Preisexplosion bei Lebensmitteln Jetzt kommt die Olivenöl-Krise

Wetterkapriolen in Südeuropa haben Gemüse zum teuren Luxus gemacht. Einem Mittelmeerprodukt steht der Preisboom noch bevor: Olivenöl dürfte drastisch teurer werden.

Olivenbaum
AFP

Olivenbaum

Von


Wer Globalisierung und Klimawandel spüren will, braucht nur in die Gemüseabteilung eines beliebigen europäischen Supermarktes zu gehen: Fast alles ist sehr viel teurer geworden. Die Salatpreise in Deutschland haben sich verdoppelt, in Frankreich kosten Zucchini bis zu fünf Mal so viel wie üblich. Supermärkte in Großbritannien rationieren Brokkoli und Salatköpfe; ob Tomaten, Paprika oder Auberginen, alles kostet mehr. Der Grund: Wetterkapriolen in Südeuropa.

Fast ein Drittel des europäischen Obst- und Gemüseangebots kommt aus Spanien, im Winter steigt der Anteil auf die Hälfte. Nur war dieser Winter auch an der spanischen Mittelmeerküste nicht so mild wie üblich. Ende Dezember wurde die ganze Region von sintflutartigen Regenfällen überschwemmt, im Januar schneite es sogar - in manchen Orten zum ersten Mal seit mehr als dreißig Jahren.

Besonders schlecht sind die Bedingungen für Oliven: 2016 fing mit langer Kälte schlecht an - ausgerechnet zur Blütezeit der Olivenbäume konnten kaum Insekten ausfliegen. Dann wollte der heiße Sommer nicht zu Ende gehen, und die Pflanzen bekamen viel zu wenig Wasser. Was Touristen im Spätherbst noch freute, wird nun für Olivenbauern in Italien, Spanien und Griechenland zu einem echten Problem. Derzeit fahren die Landwirte am Mittelmeer zum dritten Mal hintereinander eine miserable Ernte ein. Und zum ersten Mal dürften deutsche Verbraucher das in den Supermärkten spüren.

Die Qualität der Ernte ist mies

Nicht nur die Erntemengen sind dramatisch zurückgegangen, auch die Qualität der sensiblen Früchte ist mies - große Teile der Olivenernte sind einfach zu schlecht, um aus ihnen gutes Öl zu pressen. Zwar war das in den Jahren 2015 und 2016 ähnlich, aber damals waren die Olivenöltanks der Großhändler noch gut gefüllt. Außerdem durfte Tunesien dank einer EU-Ausnahmegenehmigung eigenes Olivenöl im großen Stil auf den europäischen Markt bringen.

Das bremste den Preisanstieg aber nur wenig: Im Jahr 2015 verteuerte sich Olivenöl in Spanien um mehr als 27 Prozent, in Italien um 21 Prozent, wie das Marktforschungsunternehmen IRI Information Resources ermittelte.

Sogar in Deutschland, wo die großen Supermarkt- und Discounterketten auch in schwierigen Zeiten bei den Erzeugern niedrigste Einkaufspreise durchsetzen, stiegen 2015 die Preise für Olivenöl um mehr als acht Prozent und im vergangenen Jahr um weitere sieben Prozent. Stärker als der Durchschnitt verteuerten sich der neuesten IRI-Auswertung zufolge die No-Name-Handelsmarken der Discounter, die auch in aktuellen Tests am besten abschneiden. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Die Zeit der ganz billigen Olivenöle dürfte auch bei Aldi, Lidl oder Netto vorerst vorbei sein.

Schon jetzt sind die Olivenölpreise in Spanien, dem mit weitem Abstand größten Produktionsland, den Analysten von Oilworld zufolge gut ein Viertel höher als im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2015. Wenn der erste Teil der aktuell mageren Ernte verkauft ist, dürften sie rasant weitersteigen.

Transport nur mit bewaffneter Eskorte?

Conrad Bölicke, Geschäftsführer des Olivenölprojekts Artefakt, der die Ernte in Griechenland und Italien seit Jahren vor Ort verfolgt, rechnet damit, dass die Verbraucher in diesem Jahr bis zu zehn Prozent mehr für Olivenöl zahlen müssen: "Wenn die Supermärkte ihre Preise halten wollen, müssen sie unter ihrem Einkaufspreis verkaufen."

Gutes Olivenöl sei in diesem Jahr in Orten wie Sizilien, wo die Ernte um 70 Prozent eingebrochen ist, Gold wert, sagt Bölicke. Ein Produzent habe ihm deshalb geraten, den Transport von der Ölmühle zum Hafen in Palermo mit einer bewaffneten Eskorte zu sichern.

Besonders treffen dürfte es aber die Verbraucher in Großbritannien: Nach der Entscheidung für einen Austritt aus der EU hat das britische Pfund deutlich an Wert verloren. Olivenöl ist jetzt auf der Insel so teuer wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Der britische Starkoch Jamie Oliver hat wegen der gestiegenen Preise für Gemüse und vor allem für Olivenöl schon angekündigt, sechs seiner italienischen Restaurants in dem Land zu schließen.

Freuen können sich allenfalls die Landwirte am Mittelmeer - jedenfalls die, die überhaupt eine nennenswerte Ernte eingebracht haben: Sie bekommen zum ersten Mal seit Jahren ein wenig mehr Geld für ihre Arbeit, von der sie in den vergangenen Jahren kaum noch leben können.



insgesamt 88 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hanfiey 14.02.2017
1. Salat im Winter
Das kommt davon wenn jeder alles auch im Winter haben möchte. Wir können eigentlich so nicht weiter machen.
Pfaffenwinkel 14.02.2017
2. Muss es denn immer Olivenöl sein?
Man kann auch sehr gesund mit Rapsöl kochen. Und statt Salat ißt man eben heimisches Gemüse. Schlechte Ernten gab es immer wieder mal, da weicht man eben auf etwas anderes aus.
QPDO 14.02.2017
3.
Bitte den Panikmodus ausschalten. Dann wird es teurer. Dann kaufen die Leute evtl. wieder andere Öle. Wallnussöl zum Beispiel. Jamie Oliver wird sich neue Gerichte ausdenken und die Deutschen werden feststellen, dass Rapsöl zum Braten eh viel besser ist, und eine Leinsamenmajo ein ganz eigenes Aroma hat.
aggro_aggro 14.02.2017
4. einmal
Ein Jahr mit schlechter Ernte. Das kommt immer wieder vor, auch wenn wir größere Anbaugebiete zur Verfügung haben. Jetzt werden einige wenige Lebensmittel im Hochwinter 10-50% teurer. Inflationsangst wird verbreitet. Vor wenigen Jahrzehnten gab es in solchen Fällen noch Landflucht, Selbstmorde, Hungersnöte. Wir haben es schon schwer....
otelago 14.02.2017
5. Vor einigen Jahren
Schrieben die Klimaerwärmungslexperten, dass man nun in Deutschland Unmengen Oliven und andere Südfrüchte anbauen werde. Daraus wurde offenbar nichts. Glücklicherweise gibt es trotzdem keinen Mangel an Nahrung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.