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Plus für zyklische Titel: Privatanleger verpassen den Aktien-Aufschwung

Von Arne Gottschalck und Karsten Stumm

Erstaunliche Gewinnserien haben die Kurse auf Jahresbestmarken gehievt. Besonders konjunktursensible Aktien legten den stärksten Aufschwung seit zehn Jahren hin. Doch Experten befürchten, der große Aufschwung könnte schon vorbei sein - und Privatanleger gehen wieder leer aus.

Hamburg - Es war eine spektakuläre Entwicklung: Neun Tage in Folge hat das bedeutendste deutsche Aktienbarometer Dax Chart zeigen in Folge zugelegt - und damit die längste Gewinnserie seit vier Jahren gezeigt. Diese Woche kletterten die Kurse gar von einem Jahreshoch zum nächsten, am Freitag schloss der Dax nur knapp im Minus.

Händler an der New Yorker Börse: Erstmals über 9000 Punkte Zur Großansicht
dpa

Händler an der New Yorker Börse: Erstmals über 9000 Punkte

"Unter vielen Profis ist die Zuversicht verbreitet, dass die Wirtschaft eben doch einen schnellen Aufschwung hinkriegen wird", sagt Raimund Saxinger, Fondsmanager bei Frankfurt Trust, der Fondsgesellschaft der BHF-Bank. Und Carmen Weber, bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS für internationale Aktien zuständig, ergänzt: "Die guten Ergebnisse sind vor allem ein Hinweis, dass die vielen Hilfsmaßnahmen der Geld- und Fiskalpolitik Wirkung zeigen. Dies wurde von den Marktteilnehmern mit viel Optimismus aufgenommen."

Deutsche Privatanleger gehen leer aus

Und das übrigens nahezu weltweit: In den USA hat der Weltleitindex Dow Jones Chart zeigen am Donnerstag erstmals seit Jahresbeginn die Marke von 9000 Punkten übersprungen und den höchsten Schlussstand der New Yorker Börse seit Oktober 2008 markiert. Der bedeutendste asiatische Aktienindex, Japans Nikkei 225 Chart zeigen, folgte Dax und Dow auf dem Fuße und rangiert ebenfalls so hoch wie seit dem Oktober vergangenen Jahres nicht mehr. Und in Brasilien vollzieht der Bovespa, der wohl meistbeachtete Index der südamerikanischen Börsen, die gleiche Entwicklung. Das dortige Kursbarometer hat mit etwa 51.000 Indexpunkten ebenfalls das Niveau vom vergangenen Herbst erreicht.

Grafik: Die Entwicklung im Dax
manager-magazin.de

Grafik: Die Entwicklung im Dax

Einzig die Privatanleger in der Bundesrepublik scheinen an dem Aufschwung nicht zu verdienen: Ihr Anteil unter denjenigen, die auf Sicht eines Monats von steigenden Kursen ausgehen, ist in der jüngsten Umfragen des Analysehauses Sentix auf 14 Prozent abgerutscht. Schon in den Vormonaten gingen sie Aktieninvestments deutlich zögerlicher ein als professionelle Investoren.

Damit wird mehr und mehr Anlegern klar: Auch wenn noch nicht ausgemacht ist, ob die Wirtschaft wirklich schnell wieder Tritt fassen wird, kommen sie mit einer wichtigen Anlageentscheidung womöglich schon zu spät. Der oftmals gewinnträchtige Zyklus der zyklischen Aktien zu Beginn eines Wirtschaftsaufschwungs könnte an ihnen vorbeigezogen sein - obwohl sie doch so sehr versuchen wollten, die enormen Verluste seit Jahresbeginn 2008 wenigstens teilweise aufzuholen. Das ist auch dringend nötig, denn trotz der zuletzt neuntägigen Dax-Rallye liegt etwa der Frankfurter Leitindex noch immer rund 2800 Punkte oder etwa 35 Prozent unter seinen Höchstständen aus der Zeit zwischen Mitte 2007 und Jahresanfang 2008.

"Die Ergebnisse der Zykliker wie Stahl- oder Minenunternehmen zeigen tatsächlich bereits Zeichen der Erholung, wenn auch von einem sehr niedrigen Niveau. Und die Aktienkurse dieser Unternehmen haben sich seit ihren Tiefs im März 2009 auch schon stark erholt", stellt beispielsweise Richard Speetjens fest, Manager des European-Equities-Fonds aus dem Hause Robeco, das der niederländischen Rabobank gehört. "Wir denken, dass in diesen Kursen bereits eine scharfe Erholung sowohl von Verkäufen als auch Gewinnmargen enthalten ist und haben daher unsere Gewichtung der Zykliker reduziert." Zyklische Aktien sind gut, aber schon zu gut gelaufen?

