Aus Maskat berichtet Nathalie Klüver
Ihre Freiheit verdanken Omans Frauen dem Herrscher des Wüstenstaats Sultan Kabus. Sein Konterfei ist allgegenwärtig: In Privatwohnungen ebenso wie in öffentlichen Gebäuden und Hotels - und auch über Sahar al-Kaabis Schreibtisch. Immer wieder deutet sie auf das Foto, wenn sie über die Errungenschaften der Frauen spricht. Dank der Empfehlung des Sultans war sie die erste Frau in einem arabischen Land, die Mitglied einer Handelskammer wurde.
Sultan Kabus regiert seit 1970. Seine Macht nutzt er vor allem zur Imagepflege. Deshalb gibt er den jährlichen Haushaltsüberschuss für Projekte aus, die dem Volk zugute kommen sollen und nicht nur der Oberschicht. Eine Infrastruktur, von der deutsche Pendler träumen, kostenlose Gesundheitsversorgung für alle und modern ausgestattete Schulen und Universitäten zeugen vom Reichtum, den das Öl mit sich bringt.
Vor allem aber stellt der Herrscher immer wieder die wichtige Rolle der Frau in den Mittelpunkt. "Ungebildete Frauen können keine freien Kinder aufziehen. Wenn Frauen nicht ausgebildet sind, können sie nichts zum Fortschritt dieses Landes beitragen", lautet seine viel zitierte Parole. Und so ist die Hälfte aller Studenten weiblich, Frauen steigen schon wenige Monate nach ihrer Schwangerschaft wieder ins Berufsleben ein - den zahlreichen Kinderkrippen und südostasiatischen Nannys sei Dank.
Frauen müssen besser sein als Männer und härter arbeiten
Dennoch begegnet Sahar al-Kaabi in ihrem Beruf immer wieder Geschäftspartnern, die sie unterschätzen. Weil sie eine Frau ist. Das störe sie nicht, denn sie ziehe ihren Nutzen daraus, lächelt sie maliziös. Außerdem, sagt sie, und das Lächeln ist aus dem Gesicht verschwunden: Man handelt nicht von Frau zu Mann, sondern von Geschäftspartner zu Geschäftspartner, bei Bedarf auch knallhart.
Auch Zubaida al-Balushi wird immer wieder unterschätzt. Wenn die Rechtsanwältin vor Gericht für die Rechte ihrer Mandanten eintritt, begegnet sie häufig Männern, die es merkwürdig finden, dass eine Frau in Abaja und Kopftuch vor ihnen steht. Noch nicht einmal jeder zehnte Rechtsanwalt ist weiblich in Oman. Da muss man sich als Frau schon durchbeißen, sagt die 38-Jährige, die in einer renommierten Kanzlei in Maskat arbeitet. Aber mittlerweile habe man sie akzeptiert: "Die sehen, dass ich so gut bin wie sie. Am Anfang hatten viele Zweifel, ob das ein Beruf für eine Frau ist."
Sie ist überzeugt, dass es noch viel mehr Anwältinnen geben sollte - schon weil es viele Frauen vorzögen, sich in Rechtsangelegenheiten von Frauen beraten zu lassen. Insbesondere, wenn es um Scheidungen geht, bei denen in Oman die Scharia angewandt wird. "Viele Frauen schämen sich, mit Männern über ihre Eheprobleme zu sprechen, es ist für sie leichter, sich einer Frau zu öffnen."
"Es gibt noch zu wenige Frauen in Führungspositionen"
Wie Kaabi ist Balushi eine klassische Quereinsteigerin. Sie arbeitete als Sachbearbeiterin in einer Bank. Doch dann kündigte sie und begann allen Zweifeln der Verwandtschaft zum Trotz mit 32 Jahren ein Jurastudium. Es sei an der Zeit gewesen, etwas anderes zu machen. Am Ziel angekommen ist sie nicht. Sie will sich nun auf die Männerdomäne Wirtschaftsrecht spezialisieren und promovieren.
"Wir Frauen haben viel erreicht", sagt sie. Über dem gläsernen Konferenztisch hängt das Bild des Sultans. Vor zehn Jahren waren nur wenige Frauen berufstätig. "Heute sind wir Anwältinnen, Lehrerinnen, Ärztinnen und Ministerinnen, wir bekommen das gleiche Geld wie die Männer." Wenn das nicht wäre, würden die Frauen auf die Straße gehen und demonstrieren, lacht sie. Aber noch gebe es zu wenige Frauen in Führungspositionen, auch wenn es dazu keine Statistiken gibt. "Wir wollen mehr", sagt sie und zieht ihren Schleier fester. "Nichts ist unmöglich. Schwierig ja, aber nicht unmöglich."
Auch die Geschäftsfrau Sahar al-Kaabi will sich nicht mit dem Erreichten zufrieden geben. Eigentlich wollte sie in Dubai eine Sadaf-Filiale eröffnen, aber seit der Wirtschaftskrise sei das kein interessantes Pflaster mehr. Jetzt plant sie die Expansion in Katar.
Dass es trotz aller Fortschritte in Oman immer noch Leute gibt, die ihre Unabhängigkeit kritisch sehen, stört sie nicht. Man lebe nur einmal, und diese Zeit sollte man dazu nutzen, das zu tun, was einen glücklich macht. "Wie die Ameise: Sie verfolgt ihr Ziel beharrlich und gibt nicht auf. Auch wenn die Dinge schwerer sind als sie selbst."
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