PR-Vertrag: ZDF-Moderatorin machte Schleichwerbung für Weight Watchers

Von Markus Brauck

Die ZDF-Fernsehmoderatorin Andrea Kiewel plaudert gern über ihre Erfolge beim Abnehmen. Bei Johannes B. Kerner verriet sie auch, mit wessen Hilfe sie ihre Pfunde verloren haben will – Weight Watchers. Der Hintergrund: Kiewel hatte mit der Firma einen PR-Vertrag mit pikanter Klausel.

Hamburg - Dieser Vertrag hat es in sich: Nach Informationen des SPIEGEL hat die "Fernsehgarten"-Moderatorin Andrea Kiewel im November 2006 eine "Vereinbarung über eine PR-Kooperation" mit Weight Watchers Deutschland abgeschlossen. 35.000 Euro Honorar war es der Firma wert, dass Kiewel an den Abnehmgruppen teilnimmt und bis Ende Februar 2007 "für alle PR-Zwecke zur Verfügung" steht. "Im Rahmen des Tests soll Andrea Kiewel je Woche wenigstens 500 bis 800 Gramm abnehmen", schreibt der Vertrag vor. Doch derlei Engagement war beiden Seiten offenbar nicht genug.

ZDF-Moderatorin Kiewel: bezahlte Botschafterin für Weight Watchers
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ZDF-Moderatorin Kiewel: bezahlte Botschafterin für Weight Watchers

Anrüchig wird es im Vertrag, der dem SPIEGEL vorliegt, unter Punkt 6. "Gelingt es Andrea Kiewel, das Thema 'Power Start' und ihre Abnahme mit dem Weight-Watchers-Konzept ausführlich in einem besonders erwünschten Format zu plazieren, wird ein Sonderhonorar vereinbart." Als Beispiele für solche erwünschten Formate werden später "Wetten dass ...?", "Beckmann" und "Kerner" genannt. "Über die Höhe der Sonderzahlungen wird separat verhandelt", heißt es weiter. Eindeutig eine Abmachung zur Schleichwerbung, die Kiewels Arbeitgeber, das ZDF, nicht tolerieren kann. Auch deshalb, weil Kiewel ausgerechnet eine ZDF-Sendung nutzte, um die vereinbarte Schleichwerbung zu plazieren.

Konkret geht es um die Sendung des ZDF-Kollegen Johannes B. Kerner, die Kiewel am 23. Januar besuchte. Es wurde ein peinlicher Auftritt. Kiewel pries derart häufig den Namen "Weight Watchers", dass es Kerner offensichtlich zu viel wurde. Man könne denken, sie werde für diese Aussagen bezahlt, deutete er an. Kiewel stritt das ab.

Damals hielten es die ZDF-Oberen nur für einen Fauxpas. "Weder die Verantwortlichen in der ZDF-Redaktion Show noch die Hamburger Redaktion von 'Johannes B. Kerner' wussten von diesem vertraglichen PR-Engagement von Andrea Kiewel bei den Weight Watchers", sagt ZDF-Sprecher Alexander Stock.

Beim ZDF ist man entsetzt

Andrea Kiewel lässt über ihr Management mitteilen, dass es zwar diese PR-Vereinbarung gegeben habe, dass aber für den Auftritt in der Kerner-Sendung ein gesondertes Honorar weder verhandelt noch gezahlt worden sei. Die Schleichwerbung fand statt, Extrageld floss aber nicht - so die Verteidigungslinie.

"Frau Kiewel ist überzeugte und normal zahlende Kundin von Weight Watchers. Aus diesem Verhältnis hat sich eine PR-Zusammenarbeit ergeben. Dass es nun nur noch schwer möglich war, 'private Überzeugung' und 'bezahlte PR-Leistung' konsequent voneinander zu trennen, bedauern wir zutiefst und aus diesem Grund gab es auch keine Verlängerung der Zusammenarbeit mit Weight Watchers", erklärt Kiewels Management. Man habe "nach diesem Fehler" das Gespräch mit dem ZDF gesucht. Als Konsequenz seien solche Fälle für die Zukunft grundsätzlich ausgeschlossen.

Beim ZDF sieht man das strenger. Nach der "Kerner"-Sendung vom 23. Januar habe Frau Kiewel, die neben dem "Fernsehgarten" auch die Talk-Runde "Riverboat" im MDR moderiert, die Programmdirektion zwar über einen bestehenden PR-Vertrag informiert, jedoch nicht über die Schleichwerbeklausel. "Programmdirektor Thomas Bellut hat Frau Kiewel aufgefordert, die jetzt bekannt gewordenen Details der früheren Vereinbarung mit Weight Watchers offenzulegen." Bellut ist bekannt dafür, dass er in Sachen Schleichwerbung keinen Spaß versteht.

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