Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

1,56-Quadratmeter-Wohnung: Gericht verurteilt Vermieter zu 11.000 Euro Schadensersatz

Straße in Paris: Mietenwahnsinn auf Französisch Zur Großansicht
Corbis

Straße in Paris: Mietenwahnsinn auf Französisch

Eine Matratze, ein Wasserhahn, eine Kochplatte: Mehr passte nicht in die 1,56 Quadratmeter große Wohnung, für die ein Pariser jahrelang mehr als 300 Euro Miete zahlte - bis er seine Vermieter verklagte. Ein Gericht sprach ihm jetzt Schadensersatz zu.

Paris - Es ist ein kleiner Preis für Pariser Verhältnisse: 330 Euro Miete musste Dominique für seine Wohnung zahlen. Aber auch sein Apartment war mehr als mini, um Dachschrägen bereinigt maß die Wohnfläche gerade einmal 1,56 Quadratmeter. Das ist nicht zulässig, entschied nun ein französisches Gericht und sprach dem Mieter 11.000 Euro zu.

Die Summe setzt sich aus 10.000 Euro Schadensersatz sowie 1000 Euro Nichtvermögensschaden zusammen, wie die französische Tageszeitung "Le Monde" berichtet. Letzterer ist eine Art Schmerzensgeld: Der Nichtvermögensschaden entsteht definitionsgemäß durch die Verletzung immaterieller Güter wie beispielsweise der Freiheit oder der Ehre.

Die Eigentümerin räumte "einen Fehler" ein. Die Immobilienagentur Ribéroux, die die Wohnung vermittelt hatte, wies dagegen jede Verantwortung mit dem Hinweis zurück, sie habe die Wohnfläche nicht gekannt.

Nur 70 Euro mehr für 40 Quadratmeter

Das Gericht befand hingegen, eine Agentur müsse überprüfen, ob die Vermietung den Vorschriften entspreche. Laut einem Dekret aus dem Jahr 2002 müssen in Frankreich vermietete Zimmer eine Wohnfläche von mindestens neun Quadratmetern bei einer Höhe von 2,20 Meter haben. Inzwischen lebt der Ex-Mieter in einer 40 Quadratmeter großen Sozialwohnung, die er als "riesig" empfindet - und für die er nur 70 Euro mehr bezahle als für seine frühere Bleibe.

In dem fraglichen Zimmer, in dem der Mann 15 Jahre lang ausharrte, gab es weder Dusche noch Toilette, sondern nur ein kleines Waschbecken. Die Anwältin des Ex-Mieters hatte bei der Anhörung im Oktober von einem "traurigen Rekord" gesprochen: Die Grundfläche betrug vier Quadratmeter, nach Abzug der Fläche unter den Dachschrägen ergab sich aber nur eine Wohnfläche von 1,56 Quadratmetern. Die Wohnung sei eine "Besenkammer" gewesen, sagte Samuel Mouchard von der Stiftung Abbé Pierre, die sich für Menschen in Wohnungsnot einsetzt.

Im vergangenen Jahr klagte der Mann gegen die Besitzerin der Wohnung und die von ihr beauftragte Immobilienagentur und verlangte eine Rückzahlung von fünf Jahresmieten oder 19.000 Euro sowie 5000 Euro Schadensersatz.

bos/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 126 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Hat ihn denn jemand gezwungen...
derneinsager 24.03.2014
diese Behausung zu beziehen?! Und dann bekommt er auch noch recht vor Gericht?! Sowas gibt es eben nur im Sozialismus.... Bei uns sagte man früher einfach "Dummheit tut weh".
2. 15 Jahre?
axel_roland 24.03.2014
Einerseits ganz schön dreist so etwas als Wohnung vermieten zu wollen - andererseits: 15 Jahre darin wohnen und dann auf die Idee kommen für 5 Jahre Mietrückzahlung verlangen zu wollen?! Da liegt der Verdacht nahe, dass seine Situation nicht ganz ohne Selbstverschulden zu Stande gekommen ist...
3. Extremfall in einer extremen Umgebung
Over_the_Fence 24.03.2014
Zitat von sysopCorbisEine Matratze, ein Wasserhahn, eine Kochplatte: Mehr passte nicht in die 1,56 Quadratmeter große Wohnung, für die ein Pariser jahrelang mehr als 300 Euro Miete zahlte - bis er seine Vermieter verklagte. Ein Gericht sprach ihm jetzt Schadensersatz zu. http://www.spiegel.de/wirtschaft/paris-gericht-verurteilt-vermieter-zu-11-000-euro-schadenersatz-a-960496.html
Dieser Fall ist selbst für Pariser Verhältnisse extrem. Nichtsdestrotz sind die Mieten dort im Schnitt astronomisch. Wenn man die Verhältnisse vor Ort kennt, und die Berliner dann wegen der Mietsteigerungen der letzten Jahre jammern hört, dann möchte man ihnen zurufen "Ihr wisst noch nicht, was Schmerzen sind". In Paris werden in einer durchschnittlichen Gegend für eine durchschnittliche Wohnung 30€ den Quadratmeter aufgerufen. Die Löhne dort sind nicht proportional höher als in Deutschland, daher sind "Wohnklos" weit verbreitet. Ich persönlich kenne eine Doppelverdienerfamilie, die zu viert auf 50 qm ausharrt, weil sie sich bislang noch nicht zur Entscheidung durchringen konnte, in eine billigere Vorstadt zu ziehen. Was in Paris Normalverdiener anmieten müssen, würde man in weiten Teilen Deutschlands weder Studenten noch Sozialhilfeempfängern zumuten. Solcherlei Erfahrungen lassen einem dann Deutschland nicht unbedingt als den schlechtesten Ort auf diesem Planeten erscheinen, bei aller Kritik, die manchmal angebracht ist...
4. Verstehe ich nicht so richtig...
Ford Prefect 24.03.2014
Klar, dass man auf 1,56m² nicht wirklich leben kann, aber warum in alles in der Welt bleibt er dann FÜNFZEHN JAHRE da drin? Und wieso gibt's da überhaupt Schadenersatz und Schmerzensgeld? Wenn ich morgen bei Ebay ein Toastbrot einstelle mit einem Startpreis von 9.500 €, und irgendein Tünnes kauft das ganz offiziell - der kriegt doch nach einem Jahr niemals irgendein Schmerzensgeld von mir!? Mir ist klar, dass die Wohnungssituation in Paris echt katastrophal ist und viele schwarze Schafe die Mieter ausnehmen, wo sie können, aber solange es Leute gibt, die sowas mit sich machen lassen, wird das immer wieder vorkommen.
5. 4qm
rageagainstthemachine 24.03.2014
ist natürlich völlig gaga. GENAU SO gaga ist allerdings dieses Urteil! Der Mieter hat dieses Loch immerhin gemietet u. ist dort ganze 15 Jahre geblieben, oder ist der mit der Pistole am Kopf etwa dazu gezwungen worden?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: