Petersburger Wirtschaftsforum: Wirtschaftsbosse setzen auf Audienz bei Putin

Von Lothar Deeg, St. Petersburg

Kaum ist der G-8-Gipfel vorüber, treffen sich die echten Vorreiter der Globalisierung: Beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg geben sich am Wochenende westliche Ölbosse und östliche Oligarchen ein Stelldichein. Russland will damit seinen lädierten Ruf aufpolieren.

An Selbstbewusstsein hat des den Initiatoren des St. Petersburger Wirtschaftsforum (PEF) nie gemangelt. "Davos des Ostens" zu sein - diese Beschreibung gefiel ihnen, obwohl sie sie in den zehn Jahren zuvor nicht einmal im Ansatz erfüllten. Die traurige Wirklichkeit war eine träge Konferenz auf regionalem GUS-Niveau, wo der armenische Landwirtschafts-Staatssekretär mit dem moldawischen Eisenbahnminister Fragen des georgischen Mandarinenexports erörterte - am liebsten bei einer romantischen Bootsfahrt auf der Newa.

Isaak-Kathedrale in St. Petersburg: "Davos des Ostens"
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Isaak-Kathedrale in St. Petersburg: "Davos des Ostens"

Im Jahr Elf seit der Premiere auf dem Lenexpo-Messegelände haben sich die Verhältnisse jedoch gründlich geändert. Inzwischen hat das russische Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel mit dem liberalen German Gref an der Spitze die Regie übernommen und ein professionelles Management eingerichtet, das auch etwas von Marketing versteht. Der Erfolg ist sichtbar: 6000 Gäste haben sich für das Wochenende angemeldet. 250 zusätzliche Charterflüge werden auf dem Flughafen Pulkowo erwartet, etliche Parkplätze für Business-Jets sind reserviert.

Unter den Gästen sind nicht nur 14 Staatsoberhäupter aus den GUS-Staaten und elf Regierungschefs aus aller Welt, sondern auch die Bosse der westlichen Ölbranche: Tony Hayward von BP Chart zeigen, Jeroen van der Veer von Shell Chart zeigen, Helge Lund von Statoil Chart zeigen, Christophe de Margerie von Total Fina Elf Chart zeigen, David O’Reilly von ChevronTexaco Chart zeigen, James Mulva von ConocoPhillips Chart zeigen.

Who is Who der Ölindustrie

"Eine solche Konzentration von der Führungskräften von Öl- und Gaskonzernen hat in den letzten zehn Jahren kein einziges Wirtschaftsforum auf der Welt zusammengebracht", bemerkte die Moskauer Wirtschaftszeitung "Kommersant" anerkennend. Und dies, obwohl bereits ein schmerzlicher Abstrich auf Seiten ihrer russischen Kollegen gemacht werden musste: Alexej Miller, der mächtige Chef von Gasprom Chart zeigen, kann nicht wie angekündigt kommen: Er liegt schwer krank in einer Moskauer Klinik und wird sich auf dem PEF gleich durch vier Vizedirektoren vertreten lassen.

Auch Sergej Bogdantschikow, der Chef des rapide wachsenden staatseigenen Ölimperiums Rosneft Chart zeigen, nimmt nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge nicht am PEF teil. Dies hat wohl eher Anstandsgründe: Schließlich ist Konkurrent Gasprom Hauptsponsor der 15 Millionen Dollar teuren Veranstaltung. Russlands Energiebranche wird dennoch ausreichend repräsentiert: durch Anatolij Tschubais etwa, den Chef des Strom-Monopolisten RAO EES, oder Rosatom-Chef Sergej Kirijenko. Auch Wladimir Bogdanow, Chef von Surgutneftegas, und Semjon Wainschtok vom staatlichen Pipeline-Betreiber Transneft sind mit von der Partie.

Auf den Plausch mit ihren russischen Kollegen kommt es den Ölbossen aus dem Westen allerdings ohnehin nicht primär an. Sie hoffen vielmehr auf ein klärendes Gespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin, der am Samstagabend Audienz gewährt.

