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28. April 2008, 14:17 Uhr

Panne bei Jobvermittlung

Drei Euro Stundenlohn auf dem Kreuzfahrtschiff

Von wegen Traumjob: Mehrere junge Leute haben einem Bericht zufolge auf Kreuzfahrtschiffen zum Teil weniger als drei Euro Stundenlohn erhalten. Einer wurde genötigt, einen rumänischen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Die Stellen wurden von Jobcentern vermittelt.

Berlin - Mehrere Dutzend junge Arbeitslose sind einem Bericht der ZDF-Sendung "Frontal21" zufolge von Jobcentern auf Flusskreuzfahrtschiffe vermittelt worden, auf denen Stundenlöhne von weniger als drei Euro gezahlt wurden. Die Arbeitsverträge seien mit Hilfe von mindestens sechs verschiedenen Vermittlungsstellen in Nordrhein-Westfalen abgeschlossen worden. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) habe Fehler eingeräumt und das mit mehreren hunderttausend Euro geförderte Arbeitslosenprojekt "Crewing - für Kreuzfahrtschiffe" vorläufig gestoppt.

"Frontal21" schildert einen Fall, in dem ein junger Arbeitsloser genötigt worden sei, einen rumänischen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Dieser Vertrag sah demnach eine 70-Stunden-Woche zu einem Nettomonatslohn von 850 Euro vor. Der Betroffene habe inzwischen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal gegen Mitarbeiter der Arbeitsagentur Remscheid erstattet.

Ein Vertreter der nordrhein-westfälischen Regionaldirektion der BA in Düsseldorf kündigte an, die Zusammenarbeit mit einem privaten Bildungsträger in Hamm intensiv zu überprüfen. "Wenn sich herausstellen sollte, dass die Vorwürfe zutreffen, werden wir das Projekt sofort beenden", sagte er. Die Gewerkschaft Ver.di wertete die Fälle als "Paradebeispiel für die Ausbreitung unzumutbarer Niedriglöhne". Ein Ver.di-Mitarbeiter bezeichnete die Arbeitsbedingungen auf Flusskreuzfahrtschiffen als "sklavenähnlich".

kaz/AFP

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