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Post-Mitarbeiter-Postille: Zumwinkels Märchenstunde

Peinlicher Patzer bei der Post: Ausgerechnet in der aktuellen Ausgabe der Mitarbeiterzeitung doziert der geschasste Post-Chef Zumwinkel über die Vorbildfunktion von Führungskräften. Diese müssten Werte vorleben, ihre Qualität erkenne man erst in der Krise.

Hamburg - Es ist das, was man Ironie des Schicksals nennt: Acht Mal im Jahr kommt die Mitarbeiterzeitung der Deutschen Post heraus, "Premium Post" genannt. Redaktionsschluss der aktuellen Ausgabe war am Dienstag, am Mittwoch dann wurden die rund 400.000 Exemplare bundesweit an Angestellte und ehemalige Mitarbeiter der Post verteilt.

Zumwinkel in der Post-Mitarbeiterzeitschrift: "Führungsstil ist der Schlüssel zum Erfolg"
Premium Post

Zumwinkel in der Post-Mitarbeiterzeitschrift: "Führungsstil ist der Schlüssel zum Erfolg"

Das war genau einen Tag zu früh. Denn die Redakteure konnten beim Erstellen der Mitarbeiter-Postille nicht ahnen, dass ihr Chef Klaus Zumwinkel am Donnerstagmorgen in einer großangelegten Razzia von Staatsanwälten und Steuerfahndern ins Visier genommen würde. Und das, obwohl er in eben jenem Blatt noch vollmundig getönt hatte: "Führungskräfte", so der bis dahin geschätzte Dax-Vorstand, "sind Vorbilder".

Unter genau dieser Überschrift berichtete das Blatt über ein Treffen der Post-Topmanager, das Mitte Januar in Berlin stattgefunden hatte. Zumwinkel referierte über die Herausforderungen im Jahr 2008 und erklärte seinen Führungskräften, was der "wahre Schlüssel zum Erfolg" sei: der Führungsstil. Das erkenne man vor allem in Krisenzeiten, eine Führungskraft sollte vier Herausforderungen meistern: Ergebnisse bringen, den Wechsel vorantreiben, Werte vorleben und Mitarbeiter fördern.

"Sie sind der Schlüssel zum Erfolg, Sie sind die Top-Führungskräfte, die Vorbilder", gab der kurz darauf geschasste Topmanager seinen Kollegen mit auf den Weg. Und legte weiter nach: "Sie haben den Einfluss, Sie können wirklich führen und einen höheren Wert für unseren Konzern schaffen." Genau das lesen also heute die Angestellten des Mannes, den der Aufsichtsrat des Konzerns heute offiziell entlassen hat.

Bei der Post selbst gibt man sich trocken: "Das Ding war einfach nicht mehr zu stoppen", sagte Unternehmenssprecherin Silje Skogstad. Dabei sei "akut klar gewesen", dass der Bericht angesichts der aktuellen Entwicklung komisch sei. Ende dieser Woche will man deshalb eine Sonderausgabe herausbringen. Dort soll ausführlich zu den aktuellen Ereignissen Stellung genommen werden - vielleicht etwas weniger vollmundig im Ton.

sam

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