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Förderung erneuerbarer Energien: Die Öko-Quote ist ein Irrweg

Ein Gastbeitrag von Peter Bofinger

Stromleitung, Windrad: Rasche EEG-Reform nötig - aber wie? Zur Großansicht
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Stromleitung, Windrad: Rasche EEG-Reform nötig - aber wie?

Die Förderung der erneuerbaren Energien muss rasch reformiert werden - nur wie? Derzeit befürworten viele ein Modell, bei dem der Staat feste Ökostromquoten vorgibt. Das ist planungswirtschaftlicher Unsinn! Viel besser wäre eine Festlegung fixer Fördersätze per Auktion.

In der Diskussion über die Zukunft der Ökostromförderung stehen sich zwei Lager gegenüber. Auf der einen Seite stehen die Befürworter des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG), die an einer Förderung über einen festen Preis prinzipiell festhalten wollen. Auf der Seite wird, wie zuletzt von der Monopolkommission, ein sogenanntes Quotenmodell gefordert.

Letzteres würde eine grundlegende Änderung der Förderung bedeuten: Die Produzenten von erneuerbaren Energien würden ihren Strom bei diesem Modell zum Börsenpreis verkaufen. Die Förderung ergibt sich daraus, dass sie für den von ihnen produzierten Strom zusätzlich Grünstromzertifikate erhalten. Für diese wird ein eigener Markt geschaffen, da der Staat die Versorger verpflichtet, für den von ihnen gelieferten Strom eine bestimmte Quote an Ökostrom einzuhalten. Dazu müssen die Versorger den Öko-Produzenten die entsprechende Menge an Grünstromzertifikaten abkaufen. Durch die Quote bestimmt der Staat, wie hoch der Ökostromanteil im Energiemix der Volkswirtschaft sein muss.

Die Befürworter des Quotenmodells versprechen sich von einer solchen Reform die beste aller Welten. Die Ausbauziele für könnten punktgenau eingehalten werden, sagen sie. Bei der Förderung würde Planwirtschaft durch Marktwirtschaft abgelöst. Der Wettbewerb würde intensiviert, und die Kosten würden sinken. Anders als das EEG erfordere das Quotenmodell außerdem weit weniger staatliche Planung, die immer mit einer "Anmaßung von Wissen!" verbunden sei.

Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich diese Argumentation als falsch. Dies gilt schon für die grundlegende Frage, wie viel der Staat wissen muss. Beim jetzigen EEG darf sich der Staat irren. Die Förderung kann jederzeit neu justiert werden, da eine Änderung nur neue Investoren, nicht aber die bereits am Markt agierenden Produzenten betrifft.

Beim Quotenmodell dagegen muss sich der Staat verbindlich und unumkehrbar festlegen. Er muss Quotenziele bis zur Mitte dieses Jahrhunderts definieren. Eine größere Anmaßung von Wissen ist kaum vorstellbar. Denn würde die Regierung ihre Zielwerte nachträglich erhöhen, zum Beispiel weil eine neue Technik einen rascheren Ausbau ermöglicht, hätte das fatale Folgen: Der Preis der Grünstromzertifikate würde sinken, wodurch die am Markt tätigen Anlagen beeinträchtigt würden.

Präzise Steuerung? Von wegen!

Zudem würde der Ausbau der erneuerbaren Energien weit weniger verlässlich gesteuert, als es sich die Quoten-Befürworter vorstellen. Als Vorbild wird oft Schweden genannt. Doch in diesem Land sind mit Biomasse und Wasserkraft vor allem erneuerbare Energien im Einsatz, deren Stromproduktion gezielt gesteuert werden kann. In Deutschland geht es aber hauptsächlich um Solar- und Windanlagen, deren Stromproduktion unkontrollierbar schwankt. Das Quotenmodell in Schweden ist für den deutschen Markt daher wenig aussagefähig. Eher schon das Quotenmodell in Großbritannien. Dort aber wurden die Ausbauziele über Jahre hinweg allenfalls zu knapp zwei Dritteln erreicht.

Das Hauptproblem des Quotenmodells ist, dass es Investoren enorm hohe Risiken zumutet. Sie stehen nicht nur zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidung in Konkurrenz mit anderen potentiellen Investoren, sie müssen über Jahrzehnte künftig mit allen neu in den Markt eintretenden Anbietern konkurrieren. Da nie auszuschließen ist, dass der Staat seine Quotenziele nachträglich ändert, kommt auch noch ein beträchtliches politisches Risiko hinzu.

Solche Investitionsrisiken führen zu hohen Finanzierungskosten der Investoren - was am Ende der Verbraucher zahlt. Und da solche Risiken in der Regel nur von sehr großen Unternehmen getragen werden können, geht das Ganze auch noch zu Lasten des Wettbewerbs - was kleinen Anbietern schadet und letztlich die Kosten für den Verbraucher weiter erhöht. Marktwirtschaft sieht anders aus.

Auktionen sind eine gute Alternative

Das bedeutet nun nicht, dass die Politik weiterhin am EEG festhalten soll. Das EEG ist in seiner derzeitigen Form vor allem ein Instrument, um den Ausbau der Ökoenergien anzuschieben; künftig muss es ihn stärker steuern. Um das zu erreichen, muss man aber nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten.

