Opel-Krise Clement warnt Arbeiter vor Frust-Streik

Der angeschlagene Automobilhersteller Opel lässt sich nach Ansicht von Wirtschaftsminister Clement möglicherweise auch mit weniger radikalen Maßnahmen sanieren als bisher geplant. Ein Großteil der 10.000 Arbeitsplätze könne erhalten werden. Doch ein Streik der Opelaner schaffe nur zusätzliche Unsicherheit, mahnte Clement.




Produktion im Opel-Werk Bochum: "Die Arbeit muss weitergehen"
DPA

Produktion im Opel-Werk Bochum: "Die Arbeit muss weitergehen"

Frankfurt am Main - Er könne den Schock der Mitarbeiter verstehen, sagte Clement nach Gesprächen mit Opel-Vertretern in Frankfurt. Trotzdem appellierte der Wirtschaftsminister an die Belegschaft, an die Produktionsbänder zurückzukehren. "Die Arbeit muss weitergehen." Die Beschäftigten sollten darauf vertrauen, dass eine sozialverträgliche Lösung gefunden werde. Denkbar sei etwa die Auslagerung von Unternehmensteilen.

Clement forderte Unternehmensführung und Betriebsrat auf, zügig mit den Verhandlungen zu beginnen. "Da sie sich in der Analyse einig sind, haben sie eine gute Ausgangsposition." Ziel müsse sein, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern und die Marke Opel unbeschadet in Deutschland zu festigen. "Opel muss weiter fahren - von allen Standorten aus", sagte Clement und fügte an die Adresse von General Motors Chart zeigen hinzu: "Außerdem ist Deutschland nach wie vor als Automobilstandort unschlagbar."

Der Politik sei in dem konkreten Fall die Hände gebunden. Ob Auffanggesellschaften für die Betroffenen gegründet werden, müssten die Tarifpartner in ihren Verhandlungen klären, sagte Clement. Falls sie zu entsprechenden Ergebnissen kämen, stünde die Bundesanstalt für Arbeit bereit. Grundsätzlich müsse die Bundesregierung weiterhin alles daran setzen, die Lohnnebenkosten in Deutschland zu verringern, um die Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen auf dem Weltmarkt zu erhöhen.

Der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) machte den Reformstau in Berlin für die Misere bei Opel mitverantwortlich. So seien die Bruttolohnkosten fast doppelt so hoch wie in Schweden. "Alle theoretischen Erörterungen über die notwendige Senkung der Lohnzusatzkosten zeigen sich hier in der Praxis."

IG-Metall-Chef Jürgen Peters drohte der Opel-Führung mit Streik. Er warnte das Management davor, "die Konfrontation weiter zu betreiben" und die Vorgaben des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors durchzusetzen.

"Die Produktion geht erst weiter, wenn die Signale heißen: Der Abbau von 4000 Arbeitsplätzen ist vom Tisch, keine betriebsbedingten Kündigungen und Erhalt des Werks über 2010 hinaus", bekräftigte der Bochumer Betriebsrat Lothar Marquardt die Kampfbereitschaft. Auf dem Betriebsgelände protestierten rund 3500 der insgesamt 9600 Mitarbeiter. Das europäische Verteillager war ebenfalls stillgelegt. Nach Darstellung der Arbeiter können die Opel-Werke im belgischen Antwerpen, in Ellesmere in England und im polnischen Gliwice ohne Zulieferung aus Bochum nur vier Tage produzieren. Ein Stillstand der europäischen Werke würde GM bis zu 30 Millionen Euro pro Tag kosten, hieß es.



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