Prämien-Programme Vieltanker im Bonus-Stress

Der Rabatt-Boom an Tankstellen geht weiter, nach Esso, Aral oder BP bietet nun auch Shell Prämien gegen Sprit. Dem Verbraucher bringen die Sammel-Systeme statt wirklicher Vorteile oft unnötigen Ärger.


Shell-Tankstelle mit Werbung für das neue Prämienprogramm: "Irrationales Kaufverhalten" befördert

Shell-Tankstelle mit Werbung für das neue Prämienprogramm: "Irrationales Kaufverhalten" befördert

Düsseldorf - Die schöne grüne Reisetasche wollte Nils Schroth eigentlich im nächsten Urlaub benutzen. Um die hübsche Prämie rechtzeitig zu bekommen, sammelte er fleißig Bonuspunkte. "Ich habe nur noch bei Esso getankt. Als ich dann die Punkte einlösen wollte, gab es keine Taschen mehr", erzählt er. "Nachschub-Probleme", sagte der Tankstellen-Pächter, rund vier Monate müsse Schroth warten. Seine Ferien sind bis dahin längst vorbei.

Probleme wie diese sind Verbraucherschützern nicht neu. Die Zahl der Beschwerden steigt, denn eine Tankstellen-Kette nach der anderen führt Bonuskarten und befristete Punkte-Sammel-Aktionen ein. Längst lockt nicht nur Esso treue Kunden mit Uhren, Schirmen oder Digitalkameras. Bei BP und Aral etwa gibt es Bälle aller Art als Bonus, seit dem Beginn der jüngsten Aktion im März wurden schon über 1,5 Millionen Prämien ausgegeben. Ganz neu auf dem Bonus-Markt ist Shell: "Clubsmart" heißt das Bonusprogramm, das eine Kundenkarte und insgesamt 120 verschiedene Prämien bietet, vom Big Mac bis zum Wellness-Wochenende.

Punkte gibt es nicht überall

Prämien-Jäger brauchen nicht nur Geduld, sondern Finesse und Vorsicht. So beteiligt sich längst nicht jede Tankstelle an den Rabatt-Aktionen der Mutterkonzerne - den Filial-Betriebern bei Esso, BP oder Shell ist die Teilnahme freigestellt. Wer extra wegen der Boni eine bestimmte Filiale ansteuert und in Super oder Normal investiert, kann also nicht immer davon ausgehen, damit sein Punktekonto zu füllen. "Für die Kunden ist das total verwirrend", klagt Uwe Döhler von der Stiftung Warentest. Punkte-Sammler sollten deshalb vor dem Tanken kontrollieren, ob die ausgewählte Filiale mit Plakaten des aktuellen Bonus-Programms gekennzeichnet ist.

Aus Sicht des Bonus-Experten stehen Sammelaufwand und Prämienwert sowieso in keinem vernünftigen Verhältnis. "Ich kenne kein Programm, das sich wirklich lohnt", erklärt Döhler. Seine Beispielrechnung: Für einen Basketball bei Aral braucht man 30 Bonuspunkte; pro zehn Liter Kraftstoff gibt es einen Punkt. Man muss also mindestens 300 Liter tanken, um die Prämie zu bekommen. Döhler: "Wenn man guckt, was solche Bälle in den Geschäften kosten, dann liegt der Rabatt oftmals gerade bei einem Prozent."

Mit eBay schneller zur Prämie

Und auch dieser kleine Rabatt wird dem Autofahrer nicht wirklich geschenkt. "Die Bonusprogramme erhöhen den Benzinpreis", kritisiert Maximilian Maurer vom ADAC. "PR-Gags" wie die Sammel-Aktionen erzeugten nun mal Kosten, und die müsse ja schließlich auch jemand bezahlen. Viele Tankstellen-Punkter scheint das nicht zu stören. Sie sind längst einem "irrationalen Kaufverhalten" erlegen, nehmen wegen des Bonus Umwege in Kauf und lassen billigere Tankstellen links liegen.

Immer öfter wählen gestresste Bonus-Sammler allerdings einen ganz anderen Umweg: Bei eBay gibt es allein über 60 Anbieter, die ihre "Swops"-Punkte von Esso verkaufen; auch Aral-Punkte können ersteigert werden. Wer also partout eine Prämie möchte, holt sich die Punkte im Internet - das geht schneller.



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