Online-Werbung Microsoft stockt Kriegskasse gegen Google auf

Microsoft gegen Google - der Kampf um die Web-Herrschaft geht in die nächste Runde: Auf der ersten jährlichen Analystenkonferenz kündigte Firmenchef Ballmer an, die Werbeausgaben auf insgesamt 2,5 Milliarden Dollar aufzustocken.


Redmond - Microsoft Chart zeigen will im Kampf mit Google Chart zeigen um das lukrative Werbegeschäft mit Internet-Suchmaschinen seine Anstrengungen deutlich verstärken. Der Software-Riese werde sich den Wettstreit rund 2,5 Milliarden Dollar im Jahr kosten zu lassen, kündigte Microsoft-Chef Steve Ballmer am Donnerstag auf einer Analystenkonferenz in Redmond an.

Microsoft-Chef Ballmer: "Nur Platz für zwei Rivalen"
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Microsoft-Chef Ballmer: "Nur Platz für zwei Rivalen"

Mittelfristig, sagte Ballmer, sehe er in dem Markt nur Platz für zwei Rivalen: Microsoft und Google. Branchenkenner werteten diesen Kommentar als Seitenhieb gegen Yahoo Chart zeigen, den dritten Web-Giganten, mit dem sich Microsoft seit Monaten eine erbitterte Übernahmeschlacht liefert.

In der Online-Werbung steckten zu große Möglichkeiten, als dass man sie ignorieren könnte, sagte Ballmer. "Wir erhöhen den Einsatz erheblich, um überhaupt in diesem Geschäft zu bleiben." Zentraler Bestandteil der Strategie Microsofts sei es, neben der Akquisition anderer Unternehmen die Ausgaben für Technologie und Marketing deutlich zu erhöhen. "Die Suche ist einer der Ausgangspunkte im Internet", sagte Ballmer. "Sie ist der beste Platz, um Kunden neue Internet-Services anzubieten."

Schon in den vergangenen Jahren hatte Microsoft Milliarden Dollar in das Online-Geschäft investiert, war aber auch trotz mehrfachen Umbaus der Sparte im Anzeigengeschäft gegenüber Google und Yahoo weiter ins Hintertreffen geraten.

Der Markt für Online-Werbung wird nach Schätzungen der New-Yorker Marktforschung EMarketer bis 2012 ein Volumen von 51 Milliarden Dollar erreichen. Nach Erhebungen von ComSore hatte Microsoft im Mai im US-Markt bei der Internet-Suche einen leicht erhöhten Marktanteil von 9,2 Prozent gegenüber Google mit 61,5 Prozent und Yahoo mit 20,9 Prozent Marktanteil.

Microsoft kündigte zudem eine erweiterte Zusammenarbeit mit der Online-Community Facebook an. Für amerikanische Nutzer des Netzwerks werde man von Herbst an seine Internet-Suche inklusive Anzeigen integrieren. Der Software-Konzern ist bereits mit 1,6 Prozent an dem Unternehmen beteiligt und hatte dafür im vergangenen Jahr 240 Millionen Dollar gezahlt.

180-Grad-Wende im Online-Business

Wenige Stunden zuvor hatte Microsoft einen erneuten Umbau seiner Online-Aktivitäten angekündigt. Internet-Dienste werden künftig wieder unabhängig vom Geschäft mit Windows geführt, hieß es. Die Umstrukturierung ist eine erneute 180-Grad-Wende in Microsofts Strategie: Die Sparten Windows und Online waren erst vor rund drei Jahren zusammen gelegt worden.

Die Umstrukturierung geht mit einem Personalwechsel einher: Erst gestern war Kevin Johnson, Chef der bisherigen Geschäftseinheit, von seinem Posten zurückgetreten. Angeblich wechselt er zum Netzwerkausrüster Juniper Networks. Johnson gilt als einer der Architekten von Microsofts vorerst auf Eis gelegten Plan, Yahoo zu übernehmen.

Auf der Analystenversammlung betonte Microsoft-Finanzchef Chris Liddell, dass die Chancen einer Yahoo-Übernahme derzeit geringstehen. Er nannte den Kaufpreis, den Yahoo fordert, zu hoch. Zwar entspreche dieser mit 33 Dollar pro Aktie inzwischen dem Preis, den Microsoft vor einigen Monaten zu zahlen bereit war. Inzwischen "Es muss aber eine ökonomische Rechtfertigung geben", sagte Liddell. An der Börse werden Yahoo-Aktien derzeit bei knapp über 20 Dollar gehandelt.

Unternehmenschef Ballmer sagte, der Kauf sei stets "nur Taktik, nie Strategie" gewesen. Weitere Gespräche mit Yahoo seien aber nicht ausgeschlossen. Yahoo hatte Angebote von Microsoft mehrfach als zu niedrig ausgeschlagen. Ohnehin ist unklar, ob eine mögliche Übernahme von den US-Kartellwächtern vor der US-Präsidenten-Wahl abgesegnet werden könnte.

ssu/dpa-AFX



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