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Pay-TV: Premiere bald mit Porno

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Die Medienaufseher der Länder haben zum ersten Mal Porno-Angebote im deutschen Fernsehen genehmigt. Ab Anfang 2004 sollen sie im Pay-TV von Premiere als Einzelabrufdienst ausgestrahlt werden. Für Kunden wird der Dienst teuer und kompliziert.

Erotik-Darstellerin: Premiere plant zwei Porno-Angebote
Telemediendienst GMBH Wien

Erotik-Darstellerin: Premiere plant zwei Porno-Angebote

Hamburg - Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) hat das Angebot bei seiner gestrigen Sitzung grundsätzlich genehmigt. Zuvor hatte bereits die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) ihre Zustimmung erteilt. Damit wird erstmals im deutschen Fernsehen legal und offiziell ein so genanntes "Vollerotik"-Programm zu sehen sein. Der Start bei Premiere wird nach Angaben aus Senderkreisen wohl im ersten Quartal 2004 erfolgen.

Porno-Befürworter Kofler: Den Medienaufsehern strenge Kontrollen versprochen
REUTERS

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Premiere plant gleich zwei Porno-Angebote: "BlueMovie" soll von der in Wien ansässigen Telemediendienst GmbH angeboten werden, einer 100-prozentigen Premiere-Tochter. Ein zweites Angebot namens "Erothek" soll von der in der Schweiz ansässigen Erotic Media AG betrieben werden, die bislang schon Softerotik-Filme für Premiere lieferte. Täglich sollen von den Anbietern mehrere Filme ins Kabelnetz eingespeist werden, die rund um die Uhr verfügbar sein werden.

Premiere-Chef Georg Kofler hatte sich seit langem bemüht, pornografische Angebote zu ermöglichen, um die Zugkraft seines Angebotes zu steigern. Er hat den Medienaufsehern wiederholt zugesichert, für größtmöglichen Jugendschutz zu sorgen.

Für Kofler ist die Entscheidung ein unerwarteter Erfolg. Noch bei seiner Sitzung Anfang November hatte die DLM keine Genehmigung für die Angebote erteilt. Die Ausstrahlung von Hardcore-Pornos ist nach dem Rundfunkrecht in Deutschland verboten. Die DLM befand aber jetzt, die geplanten Angebote seien formal kein Rundfunk, sondern wegen des Einzelabrufes als "Mediendienst" einzustufen. Eine Breitenwirkung sei nicht gegeben. Allerdings stört sich die DLM daran, dass Telemediendienst seinen Sitz in Österreich hat, wo die Jugendschutzgesetze weniger streng seien.

"BlueMovie"-Website: Legitimierungsverfahren wird aus Österreich importiert

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Die Telemediendienst GmbH bietet ihre "BlueMovie"-Pornoprogramme bereits seit einigen Monaten im österreichischen Pay TV an. Genaue Nutzerzahlen gibt Premiere nicht bekannt. Die Filme lassen sich nur nach einem komplizierten und kostspieligen Verfahren abrufen. Für einen einzelnen Film wird eine Gebühr von sechs Euro fällig. Zudem benötigt der Nutzer zusätzlich zu seinem Decoder eine weitere Smart Card, um sich vor dem Abruf der Filme zu legitimieren. Dasselbe Verfahren soll nun auch in Deutschland eingesetzt werden.

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