Pleitebank Deutsche Rentenversicherung legte Millionen bei Lehman an

Peinliches Eingeständnis: Die Deutsche Rentenversicherung hat über 40 Millionen Euro bei der US-Pleitebank Lehman Brothers angelegt, die Unfallversicherung sogar noch mehr. Die Bundesregierung betont, dass das Geld durch den Einlagensicherungsfonds geschützt sei.


Berlin - Die Deutsche Rentenversicherung gerät in den Strudel der Finanzkrise: Nicht nur die Mittelstandsbank IKB Chart zeigen hat Geschäfte mit der inzwischen bankrotten US-Investmentbank Lehman Brothers gemacht. Auch die Deutsche Rentenversicherung Rheinland hat 44,5 Millionen Euro bei der deutschen Tochter der US-Pleitebank angelegt. Zudem machte die gesetzliche Unfallversicherung in Höhe von 57,55 Millionen Euro Einlagen bei Lehman Brothers.

Lehman-Brothes-Zentrale: Der Einlagensicherungsfonds greift
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Lehman-Brothes-Zentrale: Der Einlagensicherungsfonds greift

Das teilte die Bundesregierung am Donnerstag auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion mit.

Verzockt habe die Versicherung das Geld demnach nicht: Es sei über den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken geschützt, hieß es weiter. Der Fonds ist ein freiwilliges Sicherungssystem der Banken zum Schutz der Kundengelder im Falle einer Insolvenz.

Die Regierung wie auch Sprecher beider gesetzlicher Sozialversicherungen betonten, dass die Mittel geschützt seien. Informationen, ob gesetzliche Krankenversicherungen Geld bei Lehman angelegt haben, habe sie nicht, erklärte die Bundesregierung weiter.

Das gegen die deutsche Tochter der amerikanischen Lehman Brothers Bank verhängte Zahlungsverbot diene in erster Linie dem Gläubigerschutz, erklärte die Bundesregierung weiter. Die Verhängung des sofortigen Zahlungsverbots war demnach "zwingende Konsequenz", nachdem die amerikanische Muttergesellschaft der Bank einen Antrag auf Einleitung des Gläubigerschutzverfahrens gestellt hatte. Mit dem Zahlungsverbot solle sichergestellt werden, dass bei einer späteren Insolvenzeröffnung das noch vorhandene Vermögen unter allen Gläubigern in gleichem Maße verteilt werden könne.

Die Regierung wies aber darauf hin, dass bei der deutschen Lehman Brothers keine Insolvenz vorliege. "Das Gesamtengagement deutscher Kreditinstitute bei Lehman Brothers Holding in Euro bewegt sich im unteren einstelligen Milliardenbereich", so die Regierung. Staatliche Maßnahmen zur Solvenzsicherung bei Lehman erwäge die Regierung nicht.

Banken in Deutschland müssen indes um ihr Geld bangen: Island hat sich einer offiziellen Statistik zufolge den weitaus größten Teil seiner Kredite von deutschen Banken geliehen. Von Bankschulden in Höhe von 75,3 Milliarden Dollar, die vor den jüngsten schweren Turbulenzen der Finanzkrise in Island aufgelaufen waren, stammten 21,3 Milliarden Euro von deutschen Banken, teilte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit. Damit stamme fast ein Drittel des Geldes aus Deutschland. Die BIZ ist eine internationale Organisation, hält Teile der weltweiten Währungsreserven und ist quasi die Zentralbank der Zentralbanken.

Wie viel des deutschen Geldes nach Beginn der schweren Verwerfungen im Oktober wieder zurückgeflossen ist, geht aus der Statistik nicht hervor. Isländische Geldgeber waren in den vergangenen Jahren zu Großinvestoren in ganz Europa geworden und hatten zahlreiche Aufkäufe getätigt, von Modeketten bis Fußballclubs. Im Oktober aber schlitterte Island an den Rand des Bankrotts und die Regierung musste die drei größten Banken des Landes verstaatlichen.

Die Summe, die deutsche Banken nach Island verliehen haben, war damit fünfmal höher als die britischer Banken, wie aus der BIZ-Statistik hervorgeht. Von den britischen Banken waren nur 4,21 Milliarden Dollar geflossen. Der Chef der bayerischen Landesbank hatte am Donnerstag gegenüber dem "Handelsblatt" erklärt, sein Institut leide unter Belastungen von rund 800 Millionen Euro durch sein Engagement in Island.

cvk/AP/Reuters/dpa-AFX



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