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Pleiteversandhaus: Firmenkonten bei Quelle leergeräumt

Kaum noch Hoffnung für Quelle: Der Versandhändler musste sämtliche Gelder kurz vor dem Insolvenzantrag an den Mutterkonzern überweisen - der Betriebsrat will diesen Vorgang nun prüfen. Bayerns Ministerpräsident Seehofer appelliert direkt an die Kanzlerin, das Unternehmen doch noch zu retten.

Berlin/München - Quelle hofft darauf, dass der Staat dem insolventen Versandhändler beispringt - doch der Konzern ist nach Meinung der Bundesregierung in seiner heutigen Form nicht überlebensfähig. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" heißt es in Regierungskreisen übereinstimmend, dass das Unternehmen wahrscheinlich am Ende geordnet abgewickelt werden müsse.

Quelle-Filiale in Berlin: Regierungsangehörige schreiben Firma ab Zur Großansicht
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Quelle-Filiale in Berlin: Regierungsangehörige schreiben Firma ab

Das gelte selbst für den Fall, dass sich der Bund und das Land Bayern am Montag entschlössen, Quelle den beantragten Staatskredit in Höhe von 50 Millionen Euro zu gewähren. Im besten Fall finde sich ein Investor, der Teile des Betriebs übernehme und die zugehörigen Arbeitsplätze rette.

Die Einschätzung aus Berlin sei auch von einem ranghohen Mitglied der bayerischen Staatsregierung bestätigt worden. Quelle habe sich überlebt, daher sei auch "die Liquidation des Unternehmens ein denkbares Szenario", sagte das Regierungsmitglied. Selbst Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) wollte den Angaben zufolge nicht mehr von einer Rettung sprechen. "Der Massekredit ist eine Übergangslösung. Es muss bei Quelle erheblich mehr geschehen", sagte Zeil.

Die Aussagen sind der Zeitung zufolge auch deshalb bedeutsam, weil Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wiederholt den Anschein erweckt habe, das Unternehmen könne mit Hilfe des Staates dauerhaft überleben. Nach Firmenangaben seien bis zu 10.000 Arbeitsplätze gefährdet.

Die Notlage des Versandhauses stellt sich unterdessen noch dramatischer dar, als bislang bekannt. Quelle muss bereits seit fast drei Wochen ohne eigene flüssige Mittel auskommen, weil das Unternehmen sein Geld wenige Stunden vor dem Insolvenzantrag Anfang Juni an den Mutterkonzern Arcandor überwiesen hat. Ein entsprechender Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wurde von einem Arcandor-Sprecher bestätigt.

Mit der Insolvenz habe dieser Schritt aber nichts zu tun gehabt, sagte der Sprecher. Vielmehr handele es sich um ein übliches Verfahren, dass Tochterfirmen ihr Guthaben im sogenannten "Cash- Pooling" an die Mutter überführten. Die Tochterfirmen würden aus diesem Pool dann wiederum mit Geld versorgt. Dies sei ein automatisiertes System auf täglicher Basis. "Jeden Tag gehen Finanzströme in beide Richtungen", sagte er.

Der Quelle-Gesamtbetriebsrat kündigte an, das Verfahren zu prüfen. "Wir wollen auf Cent und Euro wissen, wie diese letzten Tage verlaufen sind", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel.

CSU-Chef Horst Seehofer hat an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appelliert, in der Hängepartie um einen Kredit für das insolvente Versandunternehmen Quelle positiv zu entscheiden. "Ich habe kein Verständnis dafür, wie die Bundesregierung solche Dinge behandelt", sagte Seehofer am Samstag am Rande einer Parteiveranstaltung in Dachau zur zögerlichen Haltung insbesondere von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD).

beb/ddp/dpa

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