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10. Juli 2009, 12:36 Uhr

Optimistische Prognosen

Experten rechnen mit Konjunktur-Schub zum Sommerende

Hoffnungen auf eine schnelle Konjunkturwende verstärken sich: Der Allianz-Konzern prophezeit einen kräftigen Aufschwung im dritten Quartal, das DIW rechnet mit einem baldigen Produktions-Schub. Auf dem Job-Markt sind die Aussichten dennoch düster - die Arbeitslosigkeit droht kräftig zu steigen.

Berlin/Düsseldorf - Ist es nur ein kurzes Durchatmen? Oder kommt bald tatsächlich der lang ersehnte Aufschwung? Die Prognose, die Michael Heise an diesem Freitag bekanntgegeben hat, toppt jedenfalls alle optimistischen Vorhersagen der letzten Wochen. Der Chefvolkswirt der Allianz erwartet, dass die Konjunktur schon in den letzten Sommermonaten kräftig wachsen wird.

Sonnenaufgang am Hamburger Hafen: Aufschwung in greifbarer Nähe?
DPA

Sonnenaufgang am Hamburger Hafen: Aufschwung in greifbarer Nähe?

"Das deutsche Bruttoinlandsprodukt, das sich bereits im zweiten Quartal 2009 stabilisiert haben dürfte, wird nach unserer Einschätzung im dritten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorquartal bereits wieder recht kräftig wachsen", sagte Heise am Freitag dem "Handelsblatt". Diese Entwicklung werde sich auch Ende 2009 und Anfang 2010 fortsetzen.

Heise begründete seinen Optimismus mit dem zuletzt starken Anstieg der Industrieproduktion und der unerwartet guten Auftragslage der Branche. Diese verbuchte im Mai überraschend das größte Auftragsplus seit fast zwei Jahren. Die Unternehmen verzeichneten im Vergleich zum April 4,4 Prozent mehr Bestellungen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist der Auftragseingang zwar noch immer um fast 30 Prozent niedriger - dennoch hoffen die Industrieunternehmen schon wieder auf eine Stabilisierung.

Immer mehr Experten prophezeien angesichts der steigenden Auftragszahlen, dass die Konjunktur bald anziehen wird. IWF und EZB erwarten den Aufschwung für 2010, die Große Koalition rechnet damit, dass sich die Lage in Deutschland schon im zweiten Quartal normalisiert. Das Münchner Ifo-Institut teilte mit: "Es könnte sein, dass die Welt besser dasteht als bisher gedacht."

Allianz-Volkswirt Heise sieht schon jetzt das Ende der Rezession in greifbarer Nähe: "Die positiven Indikatoren bestätigen unsere Auffassung, dass die Weltwirtschaft den Schock der Finanzmarktkrise überwunden hat und sich recht deutlich erholen wird", sagt er. Wegen der anhaltenden Unsicherheiten sei der Aufschwung noch immer gefährdet. Eine Unterstützung der Wirtschaft durch die Politik sei daher nach wie vor erforderlich, sagte Heise.

Stabilisierung der Produktion rückt näher

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat am Freitag ebenfalls optimistische Prognosen veröffentlicht. Es erwartet eine baldige Stabilisierung der Produktion. "Die Signale für eine Bodenbildung nach dem beispiellosen Absturz um die Jahreswende verdichten sich", sagte DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths.

Die Wirtschaftsleistung dürfte im zweiten Quartal saison- und kalenderbereinigt nur noch um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal schrumpfen - nicht ganz so stark wie bisher mit minus 0,8 Prozent veranschlagt. Grund für die leichte Erholung sei eine verbesserte Lage im Verarbeitenden Gewerbe.

Gleichwohl drohten kräftige Beschäftigungseinbußen. Eine Stabilisierung der Wirtschaft allein genüge nicht, um eine massive Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt aufzuhalten: "Die asynchrone Entwicklung von Produktion und Beschäftigung hat Produktivitätsreserven geschaffen, die sich ohne eine kräftige Erholung der Auftragslage in der zweiten Jahreshälfte in einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit entladen werden", sagte Kooths.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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