Video aus Schweineställen CDU-Politiker sollen Tierquäler sein

Die Nutztierhaltung in Deutschland funktioniert bestens - behaupten Bauernlobbyisten und CDU-Politiker. Nun sind Bilder aus ihren Ställen aufgetaucht. Sie zeigen Erschreckendes.

Mastschweine auf dem Hof Röring
DPA

Mastschweine auf dem Hof Röring


Die Filmaufnahmen stammen von der Tierschutzorganisation Peta und sind meist erst wenige Wochen alt. Sie zeigen Ställe dreier führender Landwirtschaftsfunktionäre und Politiker. Zu sehen sind Schweine mit riesigen Nabelbrüchen. Viele Tiere haben blutig gebissene Schwanzstummel. Etliche husten, humpeln oder kommen kaum mehr hoch. In den Gängen liegen tote, verwesende Tiere, bei einem treten die Innereien aus.

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Heft 41/2016
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Laut Peta stammen die Aufnahmen aus Ställen von Franz-Josef Holzenkamp, Aufsichtsratsvorsitzender beim Agrarmulti Agravis Raiffeisen und CDU-Bundestagsabgeordneter, Josef Rief, lange Jahre im Bauernverband aktiv und für die CDU im Bundestag, sowie von Johannes Röring, dem Präsidenten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, ebenfalls CDU-Bundestagsabgeordneter. Gegen alle drei stellte Peta Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)


Im Video: "Die Regel unseres Systems" - SPIEGEL-Redakteur Nils Klawitter kommentiert Aufnahmen aus deutschen Schweinezuchtbetrieben und erläutert die Fehler der modernen Nutztierhaltung.

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Die Zustände auf dem Betrieb, an dem Röring beteiligt ist, sorgten bereits vorvergangene Woche für Aufsehen, als Aufnahmen der Tierschutzorganisation Ariwa aus dem Jahr 2015 bekannt wurden. Es waren reihenweise kranke und verletzte Tiere zu sehen, der Politiker dagegen bezeichnete die Haltungsbedingungen als "einwandfrei". Die aktuellen Peta-Aufnahmen zeigen nicht nur "klassische Systemprobleme", sagt Cornelie Jäger, "sondern auch Rechtsverstöße". Die Veterinärin ist Landesbeauftragte für Tierschutz in Baden-Württemberg. Röring seinerseits lässt wissen, "keinen Verstoß gegen geltendes Recht" erkennen zu können.

Ähnlich wie Röring bestreitet auch Josef Rief Haltungsprobleme in seinen Ställen. Ein Amtsveterinär habe ihm die "Ordnungsmäßigkeit" vorige Woche bestätigt. Franz-Josef Holzenkamp räumt dagegen Probleme ein. Gelenkentzündungen oder Schwanzbeißen könne er nicht gänzlich verhindern, aber er versuche, das Wohlbefinden der Tiere zu verbessern.

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insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
olli08 07.10.2016
1. Dominium terrae !
Der Vorwurf der quälerischen Tierhaltung kann einen echten Christen nicht erschüttern, und einen CDU/CSU-Politiker schon gar nicht. Denn: „Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.“ (Genesis 1,28) Von Tierschutz steht da nix ...
benmartin70 07.10.2016
2.
Ich hoffe das wundert keinen.....
abc. 07.10.2016
3. Tierschutzorganisation Peta
Entgegen der voreingenommenen Haltung des Spiegels ist Peta keine Tierschutzorganisation. Peta ist (laut eigenem Bekunden) eine Tierrechtsorganisation, und zwischen dieser und dem Tierschutz besteht ein himmelweiter Unterschied. Tierschutz hilft Tieren bzw. schützt diese. Tierrecht dagegen will Tiere mit Menschen gleichsetzen, und mißbraucht den Tierschutz höchstens als Deckmantel für ihre Ideologie. In der Praxis sieht die "Tierschutz"arbeit von Peta so aus, dass in den US Haustiere "befreit" und dann in den Tierheimen einschläfert werden. Darüber hinaus tut sich Peta besonders durch Schnitzel-Holocaustvergleiche, medienwirksame Events und professionelles Spendensammeln hervor. Aber solange die Medien wie Spiegel immer so bequem mit vorgefertigten Pressetexten von Peta versorgt werden, wird's wohl auch weiterhin zur gedeihlichen Zusammenarbeit kommen. Da ist dann das Hemd doch näher als die Hose...
auswerter25 07.10.2016
4. Tierschutz verbessern
mit Tierquälern im Parlament? Wie soll das gehen? Aus dem selben Grund werden auch die Subventionen für die Landwirtschaft nicht sachlich geregelt. Es ist Idealismus, dass die Abgeordneten aufgrund ihrer hohen Diäten frei von wirtschaftlichen Zwängen nur ihrem Gewissen verpflichtet arbeiten. Nein, aus dem Parlament heraus lässt sich der Rahmen für's eigene Geschäft viel besser gestalten...
d.enkmalwieder 07.10.2016
5. Ein Wunder....
wäre es gewesen- könnten wir was anderes lesen. Es ist doch nicht das erste mal das, besonders die konservative "Law&Order" Fraktion, in unserer Republik Säulenheilige Regeln predigen die alle einhalten sollen. Wirklich alle- außer sie selbst natürlich...
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