Opec-Gipfel Chávez wettert gegen USA - Saudi-König gründet Umweltfonds

Mit einem rhetorischen Donnerschlag eröffnet Venezuelas Präsident Hugo Chávez den Opec-Gipfel: Öl sei die Quelle aller Aggressionen sagt er - und meint damit die USA. Der saudi-arabische König Abdullah verkündet derweil die Gründung eines Opec-Umweltfonds.


Riad - Mit einer Warnung an die USA eröffnete der venezolanische Präsident Hugo Chávez den Gipfel der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec): "Wenn die USA so verrückt wären, Iran anzugreifen oder erneut Venezuela zu attackieren, könnte der Preis für ein Barrel Öl nicht 100, sondern 200 Dollar erreichen."

Venezuelas Präsident Chávez: "Öl ist die Quelle aller Aggressionen"
AP

Venezuelas Präsident Chávez: "Öl ist die Quelle aller Aggressionen"

"Öl ist die Quelle aller Aggressionen" in der Welt, donnerte Chávez - und der "unterschwellige Grund" für den Krieg im Irak und die Drohungen gegen Iran. Die Opec solle sich zu einem "aktiven geopolitischen Agenten" entwickeln.

Dem widersprach der saudi-arabische König Abdullah. Seiner Meinung nach habe die Opec zwei Hauptziele: die Mitgliedsländer und die Weltwirtschaft zu schützen und "unerwarteten Störungen des Ölpreises" entgegenzuwirken.

Der Ölpreis ist seit Wochen auf einem Rekordhoch; derzeit steht er bei 92,04 Dollar pro Barrel (159 Liter). Eine Möglichkeit, den Ölpreis zu senken, wäre, mehr Öl zu fördern, um die gestiegene Nachfrage zu befriedigen. Eine Entscheidung darüber wird auf dem Opec-Treffen jedoch nicht erwartet; eher schon auf einer Ministerkonferenz Anfang Dezember in Abu Dhabi.

Abdullah kündigt Umweltfonds an

Konkreter wurde der saudi-arabische König beim Thema Umweltschutz: Er kündigte die Schaffung eines Fonds an, mit dem Studien über Umwelt, Energie und Klimawandel finanziert werden sollen. Dessen finanziellen Grundstock wolle Saudi-Arabien mit 300 Millionen Dollar legen, sagte er. Die Teilnehmer des Opec-Gipfels wollen morgen in ihrer Abschlusskundgebung ausführlich zu Umweltproblemen bei der Ölförderung Stellung nehmen.

Das Treffen ist der dritte Gipfel seit der Gründung der Opec im Jahr 1960. Neben Saudi-Arabien, Iran und Venezuela nehmen Algerien, Angola, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indonesien, Irak, Kuwait, Libyen, Nigeria und Katar teil. Auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist vor Ort.

Ecuadors Präsident Rafael Correa will in Riad den Wiedereintritt seines Landes in die Opec besiegeln. Der Staat wäre das 13. Mitglied der Gemeinschaft. Ecuador hatte die Opec 1992 verlassen. Das Land produziert etwa eine halbe Million Barrel Öl täglich.

Streitthema Dollar

Meinungsverschiedenheiten hatte es im Vorfeld des Gipfels über die Auswirkungen der Dollarschwäche auf die Einnahmen der Opec-Mitglieder gegeben. Der Iran und Venezuela hatten sich dafür ausgesprochen, in der Abschlusserklärung des Gipfels auf das Problem einzugehen. Der Opec-Generalsekretär Abdallah al-Badri wies die Forderung zurück.

Da der Ölpreis auf dem Weltmarkt in der US-Währung abgerechnet wird, verringern sich die Einnahmen der Öl-Exporteure bei einem niedrigen Dollarkurs. Iran beschloss bereits, seine Öl-Exporte nicht mehr in Dollar, sondern in anderen Devisen wie dem Euro abzurechnen.

ssu/AFP/AP/Reuters



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