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Postbank-Übernahme: Ackermann stabilisiert Deutsche Bank mit riesigem Post-Aktiendeal

Jetzt ist es beschlossen: Die Post wird vorübergehend größter Aktionär der Deutschen Bank. Josef Ackermann, durch neue Milliardenverluste schwergeplagt, profitiert enorm von dem Deal. Er kann die Übernahme der Postbank leichter schultern - und die Kapitaldecke seines Geldhauses schonen.

Frankfurt am Main/Bonn/Berlin - Die Deutsche Bank bekommt einen neuen Großaktionär: Die Post steigt mit acht Prozent bei dem größten Finanzkonzern der Bundesrepublik ein, teilten beide Unternehmen am Mittwoch mit. Damit wird der Logistikkonzern der stärkste Einzelaktionär.

Auch der Staat ist künftig indirekt an dem größten privaten Geldhaus der Republik beteiligt - denn der Bund hält über die Förderbank KfW rund 30 Prozent an der Post.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Stabilisierung in Krisenzeiten
REUTERS

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Stabilisierung in Krisenzeiten

Schon am Dienstagabend hatten mehrere Zeitungen über das bevorstehende Engagement der Post berichtet. Für die Deutsche Bank ist der Deal von Vorteil - gerade jetzt, da sie mit den Folgen der Finanzkrise kämpft. Der deutsche Branchenprimus erwartet nach einem Milliardenverlust im vierten Quartal für das Gesamtjahr ein Minus nach Steuern von rund 3,9 Milliarden Euro.

Bisher war das Institut vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Für das dritte Quartal hatten die Frankfurter noch einen Gewinn nach Steuern von 414 Millionen Euro gemeldet. Allerdings belastete die bevorstehende Übernahme der Postbank die Bilanz zusätzlich, denn der Preis ist vergleichsweise hoch, und die Deutsche Bank braucht in der Finanzkrise eine dicke Kapitaldecke. Indem der Kauf nun über Aktien abgewickelt wird, schont Ackermann seine Reserven - und bekommt durch das zeitweise Post-Engagement zusätzliche Stabilität (zur Analyse...).

Vorteile auch für die Deutsche Post

Im vergangenen Jahr hatte sich die Post mit der Deutschen Bank auf einen Teilverkauf ihrer Finanztochter geeinigt. Geplant war zunächst ein Teileinstieg der größten deutschen Bank zu Beginn dieses Jahres: Das Geldhaus wollte im ersten Quartal 2009 zunächst 29,75 Prozent der Postbank für 57,25 Euro je Aktie übernehmen - insgesamt rund 2,8 Milliarden Euro. Außerdem hatten die beiden Parteien mehrere Optionen für eine weitere Anteilsaufstockung der Deutschen Bank festgelegt. Allerdings hatte die Eskalation der Finanzkrise in den vergangenen Monaten die Übernahme erschwert.

Die Postbank erwartet mittlerweile hohe Verluste für 2008. Der Post war entsprechend daran gelegen, die Tochter bald aus ihren Büchern zu bekommen. Die Parteien hatten daher den Kaufprozess nachverhandelt. Der jetzt verkündete Einstieg der Post bei der Bank ist Teil des neuen Abkommens.

Deutsche Bank wird um eine Milliarde entlastet

Der Vertrag wird nun in drei Teilen umgesetzt. In einem ersten Schritt übernehmen die Deutsch-Banker 22,9 Prozent der Postbank-Anteile. Im Gegenzug erhält die Post acht Prozent an der Bank. Über die eine Hälfte dieser Aktien kann die Post ab Ende April frei verfügen. Die andere Hälfte dieser Aktien ist ab Mitte Juni veräußerbar.

Die Vereinbarung sieht weiter vor, dass die Deutsche Bank zusätzliche 27,4 Prozent der Postbank über eine Pflichtumtauschanleihe erhält. Für die restlichen 12,1 Prozent bestehe weiterhin eine Kaufoption. Der Barwert der Transaktion entspreche 4,9 Milliarden Euro.

Durch den Einstieg der Post kann die Deutsche Bank die Postbank nach eigenen Angaben kapitalschonender übernehmen. Demnach reduziert sich die Belastung von ursprünglich 2,2 Milliarden Euro auf eine Milliarde Euro. Im Gegenzug erhält die Post die Erlöse aus dem Deal drei Jahre früher als bislang geplant. Das Geschäft soll nun am 27. Februar abgeschlossen sein.

Post will schnell wieder aussteigen

Post-Chef Frank Appel verteidigte den Einstieg seines Unternehmens bei der Bank. Von einer "Teilverstaatlichung" könne dabei keine Rede sein. "Wir beabsichtigen nicht, längerfristig Teilaktionär der Deutschen Bank zu bleiben", erklärte Appel. Auch habe es bei den Nachverhandlungen "keinerlei politische Einflussnahme" gegeben.

Post-Finanzchef John Allan machte klar, dass es dem Logistiker vor allem darum ging, sich möglichst schnell von der Postbank zu trennen. Die neue Struktur erlaubt es uns, schneller und mit weniger Risiko aus dem Bankgeschäft auszusteigen. So können wir mehr Ressourcen freisetzen, um uns auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren. Gleichzeitig schafft die neue Struktur die Basis für eine klare Eigentümerstruktur bei der Postbank."

Die Post kämpft derzeit selbst mit Problemen im Kerngeschäft. Vor allem in Nordamerika schreibt der Konzern weiter rote Zahlen. Appel hat der US-Sparte deswegen ein Sparprogramm verordnet.

suc/dpa/AP/dpa-AFX

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