Porsche-Prozess Staatsanwaltschaft legt Revision ein

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gibt sich im Porsche-Prozess noch nicht geschlagen. Die Behörde hält sich die Möglichkeit einer Revision gegen die Freisprüche für Wiedeking und Härter offen.

Härter und Wiedeking
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Härter und Wiedeking


Die Freisprüche für den Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen ehemaligen Finanzvorstand Holger Härter waren eine Ohrfeige für die Ankläger. "An den Vorwürfen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ist nichts dran, nichts - weder vorne, noch hinten, noch in der Mitte", sagte der Vorsitzende Richter Frank Maurer in seiner mündlichen Urteilsbegründung.

Das Landgericht Stuttgart hatte Wiedeking und Härter am Freitag nach fünf Monaten Prozess vom Vorwurf der Marktmanipulation freigesprochen. In dem Verfahren ging es um die letztlich gescheiterte Übernahme des VW-Konzerns durch Porsche.

Das will die Stuttgarter Staatsanwaltschaft so nicht hinnehmen: Die Behörde habe nach den Freisprüchen Revision eingelegt, sagte ein Sprecher. Damit bestätigte er einen Bericht der "Stuttgarter Nachrichten".

Die nun eingelegte Revision ist eher ein formaler Schritt, die Frist für die Rechtsmittel wäre Ende März abgelaufen. Es gehe zunächst einmal um die Fristwahrung und darum, sich die Revision vor dem Bundesgerichtshof offenzuhalten, sagte der Sprecher. "Wir möchten erst einmal die schriftliche Urteilsbegründung prüfen", sagte der Sprecher der Ankläger. Diese werde wohl Anfang Juni vorliegen. Nach Zustellung des Urteils haben die Ankläger einen Monat Zeit, um definitiv über ihren Revisionsantrag zu entscheiden.

Der Anwalt von Wiedeking, Hanns Feigen, sagte am Montag, er hoffe, dass die Staatsanwaltschaft nach Lektüre der Urteilsbegründung endlich Einsicht zeige und von weiteren Schritten absehe.

Wie Porsche sich an Volkswagen verhob
März 2007

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Finanzvorstand Holger Härter verfolgen einen kühnen Plan: Sie wollen den um ein Vielfaches größeren Volkswagen-Konzern übernehmen. Die Porsche-Eigentümer Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche haben sie schon früh von der Idee überzeugt. Wiedeking und Härter beginnen mit dem Kauf von VW-Aktien. Im März 2007 haben sie bereits mehr als 30 Prozent der Anteile zusammen.

3. März 2008

Der vom Porsche/Piëch-Clan dominierte Aufsichtsrat segnet den Plan ab, weitere rund 20 Prozent der VW-Anteile zu kaufen. Nach Abschluss der Transaktionen verfügt Porsche damit über mehr als 50 Prozent an dem Autoriesen. Die magische Grenze liegt bei 75 Prozent – dann könnte Wiedeking in Wolfsburg durchregieren.

10. März 2008

Die Nachricht, dass Porsche die Herrschaft über Volkswagen übernehmen will, ist längst in aller Munde. Kaum jemand zweifelt noch daran, dass die Stuttgarter es wirklich ernst meinen. Doch Gerüchte über weitere Aktienkäufe will der Vorstand gleich im Keim ersticken – mit einem klaren Dementi. Eine Aufstockung des Anteils auf 75 Prozent sei nicht geplant, heißt es.

23. Juli 2008

Gut vier Monate nach dem Dementi billigt der Porsche-Aufsichtsrat den Ankauf weiterer Aktien. Jetzt soll die Beteiligung doch auf 75 Prozent anwachsen. Sorgen über die Finanzierung der dafür notwendigen rund acht Milliarden Euro hat Finanzvorstand Härter zuvor zerstreut. Die Öffentlichkeit erfährt von den Plänen noch nichts.

26. Oktober 2008

Porsche schockiert die Börse mit der Ankündigung, seinen Anteil an VW nun doch auf 75 Prozent erhöhen zu wollen. In der Erklärung sorgt vor allem eine Information für Unruhe: Über Optionen hat sich Porsche zusätzlich zu seinem 42,6-Prozent-Paket weitere 31,5 Prozent gesichert. Weitere 20 Prozent hält Niedersachsen. Es sind also kaum noch Aktien auf dem Markt.

28. Oktober 2008

Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, haben jetzt allen Grund zur Panik. Sie haben VW-Aktien zu einem festgelegten Preis verkauft, die sie noch gar nicht besitzen und jetzt heranschaffen müssen – koste es, was es wolle. Wie viele Aktien von solchen Geschäften erfasst sind, ist nicht bekannt, doch es sind offensichtlich weit mehr als die rund sechs Prozent, die sich noch auf dem Markt befinden. Der Kurs steigt im atemberaubenden Tempo von 200 auf mehr als 1000 Euro.

