Opel-Interessenkonflikt Roland Berger berät Regierung und GM gleichzeitig

Auf wessen Seite steht eigentlich der Unternehmensberater Roland Berger? Er soll, einerseits, der Bundesregierung bei der Rettung von Opel helfen. Andererseits berät seine Firma den Mutterkonzern General Motors. Zudem sitzt er auch noch in einem Führungsgremium des Opel-Konkurrenten Fiat.


Hamburg - Roland Berger soll der Bundesregierung helfen, den in Not geratenen Autobauer Opel zu retten. Dazu hat ihn das Wirtschaftsministerium beauftragt. Seine Aufgabe besteht darin, die Verhandlungen über die Zukunft Opels zu koordinieren. Er werde "seine nationalen und internationalen Kontakte sowie seine Erfahrungen aus jahrelanger Tätigkeit als Unternehmensberater einbringen, um die komplizierten Fragen im Verhältnis zwischen Opel und General Motors Chart zeigen zu lösen", heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

Berater Berger: Im Dienste der Bundesregierung, von GM und Fiat
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Berater Berger: Im Dienste der Bundesregierung, von GM und Fiat

Doch Berger - beziehungsweise seine Firma - berät auch die Gegenseite, berichtet sueddeutsche.de. Dass die Firma Roland Berger Strategy Consultants zugleich GM Europe betreue, erwähne das Ministerium mit keinem Wort. Bergers Unternehmen soll das Sanierungskonzept vom Opel im Auftrag von GM überarbeiten. Wie soll das gehen, wenn er zugleich auch die Interessen Opels im Auftrag der Bundesregierung vertreten soll? Roland Berger war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Das Wirtschaftsministerium wiegelt dem Bericht zufolge ab. Man sehe keinen Interessenkonflikt, heißt es aus der Regierung. "Wir bezahlen Herrn Berger nicht", zitiert sueddeutsche.de einen Ministeriumssprecher. Die Bundesregierung sei mit Berger "sehr einverstanden".

Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) zufolge besteht ein weiterer Interessenkonflikt in der Opel-Arbeit Bergers für die Bundesregierung: Der 71-Jährige ist Mitglied im fünfzehnköpfigen Führungsgremium des Opel-Konkurrenten Fiat Chart zeigen. Berger wurde demnach im Mai 2006 in das "Board of Directors" des italienischen Autokonzerns gewählt und hat schon seit Jahrzehnten enge Kontakte in die italienische Wirtschaft. Vor Gründung seiner eigenen Firma hatte er in den sechziger Jahren seine Karriere als Unternehmensberater in Italien begonnen. Sprecher von Berger und des Wirtschaftsministeriums wollten sich zu dieser Sache auf Anfrage nicht äußern.

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, forderte Berger auf, seine Mitgliedschaft im Board of Directors bei Fiat unverzüglich zu beenden. "Andernfalls besteht ein Interessenskonflikt, der eine Beratungsfunktion für die Bundesregierung ausschließt", sagte Schneider der Zeitung.

kaz



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