Preis-Spirale Lebenshaltungskosten steigen rasant

Milch, Brötchen, Butter: Deutsche Haushalte mussten zu Jahresbeginn deutlich mehr für Lebensmittel zahlen als noch vor zwei Jahren. Die Verbraucherpreise in der Euro-Zone stiegen im Vergleich zum Vormonat um 3,2 Prozent. Die Inflationsrate bleibt weiter auf Rekordniveau.


Frankfurt am Main/Brüssel - Die hohen Kosten für Öl und Gas treiben die Preise für Lebensmitteel in die Höhe: Laut Europäischem Statistikamt hat sich in Deutschland die Lebenshaltung nach vorläufigen Daten im Februar um 2,8 Prozent verteuert, in Europa sogar um 3,2 Prozent. Dies ist die höchste Jahresrate seit Einführung des Euro und gleichzeitig die höchste Rate für den Durchschnitt der 15 Länder der Eurozone seit 14 Jahren. Außerdem liegt die Inflation mehr als deutlich über der Marke von zwei Prozent, womit die Preisstabilitätsnorm der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht erfüllt ist.

Milchpackungen: Ähnliche Teuerung wie zu Zeiten der Euro-Einführung
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Milchpackungen: Ähnliche Teuerung wie zu Zeiten der Euro-Einführung

In Deutschland musste ein Durchschnittshaushalt zu Jahresbeginn deutlich mehr für Lebensmittel zahlen als noch vor zwei Jahren: Auf ein monatliches Plus von 24,50 Euro bezifferte heute der Präsident des Statistischen Bundesamts, Walter Radermacher, die zusätzliche Belastung für einen Durchschnittshaushalt mit einem Konsumbudget von 2000 Euro. Davon müssen 226,50 Euro für Lebensmittel gezahlt werden. Gegenüber 2005 sei das ein Plus von 12,1 Prozent.

Eine Teuerungswelle gab es vor allem bei alltäglichen Lebensmitteln wie Milch: Hier mussten Verbraucher zu Beginn des Jahres monatlich 1,60 Euro oder 29,3 Prozent mehr auf den Ladentisch legen als 2005. Bei Butter war es ein monatliches Plus von 80 Cent, bei Brötchen waren es 90 Cent. Radermacher erklärte die Teuerung damit, dass auch die Discounter mittlerweile ihre Preise erhöht hätten. "Das betrifft einen Haushalt mit geringerem Budget tendenziell natürlich stärker", sagte der Behördenchef.

Zugleich habe es auch im Energiebereich einen kräftigen Schub nach oben gegeben. Die Preislandschaft zum Jahreswechsel erinnert nach Einschätzung des Bundesamts an die Zeit vor der Euro-Bargeldeinführung. Damals wie heute sei neben einem Energiepreisschub ein Anstieg bei den Nahrungsmittelpreisen zu beobachten gewesen.

Für die monatliche Berechnung des Verbraucherpreisindex legt das Bundesamt einen statistischen Warenkorb mit knapp 700 Gütern zugrunde, der sich aus zwölf unterschiedlich gewichteten Teilen zusammensetzt. Diese Gewichtung wird im Fünf-Jahres-Rhythmus überprüft und entsprechend angepasst.

Radermacher räumte ein, dass die "gefühlte Inflation" gerade zuletzt deutlich über der amtlichen Statistik gelegen habe. Allein für die zweite Jahreshälfte 2007 war nach Angaben der Statistiker ein Anstieg der gefühlten Teuerung zu beobachten, der an das Ausmaß nach der Euro-Bargeldeinführung heranreicht. Der Behördenchef verwies aber auf die Komplexität und den Anspruch der Verbraucherpreisstatistik, ein umfassendes, objektives und repräsentatives Bild zeichnen zu wollen. Da es den durchschnittlichen Konsumenten aber nur in der Theorie gebe, habe das Bundesamt auf seiner Internetseite einen "persönlichen Inflationsrechner" installiert, bei dem man selbst die Gewichtung der einzelnen Güter verändern und so die persönliche Teuerung berechnen lassen kann.

sil/dpa/Reuters



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