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es eine sehr viel elegantere Alternative zum EEG gibt als das Quotenmodell: sogenannte Auktionsverfahren. Diese halten an der für das EEG konstitutiven festen Vergütung während der gesamten Laufzeit eines Projekts fest und bieten Investoren so vorhersehbare Erlöse. Die Höhe der Vergütung wird aber nicht mehr wie bisher im Rahmen eines politischen Verhandlungsprozesses bestimmt, der unvermeidlich von Interessengruppen beeinflusst wird, sondern durch Auktionen. Das sorgt für Wettbewerb zwischen Investoren - und dafür, dass nur diejenigen mit den günstigsten Kosten zum Zuge kommen.

Natürlich stellt sich auch bei Auktionen eine Reihe von technischen Problemen. So muss insbesondere durch Strafzahlungen dafür gesorgt werden, dass die Anbieter nicht abspringen, wenn sie im Nachherein feststellen, dass sie ein vergleichsweise niedriges Gebot gemacht haben. Zudem muss eine Lösung für kleine Anbieter gefunden werden, für die Auktionen zu kompliziert sind. Hier könnte in einem begrenzten Umfang eine dem EEG-Modell entsprechende Förderung gedacht werden, die aber ähnlich wie die Abwrackprämie mit jährlich festen Obergrenzen versehen wird.

Das Quotenmodell ist ein Irrweg. Über Auktionsverfahren lässt sich der Förderung erneuerbarer Energien mit geringen Kosten und zugleich mit größerer Treffsicherheit erreichen. Und anders als bei der Quote, die starre planwirtschaftliche Vorgaben über Jahrzehnte hinweg erfordert, kann der Staat bei Auktionen jederzeit flexibel auf neue technische Entwicklungen reagieren.

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1.
günter1934 27.09.2013
Zitat von sysopDPADie Förderung der erneuerbaren Energien muss rasch reformiert werden - nur wie? Derzeit befürworten viele ein Modell, bei dem der Staat feste Ökostrom-Quoten vorgibt. Das ist planungswirtschaftlicher Unsinn! Viel besser wäre eine Festlegung fixer Fördersätze per Auktion. http://www.spiegel.de/wirtschaft/peter-bofinger-zu-erneuerbaren-energien-und-der-oeko-quote-a-924522.html
Weder das Quotenmodell noch Auktionen beseitigen den Schwachpunkt der EE, - viel zu teuer und ohne preiswerte Speicher mit grosser Leistung und grosser Kapazität rein zufällig. So müssen Strom aus Wind und Sonne voll mit konventionellem Backup hinterfüttert werden.
2. Im Nachherein?
Loddarithmus 27.09.2013
Zitat von sysopDPADie Förderung der erneuerbaren Energien muss rasch reformiert werden - nur wie? Derzeit befürworten viele ein Modell, bei dem der Staat feste Ökostrom-Quoten vorgibt. Das ist planungswirtschaftlicher Unsinn! Viel besser wäre eine Festlegung fixer Fördersätze per Auktion. http://www.spiegel.de/wirtschaft/peter-bofinger-zu-erneuerbaren-energien-und-der-oeko-quote-a-924522.html
von vornherein und im Nachhinein.
3. Warum..
mundusvultdecipi 27.09.2013
Zitat von sysopDPADie Förderung der erneuerbaren Energien muss rasch reformiert werden - nur wie? Derzeit befürworten viele ein Modell, bei dem der Staat feste Ökostrom-Quoten vorgibt. Das ist planungswirtschaftlicher Unsinn! Viel besser wäre eine Festlegung fixer Fördersätze per Auktion. http://www.spiegel.de/wirtschaft/peter-bofinger-zu-erneuerbaren-energien-und-der-oeko-quote-a-924522.html
..einfach,wenn es auch schwierig geht?Die ganze Bastelei hat nur eine Folge und die heißt momentan totale Investitionsunsicherheit was den kleinen EE Anlagen Erbauer genauso trifft wie die Planung von Grossanlagen der grossen EVUs und Investorengruppen!
4. Bofinger
kenterziege 27.09.2013
Ich wollte den Artikel erst lesen! Ich wollte wissen, was hier besser gemacht wird, als bei den CO2-Zertifikaten. Als ich dann Bofinger als Verfasser wahrnahm, habe ich mir das erspart. Der steht auf der Pay-Role von Altmeier. Also regierungsamtliche Spekulation!
5. Wir haben ein hervorragendes Instrument, das...
joG 27.09.2013
...wir aus politischer Feigheit nicht seriös verwenden. CO2 Zertifikate sind das optimale Werkzeug indem sie die best mögliche Allokation erreichen. Es braucht kaum Regulierung und Beamte und wäre sonst prima. Leider sieht man aber sehr rasch, was die Energiewende kostet und wem. Das will aber die Politik nicht, weil dann die Zustimmung bei den Wählern dem Projekt sofort entzogen würde.
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Zum Autor
DPA
Peter Bofinger gehört seit März 2004 dem Gremium der "Fünf Wirtschaftsweisen" an. Er hat Volkswirtschaftslehre in Saarbrücken studiert und promovierte dort 1984. Seit 1992 ist er Professor an der Universität Würzburg. In seinem aktuellen Buch "Ist der Markt noch zu retten?" beschäftigt er sich mit den Konsequenzen, die die Welt aus der Finanzkrise ziehen sollte. Mehr zu Peter Bofinger auf der Themenseite...



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