Pessimismus pur US-Wirtschaft schlittert ins Stimmungstief

Die Aussichten sind mehr als trübe: Wegen der rasant steigenden Preise sind die US-Verbraucher so pessimistisch wie seit 16 Jahren nicht mehr. Verstärkt wird das durch den Sturz der Häuserpreise - die zuletzt um mehr als 15 Prozent nachgaben.


New York - Der Absturz nimmt kein Ende: Die Häuserpreise der 20 größten amerikanischen Städte sind im April um 15,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die Zahlen des viel beachteten Standard & Poor's Case-Shiller Index markieren damit den stärksten Preisverfall seit acht Jahren. Schon im März waren sie um 14 Prozent gefallen - und zerstören damit die leise Hoffnung, dass das Ende der Hypothekenkrise erreicht sein könnte. Diese hatte im vergangenen Jahr einen rapiden Verfall der Immobilienpreise ausgelöst.

Makler-Schild in den USA: Rapider Verfall der Häuserpreise
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Makler-Schild in den USA: Rapider Verfall der Häuserpreise

Besonders auffällig: Die Häuserpreise sanken auch in den Städten, die bisher dem Preisverfall einigermaßen standhalten konnten - darunter etwa Charlotte in North Carolina. Am deutlichsten litt der Häusermarkt in Miami, wo die Preise um 26,7 Prozent sanken. Allerdings gibt es auch einen leichten Hoffnungsschimmer: So stiegen die Preise zwischen März und April immerhin in acht Städten wieder, darunter in Boston und Chicago.

Besonders optimistisch stimmt das die Amerikaner allerdings nicht: Die Stimmung der Verbraucher ist wegen der rasant steigenden Preise für Öl und Lebensmittel so schlecht wie seit 16 Jahren nicht mehr. Der entsprechende Index brach im Juni um 7,7 Punkte auf 50,4 Zähler ein, wie das Forschungsinstitut Conference Board am Dienstag mitteilte. Niedriger stand er zuletzt im Februar 1992. Steuergutschriften, mit denen die US-Regierung der Konsum ankurbeln wollte, wurden von der Teuerung bei Energie und Lebensmitteln wieder aufgezehrt.

Für die Zukunft zeigten sich die US-Verbraucher sogar so pessimistisch wie noch nie zuvor. Sowohl ihre gegenwärtige Lage als auch die weitere Entwicklung schätzten die Konsumenten pessimistischer ein. Das Barometer der gegenwärtigen Lage fiel auf 64,5 von 74,2 Punkten, der Erwartungsindex sank auf ein Rekordtief von 41,0 nach 47,3 Zählern im Mai.

Und das könnte für die US-Wirtschaft zum Problem werden, denn die Konsumausgaben machen etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung aus. Tatsächlich hat die US-Wirtschaft Ende 2007 deutlich an Fahrt verloren, seit Monaten warnen Experten vor einem Abgleiten in die Rezession. Um die Konjunktur anzukurbeln, hatte die US-Regierung im Februar Steuerrückzahlungen beschlossen, die ersten Schecks wurden im April verschickt. Das hatte den Umsatz der Einzelhändler zuletzt überraschend stark beflügelt. Zugleich senkte die Fed ihren Leitzins seit September deutlich, um die Folgen der Kreditkrise abzufedern. Der darauffolgende Dollarverfall gilt als mitverantwortlich für die rasant steigenden Ölpreise, weil die Produzenten so den Wertverlust auffangen wollen.

Sorgen macht sich die US-Notenbank jetzt um die Inflation, für die weiterhin ein Rekordwert von 7,7 Prozent erwartet wird. Die Währungshüter entscheiden am Mittwoch über den Leitzins für die weltgrößte Volkswirtschaft; weithin wird mit einem vorerst noch stabilen Zinssatz von zwei Prozent gerechnet. Der Rekord bei den Inflationserwartungen sei ein Anzeichen dafür, dass die Unternehmen die höheren Rohstoffpreise an die Verbraucher weitergäben, sagte Analyst Tom Sowanick von Clearbrook Financial. Allerdings sei es für die Fed angesichts des schwachen Wachstums schwierig, die Zinsen zu erhöhen, sagte Dresdner-Kleinwort-Expertin Dana Saporta. Der Euro legte nach den Daten deutlich zu und stieg auf 1,5612 Dollar.

sam/Reuters

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