Nicht allein Energieforum

Dabei dürfte es vor allem um eine Klärung der Spielregeln gehen, nach denen ausländische Rohstoffkonzerne sich fürderhin an der Ausbeutung von Russlands reichen Öl- und Gasfelder beteiligen können. Der vom Kreml erzwungene Führungswechsel im Milliarden-Projekt Sachalin-2 von Shell zu Gasprom hat die Branche in Alarmstimmung versetzt. Andererseits locken zwischen Ural, Eismeer und Pazifik noch viele neue Vorkommen, die Russland mit eigener Kraft auf absehbare Zeit nicht erschließen kann – auch wenn die in diesen Fragen immer selbstbewusster werdende Kreml-Führungsriege das Problem nur ungern zur Kenntnis nimmt.

Doch die PEF will nicht allein ein Energieforum sein - auch die Investitionsmöglichkeiten und -bedingungen in anderen russischen Branchen und Regionen stehen auf der Tagesordnung – in der Theorie wie in der Praxis. Die Chefs internationaler Konzerne wie Coca-Cola Chart zeigen, Nestle, der Deutschen Bank Chart zeigen, Metro Chart zeigen, Mittal Steel Chart zeigen oder Scania Chart zeigen können während der drei Petersburger Forums-Tage mit russischen Geschäftspartnern, Ministern oder Gouverneuren anbandeln. Laut Gref-Vize Kyrill Androssow haben sich 200 der 1000 Top-Wirtschaftskapitäne in St. Petersburg angemeldet.

Von russischer Seite sind zudem die milliardenschweren Oligarchen Wiktor Wexelberg (Renova, Sual) und Oleg Deripaska (BasEl, Magna International Chart zeigen, GAZ) mit dabei, die gegenwärtig fast wöchentlich mit dem Aufkauf von Unternehmensteilen in Europa und Amerka Schlagzeilen machen – sowie Wladimir Jewtuschenko (AFK Sistema), Pjotr Awen (Alfa-Bank) oder Alexej Mordaschow (Severstal Chart zeigen).

Verträge im Wert von 3,3 Milliarden Dollar

Wie üblich werden bei einer solchen Veranstaltung auch Verträge und Absichtserklärungen unterzeichnet. Zwölf Dokumente mit einem Investitionsvolumen von 3,3 Milliarden Dollar seien bereits zur Unterschrift angemeldet, so Androssow. Eines davon wird einen Großeinkauf von Aeroflot bei Boeing Chart zeigen betreffen, ein anderes den Bau einer Lkw-Fabrik von Volvo Chart zeigen im Gebiet Kaluga. Dort errichtet bereits der VW-Konzern Chart zeigen ein großes Autowerk.

Außerdem wird mindestens ein weiterer Autohersteller Pläne zur Errichtung von Fertigungen in Russland publik machen: Grefs Ministerium verhandelte zuletzt mit Mitsubishi Chart zeigen, Peugeot Chart zeigen-Citroen und Suzuki Chart zeigen über die konkreten Investitionsbedingungen. Am weitesten gediehen sind die Gespräche mit Suzuki – schon am Freitag soll ein Investitions-Memorandum für den Werksstandort St. Petersburg unterzeichnet werden. Vorab hatte die russische wie die japanische Presse vermeldet, dass Suzuki in der Newa-Metropole jährlich bis zu 50.000 Allrad-Fahrzeuge fertigen will, die teilweise auch nach Westeuropa exportiert werden können.

Neben dem Titel "Davos des Ostens" kann St. Petersburg damit auch noch seinen Ruf als "russisches Detroit" festigen. Denn angelockt vom boomenden russischen Automarkt und den günstigen Standortbestimmungen – vom Vorhandensein eines Hafens über Subventionen bis zum professionellen Umgang mit Investoren in der Stadtverwaltung – haben sich bereits Toyota Chart zeigen, Nissan Chart zeigen und General Motors Chart zeigenzum Bau von neuen Autofabriken in der Fünf-Millionen-Stadt entschlossen.

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