Organisierte Schwarzarbeit Unternehmer muss fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis

Er unterhielt ein Geflecht aus 50 Firmen und ließ rund tausend Leiharbeiter schwarz in deutschen Schlachthöfen schuften: Nun wurde ein Unternehmer vom Düsseldorfer Landgericht zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.


Düsseldorf - Systematische Schwarzarbeit in deutschen Schlachthöfen hat einem 47-Jährigen Unternehmer fünfeinhalb Jahre Haft eingebracht. Das Düsseldorfer Landgericht sprach den Mann am Donnerstag wegen 107-facher Steuerhinterziehung schuldig. Außerdem hatte er 29-mal Arbeitslohn vorenthalten.

Der Prozess habe einen Einblick in die Arbeit auf deutschen Schlachthöfen geboten, sagte Richterin Brigitte Koppenhöfer. "Der Umfang illegaler Tätigkeiten und deren Selbstverständlichkeit sind erschreckend. Das Gewerbe scheint von diesen Straftaten durchdrungen zu sein."

Der Hauptangeklagte habe ein regelrechtes System zur Verschleierung von Beschäftigungsverhältnissen entwickelt. Insgesamt wurden rund tausend Schwarzarbeiter eingesetzt - viele von ihnen waren Leiharbeiter aus Rumänien. Fiskus und Sozialversicherungen wurden so um 15 Millionen Euro geprellt.

Der Verurteilte habe mit Sitz in Dormagen ein Geflecht von 50 Firmen entwickelt und Freunde, Bekannte und Familienmitglieder als Gesellschafter eingesetzt. In Wirklichkeit habe jedoch er hinter diesen ganzen Unternehmen gesteckt. "Er war der Kopf des Imperiums, der Hauptverantwortliche in diesem Geflecht", sagte die Richterin. Dies habe der Angeklagte im Prozess auch gestanden.

Drei der insgesamt sieben Mitangeklagten müssen ebenfalls ins Gefängnis. Sie hatten den Firmenchef jahrelang unterstützt und wurden zu Strafen zwischen vier Jahren und zehn Monaten sowie zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Die übrigen vier Angeklagten, darunter die Ehefrau des Firmenchefs, kamen mit Bewährungsstrafen davon.

Das Führungsteam habe dank der Machenschaften "in Saus und Braus" gelebt. Strafmildernd hätten sich die Geständnisse und die Tatsache ausgewirkt, dass alle Angeklagten nun finanziell ruiniert seien.

Mit den Strafen entsprach das Gericht im Wesentlichen der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Strafrahmen war im Gegenzug zu den Geständnissen mit den 16 Verteidigern ausgehandelt worden. Alle Angeklagten hatten die Vorwürfe gestanden. Dadurch konnte der vor sechs Wochen begonnene Prozess erheblich verkürzt werden. Die Anklageschrift ist mehr als 900 Seiten stark und listete 1200 Einzeltaten auf.

Rund 500 Polizisten und Steuerfahnder waren im Mai 2006 zu einer bundesweiten Großrazzia ausgerückt. 14 Schlachthöfe, eine Firmenzentrale eines Schlachthofbetreibers sowie 21 weitere Firmen und zwölf Privatwohnungen wurden durchsucht. Die Ermittler mussten anschließend eine Lagerhalle anmieten, um die beschlagnahmten 2000 Aktenordner unterzubringen. Zehn Ermittler waren jahrelang mit der Auswertung der Daten beschäftigt.

Eine Buchhalterin hatte gegenüber der Polizei als erste ein Geständnis abgelegt und damit die anderen in Zugzwang gebracht. Richterin Koppenhöfer riet den Verurteilten aber davon ab, einen Verräter für ihr Schicksal verantwortlich zu machen: "Angesichts der Beweislage wären die Taten ohnehin aufgeklärt worden. Es hätte nur länger gedauert, und die Strafen wären höher ausgefallen."

hut/dpa/ddp



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Transmitter, 09.12.2010
1. Gerechtigkeit?
Zitat von sysopEr unterhielt ein Geflecht aus 50 Firmen und ließ rund tausend Leiharbeiter schwarz in deutschen Schlachthöfen schuften:*Nun wurde ein Unternehmer vom*Düsseldorfer Landgericht zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,733853,00.html
Und wo bleiben die Straf-Urteile für die Bankvorstände und -manager, die durch Betrug und Abzocke Schäden in Höhe von vielen Milliarden Steuergeld zu verantworten haben? Und warum werden die Politiker nicht strafrechtlich verfolgt, die diesen Bankstern die Posten beschafft und ihre Abzock-Vergütungen genehmigt haben? Dieser "Schlachthof-Gauner" muss in den Knast und diese Verbrecher nicht? Gerechtigkeit? Ein Witz ist das!
SirTurbo, 10.12.2010
2. Aktion automatische Überschrift
Andersrum wird ein Schuh daraus. Der 16jährige dürfte a) nach Jugendstrafrecht abgeurteilt und b) wahrscheinlich nicht wegen Mordes sondern Totschlags o.ä. verurteilt worden sein... Und der 16-jährige hat einen Menschen, gffls +Familie auf dem Gewissen... Der Unternehmer hat 1000 Mitabeiter fertig gemacht, ggfls. +Familie. Vielleicht Selbstmorde drunter, auf alle Fälle aber gesundheitliche Spätfolgen für eine Menge Arbeiter und deren Familien. Harte Arbeit und miese Bezahlung passen nicht gerade zu einem langen gesunden Leben. Die Wirtschaftkriminellen müssten (in diesem Fall) viel härter bestraft werden... Anders sieht es generell aus - da ist es idT so, daß ich härter bestraft werde wenn ich mich an der Kohle vergehe als an Gesundheit oder Leben... Das ist aber nur so, weil im Kapitalismus nun mal das Geld im Mittelpunkt steht - sonst hiesse es ja auch Humanismus^^
friedrichii 10.12.2010
3. langweilig
Zitat von TransmitterUnd wo bleiben die Straf-Urteile für die Bankvorstände und -manager, die durch Betrug und Abzocke Schäden in Höhe von vielen Milliarden Steuergeld zu verantworten haben? Und warum werden die Politiker nicht strafrechtlich verfolgt, die diesen Bankstern die Posten beschafft und ihre Abzock-Vergütungen genehmigt haben? Dieser "Schlachthof-Gauner" muss in den Knast und diese Verbrecher nicht? Gerechtigkeit? Ein Witz ist das!
Dann nennen Sie die Bankvorstände und Manager beim Namen und geben Sie deren Straftaten an. Und nennen Sie die Politiker, die den Bankvorständen diese Posten verschafft haben und deren Vergütung genehmigt haben. Bisher war ich immer der Meinung, daß Vorstände durch Aufsichtsräte berufen werden. Ansonsten wird dieses immer gleiche substanzlose Gegeifere zu aber auch jedem Thema allmählich langweilig.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.