Olivenöl Sengende Hitze lässt Preis explodieren

Spaniens Olivenbauern befürchten dramatische Ernteeinbußen wegen der andauernden Hitzewelle und des fehlenden Regens. Schon der ungewöhnliche Frost des vergangenen Winters hatte den Olivenbäumen erheblich zugesetzt.


Oliven: Vorräte werden jetzt gehortet
AFP

Oliven: Vorräte werden jetzt gehortet

Hamburg - Seit Beginn der Messungen im Jahr 1947 ist in Spanien nicht mehr so wenig Regen gefallen wie dieses Jahr. Die spanischen Wasserreserven sind auf die Hälfte zusammengeschrumpft. Olivenhaine sind von der Trockenheit besonders betroffen, weil die Felder nicht künstlich bewässert werden. Wenn es nicht bald regnet, rechnen spanische Bauern für November mit einen Ernteertrag von höchstens 700.000 Tonnen. Vor zwei Jahren konnten noch rund 1,4 Millionen Tonnen Oliven geerntet werden.

Dabei hatte schon eine Frostwelle im Winter die Olivenhaine nachhaltig geschädigt. Rund vier Prozent der Bäume haben ihre gesamte Ernte verloren. Deshalb falle das Ernte-Ergebnis dieses Jahr ohnehin sehr viel geringer aus als im letzten Jahr, heißt es an der spanischen Börse für Olivenöl-Optionen - der Sociedad Rectora del Mercado de Futuros del Aceite de Oliva (MFAO). Einige der durch die Kälte geschädigten Olivenbäume haben sogar ganz ersetzt werden müssen. Die neuen Setzlinge könnten erstmals in fünf Jahren abgeerntet werden.

"Die Konsumenten werden diesen Preis nicht zahlen"

Die Folgen der ungünstigen Klimabedingungen machen sich bereits bemerkbar. Eine Tonne Olivenöl extra virgin kostet derzeit an der Börse schon etwa 3000 Euro, rund 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Preis für eine Tonne Öl aus zweiter Pressung zur Lieferung im September notierte bei 2830 Euro.

Viele Händler an der MFAO befürchten, dass die Konsumenten auf Sonnenblumenöl umsteigen, sobald die Preise für Olivenöl drei bis fünf Mal höher sind. "Die Konsumenten werden diese Preise nicht zahlen", sagte der spanische Rohstoffexperte Oscar Lopez. "Alles hat eine Grenze."

"Dieses Jahr wird das nicht passieren", erklärt dagegen ein Händler an der MFAO. "Der Markt ist sehr stark." Der Internationale Olivenöl-Verband COI schätzt allerdings, dass der weltweite Verbrauch an Olivenöl in der Saison 2004/2005 um 2,3 Prozent auf 2,81 Millionen Tonnen sinken wird.

Die spanische Bevölkerung lässt sich dagegen von den erhöhten Preisen noch nicht abschrecken. In dem Land, das weltweit am meisten Olivenöl produziert, stieg der Verbrauch in den ersten drei Monaten nach Angaben der MFAO um 4,2 Prozent, trotz eines Preisanstiegs um rund 17 Prozent im gleichen Zeitraum.



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