Pipeline-Lecks BP räumt schlampige Kontrollen ein

Wegen seiner maroden Pipelines in Alaska muss sich der britische Ölkonzern BP derzeit vor dem Energieausschuss des US-Repräsentantenhauses verantworten. Nicht nur das grüne Image des Konzerns nimmt dadurch Schaden - es droht sogar eine Stilllegung der Leitungen.


Washington - "Ihre Unternehmenspolitik ist so rostig wie ihre Pipelines", griff der Vorsitzende des Energieausschusses des US-Repräsentantenhauses Joe Barton den britischen Ölkonzern BP Chart zeigen an. Dieser hatte zuvor eingeräumt, seine Pipelines in Alaska nachlässig gewartet zu haben.

BP-Chef Robert Malone (links): Ölkonzern räumt vor dem Energieausschuss des Repräsentantenhauses schwere Fehler ein
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BP-Chef Robert Malone (links): Ölkonzern räumt vor dem Energieausschuss des Repräsentantenhauses schwere Fehler ein

Bei zwei Unglücken im August und März diesen Jahres waren in Prudhoe Bay, dem größten Ölfeld der USA, Millionen Liter Rohöl in die Umwelt geströmt. Das Öl kam aus alten, durchgerosteten Pipelines der Briten.

Rückblickend hätte man die Leitungen öfter kontrollieren müssen, gab auch der USA-Chef des Ölkonzerns Robert Malone zu. Sein Unternehmen wolle in Zukunft enger mit den Behörden zusammenarbeiten, um das verlorene Vertrauen wieder herzustellen.

BP hatte schon zuvor angekündigt, in den kommenden zwei Jahren mehr als 550 Millionen Dollar (432 Millionen Euro) in die Verbesserung seiner Infrastruktur in Alaska zu stecken. Zudem sollen unabhängige Experten die Methoden und Kriterien für die Inspektion maroder Pipelines auf den neuesten Stand bringen.

Neben den finanziellen Schäden, ist der Skandal um die veralteten Pipelines vor allem für ein Imageschaden für den Konzern. In den letzten Jahren hatte BP in Werbekampagnen vor allem seine Umweltfreundlichkeit hervorgehoben. In Anzeigen hatte sich das Unternehmen, dass eigentlich "British Patroleum" heißt, sogar in "beyond Petroleum" (frei übersetzt: über das Erdöl hinaus) umgetauft.

Daher äußerten auch mehrere Kongressabgeordnete ihr Unverständnis, dass BP angesichts von Rekordgewinnen nicht genügend Geld in die Instandhaltung der Leitungen investiert habe. Auch der Ausschussvorsitzende Barton, eigentlich als Freund der Ölkonzerne bekannt, reagierte auffällig ungehalten: "Vielleicht sollte BP die Leitungen nicht mehr betreiben", meinte er.

Zu der Anhörung war auch der ehemalige Verantwortliche des BP-Rostschutzprogramm in Alaska Richard Woollam vorgeladen. Er beantwortete aber unter Verweis auf sein Zeugnisverweigerungsrecht keine einzige Frage der Abgeordneten. BP hatte Woollam vor kurzem versetzt und in den Urlaub geschickt.

Die Ölverschmutzung in Alaska untersuchen derzeit die US-Umweltbehörde EPA, das Justiz- und das Verkehrsministerium in Washington sowie die Regionalbehörden von Alaska. Kürzlich war bekannt geworden, dass der Konzern vor fünf Jahren mit Hilfe der Umweltbehörde vor fünf Jahren die Veröffentlichung eines sehr kritischen Bericht über die Wartung seiner Ölleitungen in Alaska verhindert hatte.

bay/AFP



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