Preiserhöhung Politik wirft Milch-Industrie Abzocke vor

Der Quark wird 40 Prozent teurer, bei Butter können die Steigerungen sogar noch kräftiger sein: Die angekündigten drastischen Preiserhöhungen für Milchprodukte sorgen für Ärger bei Verbrauchern und Politikern. SPD und Grüne werfen Händlern und Milchverarbeitern Manipulation vor.


Hamburg – Die Vorsitzende des Bundestagsagrarausschusses, Ulrike Höfken von den Grünen, sagte dem InfoRadio des RBB, die Bauern bräuchten zwar einen vernünftigen und fairen Preis von etwa 40 Cent, also mehr als heute. "Aber eine Abzocke der Verbraucher sollten sich diese nicht gefallen lassen", kritsierte Höfken die Milch-Verarbeiter.

Milch trinkendes Kind: Wie viel Preissteigerung ist gerecht?
DPA

Milch trinkendes Kind: Wie viel Preissteigerung ist gerecht?

"Die nehmen auch was mit", sagte sie. "Und der Handel, der setzt da noch eins drauf nach dem Motto: wenn es denn schon etwas mehr sein muss, dann nehmen wir doch noch mal auch ein großes Stück vom Kuchen. Das geht so nicht."

Auch SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber kritisierte die Erhöhungen: "Wenn etwa Butter um rund die Hälfte teurer werden soll, wird massiv übertrieben", sagte er den "Ruhr Nachrichten". Der "Rohstoff selbst, die Milch, die sich verteuert, macht weniger als die Hälfte, meist weniger als ein Drittel des Endpreises aus", fügte er hinzu. Preiserhöhungen bis zu 50 Prozent seien daher nicht mit der Erhöhung des Milchpreises zu rechtfertigen.

Die Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft (ZMP) hatte am Wochenende angekündigt, in dieser Woche würden die Preise für Milchprodukte um bis zu 50 Prozent steigen. Dies ist laut ZMP ein bisher einmaliger Preisruck in Deutschland. Laut Milchindustrie-Verband (MVI) kostet das Päckchen Butter dann 1,19 Euro statt bisher 79 Cent. Der Quark wird 40 Prozent teurer, der Liter Milch habe sich bereits um fünf bis zehn Cent verteuert.

Der Ghana-Faktor und die Kakao-Preise

Laut Wirtschaftsforschern müssen die Deutschen sich an höhere Preise für Lebensmittel gewöhnen. Waren früher vorübergehende Faktoren wie Missernten oder Tierseuchen für Preisschübe verantwortlich, so ist es heute die Nachfrage aufstrebender Länder wie China und Indien - Veränderungen, die bleiben werden.

Auch die Schokoladenpreise werden voraussichtlich weiter steigen. Grund sind laut Herstellern die teurer gewordenen Zutaten: "Der entscheidende Rohstoff für Schokolade ist teurer geworden", unterstrich Roger Wegner, Geschäftsführer des Vereins der am Rohkakaohandel beteiligten Firmen.

Lag die Kakaoernte im vergangenen Jahr noch auf Rekordniveau, rechne man bei der laufenden Ernte nur noch mit 3,4 Millionen Tonnen, was einem weltweiten Rückgang um mehr als sieben Prozent entspräche. Vor allem Elfenbeinküste und Ghana, die zwei Drittel des Kakaos für Deutschland liefern, verzeichneten Produktionsschwierigkeiten. Um die Kakao-Nachfrage dennoch zu decken, werde auf Lagerbestände zurückgegriffen.

itz/dpa/Reuters/dpa-AFX



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