OpenBC/Xing-Chef im Interview: "Wir sehen, dass unsere Kurve weiter nach oben zeigt"

Vor dem angekündigten Deutschland-Start des großen Konkurrenten LinkedIn gibt sich Xing-Chef Lars Hinrichs im Interview gelassen. Auf der Suche nach neuen Partnern führe er derzeit viele Gespräche - auch mit Großkonzernen wie News Corp.

manager-magazin.de: Herr Hinrichs, "Xing ist keine Konkurrenz". Das sagte Dan Nye, CEO des US-Netzwerks LinkedIn, kürzlich in einem Interview. Hat er recht?

Hinrichs: Kurz vor dem Interview hatte ich Dan Nye in den USA getroffen. In diesem Gespräch sagte er mir, Xing sei seine einzige Konkurrenz weltweit. Man muss sich nur die wirtschaftlichen Fakten ansehen: Beide Unternehmen machen gleich viel Umsatz - und das, obwohl wir viel weniger Mitglieder haben. Es besteht eine ganz klare Konkurrenzsituation zwischen Xing und LinkedIn, auch wenn man das in den USA nicht wahrhaben möchte.

Xing-Chef Hinrich: "Börsengang bringt Flexibilität"

Xing-Chef Hinrich: "Börsengang bringt Flexibilität"

mm.de: Wie bereiten Sie sich auf den Markteintritt von LinkedIn in Deutschland vor?

Hinrichs: LinkedIn kündigt schon seit über zwei Jahren an, nach Deutschland kommen zu wollen. Bis heute ist nichts passiert. Deshalb erkennen wir auch keine Notwendigkeit, uns vorzubereiten. Wir sehen, dass unsere Wachstumskurve in Deutschland weiter nach oben zeigt, und dass wir eindeutiger Marktführer im deutschsprachigen Raum sind. Wir sehen auch, dass wir die weltweite Nummer eins sind, was die Anzahl der bezahlenden Kunden anbelangt. Es nützt wenig, wenn ein Business-Netzwerk viele Mitglieder hat, aber keiner davon bezahlt. In Deutschland herrscht eine wesentlich höhere Affinität zu Xing als zu irgendeinem Konkurrenzprodukt.

mm.de: Wie oft schauen Sie pro Woche unter www.LinkedIn.de nach, ob sich dort ein neues, deutschsprachiges Angebot findet?

Hinrichs: Diese Domain gehört LinkedIn noch nicht einmal. Das zeigt, wie wenig sich das Unternehmen derzeit um den deutschen Markt kümmert.

mm.de: Sollte LinkedIn deutsche User eines Tages durch ein besseres Angebot überzeugen, könnte Xing einen Großteil seiner Kunden verlieren.

Hinrichs: Das ist nicht realistisch. Xing ist drei Mal günstiger als das Einstiegsangebot von LinkedIn. Außerdem haben unsere Nutzer schon heute viel mehr Möglichkeiten, effektiv Geschäfte zu machen, als User von LinkedIn. Fragen Sie mal 100 Amerikaner. Die sind alle bei LinkedIn, aber keiner weiß so recht, was er damit eigentlich anfangen soll. Die Aktivität ist bei unseren Nutzern viel höher als bei der Konkurrenz. LinkedIn ist eine Datenbank von Lebensläufen, wir sind eine aktive Business-Community.

mm.de: Bei den kostenpflichtigen Angeboten mag Xing günstiger sein. LinkedIn argumentiert jedoch, dass es mehr kostenlose Funktionen biete.

Hinrichs: Auch das ist nicht richtig. Wenn Sie beide Angebote miteinander vergleichen, stellen Sie fest, dass Xing-User viel mehr machen können. LinkedIn-Nutzer müssen erst Leute einladen, damit sie überhaupt einen Mehrwert haben. Bei Xing ist das nicht notwendig. Dies erklärt auch die unterschiedliche Größe der beiden Netzwerke. Insgesamt sehen wir die Situation sehr gelassen. Wir haben keine Angst vor LinkedIn.

mm.de: Durch den Börsengang hat die Open Business Club AG, das Unternehmen hinter Xing, ihre Kriegskasse aufgefüllt. Dafür hat LinkedIn finanzstarke Risikokapitalgeber in der Hinterhand - und bleibt damit unabhängig von Anlegern. Ein Vorteil?

Hinrichs: Nach unserer Kapitalerhöhung haben wir jetzt eine Bilanzsumme von mehr als 50 Millionen Euro. Dieses Geld werden wir einsetzen, um weltweit stark zu wachsen. Derzeit sehen wir uns nach weiteren Akquisitionen in Europa und den USA um. Durch den Börsengang haben wir an Flexibilität gewonnen. Die Finanzinstrumente, die wir zum Wachsen brauchen - beispielsweise Anleihen - können wir problemlos nutzen. Diesen Vorteil hat LinkedIn nicht.

mm.de: Ein börsennotiertes Unternehmen kann aber auch leichter übernommen werden.

Hinrichs: Dazu muss ein Investor mindestens 30 Prozent kaufen. Ein solches Paket ist, soweit ich weiß, derzeit am Markt nicht zu haben.

mm.de: Bis Anfang März hat der Kurs der Open-Business-Club-Aktie Chart zeigen stark nachgegeben - von 30 Euro auf rund 26 Euro. Was war los?

Hinrichs: Wir waren bei 34 Euro. Dann kam die Asien-Krise, die vor allem junge Unternehmen getroffen hat. Inzwischen stehen wir bei über 33 Euro. Das ist das normale Auf und Ab an der Börse.

  • 1. Teil: "Wir sehen, dass unsere Kurve weiter nach oben zeigt"
  • 2. Teil
Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles zum Thema Xing
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Web-Gründer: Karrieren im Netz