Peinliches Geständnis Coca-Cola verkauft Leitungswasser

Der Versuch des weltgrößten Getränkeherstellers Coca-Cola, den britischen Markt mit einem eigenen Mineralwasser aufzumischen, ist gründlich gescheitert. Der Konzern musste zugeben, dass die Quelle des teuren Getränks ein Wasserhahn im Südosten Londons ist.


Dasani-Wasser: "Es gibt unterschiedliche Niveaus von Reinheit"
AFP

Dasani-Wasser: "Es gibt unterschiedliche Niveaus von Reinheit"

London - Bisher war Sidcup nur ein netter Ort irgendwo im Speckgürtel der britischen Hauptstadt. Seit einigen Tagen ist der Name der Kleinstadt in allen englischen Zeitungen - als Synonym für einen riesigen PR-Gau des Weltkonzerns Coca-Cola.

Am Montag musste der Getränkehersteller, der das Geheimnis seiner braunen Brause mit so großem Aufwand vor Nachahmern schützt, mit einem höchst peinlichen Geständnis an die Öffentlichkeit gehen. Das Mineralwasser Dasani, das pro halbem Liter für 95 Pence (etwa 1,43 Euro) verkauft wird, ist einfaches Leitungswasser aus Sidcup.

Seitdem ergießt sich ein Schwall von Häme über Coca-Cola. "It's the real thing...Coke's tap water from Sidcup", titelte die "Times". Der "Independent" verglich den Dasani-Flaschenpreis mit dem Preis für einen halben Liter Leitungswasser in Sidcup: 0,03 Pence.

Doch damit nicht genug. Der Versuch des Konzerns, den Flaschenpreis mit der Veredelung des Wassers zu rechtfertigen, ging ebenfalls gründlich daneben. In der Presse-Erklärung und auf der firmeneigenen Website heißt es nämlich, das Dasani-Wasser habe einen "ausgeklügelten Reinigungsprozess" durchlaufen. Daraufhin meldeten sich sofort die örtlichen Wasserwerke mit feinem englischen Humor zu Wort: "Wir denken nicht, dass es irgendwelche Unreinheiten im Leitungswasser gibt", sagte Barry Clarke, Sprecher von Water UK, "dass das Wasser sauber ist, ist auch die Meinung der amtlichen Prüfer, die etwa drei Millionen Stichproben pro Jahr machen".

Coca-Cola-Produkte: "It's the real thing..."
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Coca-Cola-Produkte: "It's the real thing..."

Judith Snyder, Produktmanagerin von Dasani, machte danach noch einen Rettungsversuch: "Wir würden nie sagen, dass Leitungswasser nicht trinkbar wäre. Es ist nur so, dass Dasani so rein ist, wie Wasser nur sein kann - es gibt unterschiedliche Niveaus von Reinheit", sagte sie.

Auch diese Argumentation könnte Coca-Cola noch arge Probleme bereiten. Die britische Nahrungsmittelbehörde Food Standards Agency kündigte Ermittlungen in Sachen Dasani an. Nach britischem Recht darf ein Produkt nur dann als "rein" bezeichnet werden, wenn es aus einem einzigen Inhaltsstoff besteht oder die Bestandteile besonders hochwertig sind. Bei Dasani ist das nicht der Fall, denn das Leitungswasser wird nach der Reinigung mit Kalzium, Magnesium und Natron angereichert - zur Geschmacksverbesserung.

Coca-Cola hat mehr als zehn Millionen Euro investiert, um Dasani - in den USA auf Platz zwei der Beliebtheitsskala - auch auf dem britischen Markt zu etablieren. Der Gesamtumsatz mit Mineralwasser in Großbritannien wird auf etwa 1,5 Milliarden Euro beziffert.

In Deutschland verkauft Coca-Cola das Tafelwasser Bonaqa. Auch hier kommt der Grundstoff, also 99,9 Prozent von den örtlichen Wasserwerken der Abfüllbetriebe. Da der Begriff Tafelwasser in Deutschland eine solche Herstellungsweise zulässt, kommt der Getränkehersteller auch nicht in Konflikt mit dem Gesetz. Christina Jacob, Sprecherin der Coca-Cola GmbH, weist außerdem darauf hin, dass die Reinigung und Aufbereitung mit Mineralien für eine deutschlandweit gleiche Qualität sorgt, die in Bezug auf Haltbarkeit und Geschmack weitaus höheren Anforderungen genügen muss als Leitungswasser.



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