Experten rechnen mit Seitwärtsbewegungen

Genau, sagt Frankfurt-Trust-Manager Saxinger. "Die Kurse der Zykliker sind in den vergangenen Monaten so deutlich in die Höhe gegangen, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Deshalb müsste sich zumindest jeder Profi fragen, warum er davon nicht profitieren konnte, sofern er einige dieser Titel nicht zumindest zeitweise in seinem Depot gehabt hat", sagt Saxinger.

Investmentbanken wie Morgan Stanley warnen dann auch in Analysen, in der aktuellen Lage riesige Summen auf die besonders konjunktursensiblen Titel wie die der Chemie- oder Konsumgüterindustrie zu setzen. Vielleicht nicht zu Unrecht, denn zumindest einen Hinweis auf die künftige Entwicklung dieser Aktienart konnte in vielen Vorjahren der Frühindikator des US-Instituts für Supply Management (ISM) liefern.

Die Amerikaner verdichten das Ergebnis ihrer Umfragen unter etwa 350 Einkaufsmanagern aus 20 US-Industriebranchen zu einem Index, der ab einem Niveau von 50 Indexstellen auf Wachstum deutet - genau dieser Wert wurde bereits überschritten. Er liegt in diesem Monat bei 56 Indexstellen. Zufall oder nicht: In vielen Vorjahren legten die Aktienkurse zyklischer Unternehmen nur noch dann deutlich zu, wenn dieser Indexwert zwischen 40 und 50 Stellen lag. Schon vorbei also mit dem Zykliker-Zyklus, dem oftmals ersten gewinnträchtigen Trend eines Jahres oder Konjunkturaufschwungs?

Sicher, "es steht noch viel Geld an der Seitenlinie, das momentan keine Zinsen abwirft und bei steigenden Kursen in den Markt gezogen wird", sagt DWS-Managerin Weber. "Doch nachdem zyklische Aktien im Schnitt rund 35 Prozent zulegen konnten, sehen wir in den kommenden Monaten Nachholbedarf für defensivere Aktien und nehmen zum Teil Gewinne in den Top-Performern mit." Darüber hinaus "rechnen wir zumindest in den kommenden sechs Monaten eher mit einer Seitwärtsbewegung an den Börsen nach dem zuletzt fast stürmischen Aufschwung", sagt Frankfurt-Trust-Manager Saxinger.

Behalten die beiden recht, dürfte bald auch die eindrucksvolle Gewinnserie des deutschen Vorzeigeindex Dax Chart zeigen zu Ende gehen. Und mit ihr der erste neue Zykliker-Zyklus.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
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1. Gruseltext
Mocs, 25.07.2009
Zitat von sysopErstaunliche Gewinnserien haben die Kurse auf Jahresbestmarken gehievt. Besonders konjunktursensible Aktien legten den stärksten Aufschwung seit zehn Jahren hin. Doch Experten befürchten, der große Aufschwung könnte schon vorbei sein - und Privatanleger gehen wieder leer aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,638071,00.html
Wenn man sich dieses furchtbare Wortgeschwurbel im Artikel anguckt vergeht einem jede Lust Aktien zu kaufen - wenn man denn diese Lust jemals verspürt hat. Aktien sind imho was für Zocker die Scheine übrig haben - "Seitwärtsbewegungen" habe ich auf der Tanzfläche der Disco - und meine "Zyklikerin" sagt ich soll noch Milch mitbringen. Da kommen die (seltenen) Überschüsse lieber aufs Sparbuch, bevor ich sie diesem dubiosen Aktienrotz opfere.
2. Nein Danke!
Torfstecher, 25.07.2009
Nie wieder Aktien/Fonds!
3. ??
mannilli 25.07.2009
So ein blödsinn! Glaubt da jemand, an der Börse wird zum Einstieg geklingelt? Ich verstehe nicht, wieso der Privatanleger was verpasst hat? Jeder kann kaufen wann er will, wenn er denn will :D ... Haben die Autoren denn den Einstieg verpasst und jammern deshalb? Fragen über Fragen ...
4. Börse macht Spaß
karl-heinzi 25.07.2009
Also, ich bin ein leicht überdurchschnittlich gut verdienender Angestellter. Ich habe an der Börse in den letzten sechs Monaten mit einem Einsatz von 50000 Euro ohne große Kapriolen 30000 Euro verdient, die Finanzkrise ist für mich Geschichte, mein Depot hat all-time-high. Warum sollte ich mein Geld auf dem Sparbuch anlegen?
5. °
Beutz 25.07.2009
Zitat von mannilliSo ein blödsinn! Glaubt da jemand, an der Börse wird zum Einstieg geklingelt? Ich verstehe nicht, wieso der Privatanleger was verpasst hat? Jeder kann kaufen wann er will, wenn er denn will :D ... Haben die Autoren denn den Einstieg verpasst und jammern deshalb? Fragen über Fragen ...
Nö. Damit wird suggeriert man soll schnell einsteigen. Sonst wird man für blöd gehalten. Frisches Kapital zum verbrennen. Einige Anleger sitzen sicherlich schon wieder vorm Stapel geliehenem Geld... Liebe Grüße.
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