6. Mai 2009

Der hohe Börsenkurs macht Porsche quasi über Nacht zu einem reichen Unternehmen, aber nur auf dem Papier. Für den Kauf der restlichen 31,5 Prozent, die sich Härter über Optionen gesichert hatte, können sie immerhin als Sicherheit dienen. Den Kaufpreis von rund acht Milliarden Euro muss der Finanzjongleur trotzdem durch Kredite finanzieren. Schlimmer noch: Am 24. März 2009 wird ein Zehn-Milliarden-Euro-Kredit fällig und Härter gelingt es nicht, das Geld für die Anschlussfinanzierung aufzutreiben. In der Not muss VW einspringen – der Jäger wird zur Beute.

23. Juli 2009

Der Schaden, den Wiedeking und Härter angerichtet haben, ist zu groß. Im Piëch/Porsche-Clan ist man sich ausnahmsweise einig: Die beiden Top-Manager müssen gehen. Nach langen Verhandlungen mit dem Aufsichtsrat einigt man sich auf eine Abfindung von 50 Millionen Euro für Wiedeking und 12,5 Millionen für Härter. Wiedeking muss sich allerdings verpflichten, die Hälfte seiner Abfindung in eine Stiftung einzubringen.

13. August 2009

Das Ende der Eigenständigkeit von Porsche ist besiegelt. Der Aufsichtsrat stimmt der Übernahme durch Volkswagen zu. Der Sportwagenhersteller muss sich fortan mit elf anderen Konzernschwestern arrangieren, hat jedoch weiterhin viel Freiheit. Die eigentlichen Gewinner sind allerdings die Familien Piëch und Porsche. Über die Holdinggesellschaft Porsche SE besitzen sie mehr als 50 Prozent an VW. Sechs Jahre später müssen sich Wiedeking und Härter vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft hatte den beiden Managern vorgeworfen, sie hätten 2008 Anleger in die Irre geführt und sich der Kursmanipulation schuldig gemacht. Die Anklage hatte für Wiedeking und Härter mehr als zwei Jahre Gefängnis gefordert. Die Verteidiger der Manager hatten dagegen auf Freispruch plädiert.

Porsche hatte 2008 versucht, den viel größeren Volkswagen-Konzern zu schlucken und war gescheitert. Die Porsche-Manager hatten entsprechende Pläne lange bestritten. Erst Ende Oktober 2008 wurde die Übernahmeabsicht bestätigt. Daraufhin stieg der Wert einer VW-Aktie binnen zwei Tagen etwa um das Fünffache. Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, verloren riesige Summen.

brk/dpa/Reuters

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Fritz.A.Brause 21.03.2016
1. Hier möchte sich jemand...
...vollkommen zum Affen machen. Tja, Herr Staatsanwalt. Ich empfehle einen Eitelkeits-Check. Man tut gut daran, solche Dinge nicht persönlich zu nehmen. Vermutlich hat Herr Wiedeking in seiner Zeit bei Porsche an einem Tag mehr Wert geschaffen, als sie mit sinnlosen Prozessen venichten können. Aber man muss es ja mal versucht haben. Macht ja nix: Ist ja nur Steuergeld...
ulrich-lr. 21.03.2016
2. Steuerzahler zahlt
Bockige Staatsanwaltschaft verheizt munter unser Geld. Man sollte ein Leistungsprinzip einführen: Wenn die Revision abgewiesen wird, sollten die Staatsanwälte die Kosten aus ihrer eigenen Tasche bezahlen - zumindest sich jedoch kräftig an den kosten beteiligen.
Lesenkönner 21.03.2016
3. @2
So ein Unsinn. Das würde dazu führen, dass kein Staatsanwalt jemals eine Anklage erheben oder ein Rechtsmittel einlegen würde. Ihre These müsste ja bedeuten, dass es weder Freisprüche geben darf noch erfolgreiche Rechtsmittel...schöne neue Welt! Aber ich denke, Sie werden im Beruf - wenn Sie denn Angestellter sind - auch unmittelbar an den Kosten beteiligt, wenn Ihre Geschäfte nicht den gewünschten Erfolg bringen...
Hamberliner 21.03.2016
4. Investoren? Was haben die denn investiert?
---Zitat von Spon--- Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, verloren riesige Summen. ---Zitatende--- Die hatten versucht, an Leerverkäufen zu verdienen und sich verspekuliert. D.h. Aktien, die einem nicht gehören, leihen, teuer verkaufen und billig zurückkaufen wollen, und sie dann zurückgeben. Das waren keine Investoren. Sie haben praktisch nichts investiert, sondern sehr viel riskiert. Es ist schon sehr dreist, Verluste dieses Glücksspiels anderen anlasten zu wollen, wenn man an den Gewinnen immer gut verdient hat.
thrust26 21.03.2016
5. @3
Wieso? Wenn er bei Erfolg eine mindestens gleichhohe Prämie bekäme, dann funktioniert es doch wieder.
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