Obwohl hier durchweg alle die technische Diskussion ablehnen, ("Da wär schon längst jemand drauf gekommen", "Wie oft soll man es denn noch widerlegen?" ) hoffe ich doch endlich mal konkret auf technisch- physikalischer Ebene widerlegt zu werden. Gruß Roller
4.
medienquadrat, 20.08.2009
Zitat von sysopSchwindende Ressourcen, steigende Preise: Die Frage nach den Energie der Zukunft wird drängender. Welche Ideen sind für Sie zukunftsfähig und Erfolg versprechend?
kommt mir vor, wie der lungenkranke Kettenraucher, der auf Mentholzigaretten umsteigt und als Krönung seines wiedererweckten Gesundheitswahns auch noch eine Zigarettenspitze benutzt!
5.
Edgar, 20.08.2009
Zehn Prozent dessen, was als EE-Subvention zum Fenster hinaus geworfen wird, in die Fusionsforschung stecken, und in der nächsten Generation steht Energie in unbegrenzten Mengen zur Verfügung.
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HGÜ-Kabel
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Vorteile
Für ein Supernetz in der Nordsee, das Strom über weite Distanzen leiten soll, braucht man Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) statt Wechselstrom. HGÜ-Kabel leiten Strom relativ verlustarm, auf 1000 Kilometer Distanz verliert man etwa drei bis vier Prozent des Stroms. Würde man eine Wechselstromleitung nehmen, wären es 15 Prozent.
Nachteile
HGÜ hat aber auch Nachteile: Man muss erst den Wechselstrom vor der Leitung in Gleichstrom umwandeln, und dann wieder in Wechselstrom umwandeln, bevor er vom Verbraucher genutzt werden kann. Für die Umwandlung braucht man Stromrichter-Stationen, die teuer sind und bei jeder Umwandlung rund ein Prozent Stromverlust bringen.
Stromrichter-Stationen
"Jedes Land in dem Supernetz bräuchte eine Stromrichter-Station", sagt Raphael Görner vom Fachvertrieb elektrische Netze bei ABB Deutschland. "Es laufen aber Forschungen, Windparks direkt an HGÜ-Leitungen anzubinden."
Technische Realisierbarkeit
Technisch wäre der Aufbau eines Supernetzes in der Nordsee kein Problem. Einzige erforderliche Neuerung: "Man braucht Leistungsschalter, um das Netz wie ein normales Wechselstromnetz behandeln zu können", sagt Raphael Görner vom Fachvertrieb elektrische Netze bei ABB Deutschland. Ohne sie müsste im Falle einer Fehlfunktion das gesamte Netz heruntergefahren werden.

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.
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