Peter Jackson vs. Time Warner Die Rache des Hobbit-Königs

Eine Klage des "Herr der Ringe"-Regisseurs Peter Jackson versetzt Hollywood in Aufruhr: Der exzentrische Neuseeländer behauptet, das Filmstudio New Line Cinema habe ihn betrogen und für die Verfilmung der Tolkien-Trilogie bis zu 100 Millionen Dollar zu wenig gezahlt.


Regisseur Jackson: "New Line hat ihm bereits so viel Geld überwiesen, dass man damit Bagdad wieder aufbauen könnte"
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Regisseur Jackson: "New Line hat ihm bereits so viel Geld überwiesen, dass man damit Bagdad wieder aufbauen könnte"

New York - In der Klage wirft Jackson der Time-Warner-Tochter New Line vor, ihm zu wenig für die Rechte an der Vermarktung von DVDs, Büchern, Spielen, Figuren und anderen "Ringe"-Nebenprodukten bezahlt zu haben. Jackson nenne in der Klageschrift zwar keine genaue Summe, schreibt die "New York Times". Seine Anwälte gehen aber der Zeitung zufolge davon aus, dass der Regisseur um bis zu 100 Millionen Dollar geprellt worden sein könnte.

Jackson beschuldigt New Line, die Rechte für die "Ringe"-Folgeprodukte in einem "geschlossenen" Bieterverfahren vor allem an andere Tochterfirmen von Time Warner weitergereicht zu haben - etwa an Warner Brothers International, Warner Records und Warner Books. Wären die Rechte in einem offenen Bieterverfahren auf dem freien Markt vergeben worden, so die Argumentation, hätte dies den Gesamtumsatz mit "Ringe"-Rechten steigern können. Auch Jacksons Bezahlung, die sich nach den Umsatzzahlen richtet, wäre dann höher ausgefallen.

New-Line-Anwalt: "Eine gewisse Fressgier"

Die Klage ist nach "Times"-Angaben bereits Ende Februar eingereicht worden, wird aber nun erst bekannt. Für Time Warner und andere integrierte Medienkonzerne sei der Rechtsstreit pikant, schreibt das Blatt. Die gesamte Philosophie des integrierten Medienkonzerns, der in verschiedenen Sparten des Entertainment-Business vertreten sei, werde dadurch in Frage gestellt. Unternehmen wie Time Warner, Viacom oder News Corp. zielen darauf ab, Rechte an bestimmten Filmen oder anderen Produkten konzernintern auf möglichst vielfältige Weise weiterzuverwerten.

Richard Socarides, ein Sprecher von New Line, sagte: "Wir stimmen mit der Klage keineswegs überein und werden uns energisch verteidigen." Ein Rechtsanwalt, der New Line vertritt, warf Jackson "eine gewisse Fressgier" vor: "New Line hat ihm bereits so viel Geld überwiesen, dass man damit Bagdad wieder aufbauen könnte, aber es reicht ihm immer noch nicht."

Nach Warner-Darstellung sind die Rechte in einer korrekten Ausschreibung vergeben worden. Sprecher Socarides sagte zudem, nicht alle "Ringe"-Rechte seien an Time-Warner-Töchter vergeben worden - so lägen zum Beispiel die Pay-TV-Rechte an der Trilogie nicht beim Time-Warner-Ableger HBO. Auch die Buchrechte für die Romane von J.R.R. Tolkien seien beim unabhängigen Houghton Mifflin verblieben.

Teurer Vergleich wahrscheinlich

Branchenkreise gehen laut "New York Times" davon aus, dass es nicht zu einem Verfahren kommen wird - die Hollywood-Manager würden Auftritte im Gerichtssaal auf jeden Fall vermeiden wollen. Wahrscheinlich sei eine außergerichtliche Einigung. Jackson habe auf Grund seines Ansehens gute Aussichten, dabei eine beträchtliche Summe herauszuschlagen. Er wird vom Staranwalt Stanton "Larry" Stein vertreten, der unter anderem schon in ähnlichen Fällen als Rechtsbeistand von Alan Alda und David Duchovny ("The X-Files") aktiv war.

Die "Ringe"-Trilogie ist für 281 Millionen Dollar produziert worden. Werden alle Folgeprodukte wie Merchandize-Artikel, TV-Rechte oder Soundtrack-Verkäufe eingerechnet, summieren sich die Gesamtumsätze auf vier Milliarden Dollar. Jackson soll nach Angaben seines Anwalts bisher rund 200 Millionen Dollar für die Trilogie erhalten haben.

Der "Ringe"-Regisseur dreht zurzeit für Universal Pictures die teuerste "King Kong"-Verfilmung aller Zeiten. Das Budget für den mit aufwendigen Spezialeffekten gespickten Film beträgt nach Branchenangaben 150 Millionen Dollar. Jackson soll bereits 20 Millionen Dollar als Vorauszahlung bekommen haben, die später mit seinem Anteil an den Gewinnen verrechnet werden.



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