Seriengründer Elon Musk: Der High-Speed-Unternehmer

Von Nicolai Kwasniewski

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Elon Musk: Die Welt ist nicht genug

PayPal, Tesla, SpaceX und jetzt Hyperloop: Der Unternehmer Elon Musk hat schon mehrere Branchen revolutioniert - nun will er Menschen in Luftkissen-Kapseln durch Röhren schießen und so Schnellzüge und Flugzeuge ersetzen.

Hamburg - Elon Musk will Menschen zum Mars fliegen und Elektroautos für jedermann bauen - diesen Zielen ist er in den vergangenen Jahren schon sehr nah gekommen. Eigentlich wollte er sich in der nächsten Zeit nichts mehr vornehmen, auch wenn er ein senkrechstartendes Überschallflugzeug für wünschenswert und Energieerzeugung durch Fusion für dringend notwendig erachtet. Diese Probleme sollten aber andere lösen - wenn nicht, dann werde er es irgendwann versuchen.

Genauso war es auch mit dem Verkehrsmittel Hyperloop, das Menschen in Kapseln mit mehr als 1200 Stundenkilometern durch Röhren befördert: Im vergangenen Jahr war Hyperloop noch eine Art Geheimprojekt, über das Musk nur Andeutungen machte. Jetzt präsentierte der Milliardär eine detaillierte Beschreibung seines Vorhabens, gespickt mit Superlativen: Hyperloop sei ein "Transportmittel, das das Reisen revolutionieren könnte", sagte Musk - und wird damit seinem Ruf als größenwahnsinniger Vordenker gerecht. Allerdings setzt er seine Ideen normalerweise auch um.

Aufgewachsen in Südafrika

Elon Musk ist ein Außenseiter, verrückter Erfinder, Nerd: Er wurde 1971 als erstes von drei Kindern in Südafrika geboren, der Vater war Maschinenbauingenieur, die Mutter Model. Er wurde früh eingeschult, fand in der Schule aber keine Freunde. Also zog er sich zurück, schrieb ein Computerprogramm und verkaufte es - damals war er zwölf Jahre alt.

Mit 17 verließ Musk Südafrika und zog nach Kanada, auch um dem Wehrdienst in der Armee zu entgehen. Er studierte Physik und Wirtschaft und zog 1995 nach Kalifornien, um in Stanford zu promovieren. Keine Woche hielt es Musk an der Elite-Uni: Um ihn herum eröffneten junge Leute Internetfirmen und machten sagenhafte Geschäfte - Musk wollte das auch.

Er gründete kurzerhand die Softwarefirma Zip2 und verkaufte sie vier Jahre später an Compaq, für mehr als 300 Millionen Dollar. Mit dem Geld gründete er gleich die nächste Firma, aus der PayPal wurde. Der Internet-Bezahldienst wurde 2002 von Ebay übernommen, für 1,5 Milliarden Dollar. Mit 31 Jahren war Musk zu alt, um noch als Wunderkind durchzugehen, aber er wollte das nächste große Ding vorantreiben, und jetzt hatte er Geld.

Die Grundidee: Teure, komplizierte Produkte möglichst billig und massentauglich machen und die ganz großen Probleme lösen: Er investierte in Tesla, eine Autofirma, die elektrisch angetriebene Sport- und Mittelklassewagen herstellen wollte, und er gründete die Raketenfirma SpaceX.

"Riesige Eier aus Stahl"

Die Menschen müssten neue Planeten erobern, sagte Musk damals, denn auf der Erde werde der Platz knapp. In wenigen Jahren entwickelte SpaceX hocheffiziente Transportraketen, schon 2010 gelang es der Firma, ein Raumschiff zurück zur Erde zu bringen. Im vergangenen Jahr dockte SpaceX im Rahmen eines Programms der US-Weltraumbehörde Nasa als erste Privatfirma an die Internationale Raumstation ISS an. Musk kommt seinem Ziel von der Kolonie auf dem Mars näher.

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Projekt Hyperloop: Der Luftkissenzug
Bescheiden ist der Zwei-Meter-Mann jedenfalls nicht, und Angst vor großen Ideen hat er ebenso wenig. Seine Ex-Frau Justine schrieb in ihrem Blog einst über ihn, er habe "riesige Eier aus Stahl". Ob es sein großes Selbstbewusstsein ist oder sein detailliertes Fachwissen, Musk wird umschwärmt von den Großen der Autobranche: Toyota-Chef Akio Toyoda verkaufte ihm die alte Fabrik des Konzerns in Kalifornien, die New United Motor Manufacturing, kurz Nummi, für den Spottpreis von 42 Millionen Dollar - der Wert der Produktionsanlagen wurde auf mehr als eine Milliarde Dollar geschätzt.

Trotzdem dauerte es länger, die Elektroautos zum Fahren, als die Raketen zum Fliegen zu bringen. Zwei Mal wäre Musk mit Tesla schon fast gescheitert: 2008 und 2009 hatte er bereits mehr Geld in die Firma gesteckt, als er geplant hatte. Weihnachten 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, schaffte er es noch einmal, Geld einzusammeln, ein Jahr später stieg Daimler mit rund 50 Millionen Dollar ein.

Jetzt geht das zweite Modell, der Tesla S in Serie, und viele fragen sich schon, wann Elon Musk seine Unternehmensanteile veräußert - so wie er seine Firmen immer auf dem Gipfel des Hypes verkauft hat. Vor Jahren hatte Musk gesagt, er habe Daimler "versprochen, die Produktion des Model S zu begleiten, bis 2013. Danach kommt es drauf an, wie es läuft".

Man könnte vermuten: Wenn es gut läuft, dann wird Musk sich doch dem Hyperloop widmen. Es wäre mal wieder ein ganz neuer Ansatz, irdische Verkehrsprobleme zu lösen.

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insgesamt 24 Beiträge
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1. In Deutschland...
eizboks 13.08.2013
...wäre der gute Mann wahrscheinlich schon an den Verwaltungsvorschriften der lokalen Gemeindeverwaltung gescheitert. Schade!
2. Respekt!
Achmuth_I 13.08.2013
Mehr habe ich nicht zu sagen!
3. Genialer Typ!
alfamo 13.08.2013
Jemand der keine angst davor hat, Visionen anzugehen und umzusetzen. An ihn sollten sich einige ein beispiel nehmen!
4. Denkmal
Dragonborn 13.08.2013
Diesem Menschen gehört ein Denkmal gesetzt, wenn er das durchsetzt. Ihre dämliche bullet train können sie sich in Kalifornien dann nämlich sparen. Hyperloop wird alle paar Kilometer von Tesla Model S ähnlichen Motoren angetrieben. Da der gute Mann auch 28% in Solar City besitzt, kann man das ganze auch mit Solarenergie betreiben. Laut Musk wird dabei soviel Überschuss produziert, das der Strom irgendwohin abgespeißt werden muss. Das kann dann zB in Elektroautotankstellen gehen, wenn Hyperloop tatsächlich entlang den High Ways laufen wird. Genial, dieser Typ.
5. Och Joh!
Dr.Fuzzi 13.08.2013
Zitat von eizboks...wäre der gute Mann wahrscheinlich schon an den Verwaltungsvorschriften der lokalen Gemeindeverwaltung gescheitert. Schade!
Genau aus diesen Gründen und dem Finanzierungsgehabe der hiesigen Banken ist seinerzeit n.a. der "Jugend forscht" Gewinner Andreas von Bechtolsheim in die USA ausgewandert und hat eben dort sein Computerunternehmen (SUN) mit anderen gegründet!
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