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Pessimistische Prognosen: Deutschland stürzt in tiefe Rezession

IWF, Finanzminister Steinbrück und führende Wirtschaftsinstitute sind sich einig: Die Bundesrepublik muss in diesem Jahr einen dramatischen Konjunkturrückgang verkraften, der auch 2010 anhalten wird - Kanzlerin Merkel spricht von einem "schweren Wirtschaftseinbruch".

Berlin - Die Rezession wird in Deutschland laut der jüngsten Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) brutaler ausfallen als in den meisten anderen großen Industriestaaten. Nach Einschätzung der Bundesregierung schrumpft die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um mindestens fünf Prozent.

Eine "fünf vor dem Komma" sei angesichts der aktuellen Wirtschaftsdaten "nicht unwahrscheinlich", sagte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Mittwoch im Bundeskanzleramt.

Kohlebergwerk im Saarland: Deutschland droht zweites Rezessionsjahr
REUTERS

Kohlebergwerk im Saarland: Deutschland droht zweites Rezessionsjahr

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht gar von einem Konjunktureinbruch von 5,6 Prozent aus. So stark sei der Rückgang, dass auch 2010 eine Rezession nicht zu vermeiden sei. Im kommenden Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt demnach noch immer um rund ein Prozent schrumpfen.

Für die Eurozone erwartet der IWF im laufenden Jahr ein Minus von 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und 2010 einen Rückgang um 0,4 Prozent.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die IWF-Prognose zeige, "dass wir einen schweren Wirtschaftseinbruch haben". Die pessimistischen Prognosen sind für die CDU-Chefin ein herber Dämpfer - womöglich auch im Hinblick auf die Bundestagswahl im September. Gerade erst hatte die BundeskanzlerinHoffnung geäußert, dass die deutsche Konjunktur die Talsohle erreicht hat.

Der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen, nannte die IWF-Schätzung ebenfalls "nicht unplausibel". Auch die deutschen Forschungsinstitute lägen mit ihrer Vorhersage in einem ähnlichen Rahmen. Insider berichten, dass in deren Frühjahrsgutachten für dieses Jahr ein noch deutlich stärkerer Konjunktureinbruch angenommen werde als bisher. Das Bruttoinlandsprodukt werde den Instituten zufolge um sechs Prozent schrumpfen, melden mehrere Nachrichtenagenturen.

Der Einbruch soll im zweiten Quartal besonders heftig ausfallen. Für die Monate April bis Juni rechneten die Institute mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, hieß es.

Im ersten Quartal werde ein Minus von 6,3 Prozent erwartet. Sowohl bei den Investitionen als auch bei den Exporten sei mit einem drastischen Rückgang zu rechnen. Für 2010 werde sich die Wirtschaft ein wenig erholen, allerdings nochmals leicht um 0,5 Prozent schrumpfen.

Exporteinbrüche drücken deutsche Wirtschaft tief ins Minus

Das überdurchschnittliche Schrumpfen der deutschen Wirtschaft führt der IWF auf die extreme Abhängigkeit von Exporten und auf die Struktur der deutschen Exporte zurück. Das bedeute, dass Deutschland von einem Aufschwung der Weltwirtschaft besonders profitiere, vom Abschwung aber auch besonders hart getroffen werde, sagte Asmussen.

Der IWF erkenne im Übrigen die Impulse für die deutsche Wirtschaft in Form der beiden Konjunkturprogramme an. Er nenne als Referenzbetrag für nötige Impulse jeweils zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den Jahren 2009 und 2010. Daran gemessen sehe Deutschland relativ gut aus. Ein neues Konjunkturprogramm sei daher nicht in Planung.

Viele Experten fürchten, dass nach dem heftigen Abschwung nur mit mit einem sehr langsamen Aufschwung zu rechnen ist. "Die Wirtschaft wird kaum so schnell wieder wachsen wie sie geschrumpft ist", sagt zum Beispiel Jörg Hinze, Konjunkturforscher am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI), zu SPIEGEL ONLINE. "Sie dürfte lange auf sehr niedrigem Niveau stagnieren oder nur allmählich wieder in Schwung kommen."

Ein langsamer Aufschwung aber wird die Krise nicht richten. Zieht die Konjunktur zu schwach an, geraten Unternehmen weiter unter Druck, Hunderttausende Kurzarbeiter könnten in der Folge im Herbst zu Arbeitslosen werden.

ssu/AP/dpa/Reuters

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