Preisschub Dürre, Fluten, Chinas Durst - wieso Milch so teuer wird

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2. Teil: Vom Preisaufschlag im Handel bleibt dem Bauern wenig übrig


Die niederländische Rabobank, einer der weltweit größten Kreditgeber für landwirtschaftliche Produkte, hat ausgerechnet, dass der Milchkonsum seit dem Jahr 2000 um jährlich 13 Milliarden Liter zugenommen hat. Das entspricht ziemlich genau der Jahresproduktion Neuseelands. Schon deshalb schoss im vergangenen halben Jahr der Milchpreis weltweit nach oben. Manchen Produzenten kommt das zugute: So hat Fonterra ihre Milchpreise für die Bauern um 27 Prozent angehoben.

Glas Milch: Schon Anfang Juni teurer geworden
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Glas Milch: Schon Anfang Juni teurer geworden

Davon träumen die Milchbauern in Deutschland. Denn sie bekommen von der jetzt angekündigten Preiserhöhung nicht besonders viel ab. "Bisher haben wir rund 27 Cent pro Liter als Grundpreis bekommen, jetzt sind es 30 Cent", sagt Egon Rattei, Milchbauer aus dem östlichen Brandenburg. Das zeige, dass beim Landwirt am wenigsten ankomme - und das, obwohl gleichzeitig die Kosten für Futtermittel und Energie deutlich nach oben gehen. "Das macht einen schon wütend, wenn man sieht, was alles im Handel und der verarbeitenden Branche bleibt", so Rattei.

"Der Preissprung im Einzelhandel und der Preissprung bei den Bauern muss nicht übereinstimmen", sagt auch Nopper, die als Landwirtin und Aufsichtsratsmitglied beide Seiten kennt. Bei der Breisgaumilch gehe tatsächlich ein Großteil der Mehrerlöse an die Bauern - allerdings sei die Molkerei eine Genossenschaft - und damit nicht repräsentativ. Tatsächlich seien aber auch die Kosten gerade für Energie deutlich in die Höhe geschossen - allein bei Breisgaumilch um rund 40 Prozent. Durch den hohen Öl- und Aluminiumpreis würden außerdem die Plastikbecher und die Aludeckel etwa für Joghurt teurer.

Dazu kommt: Jahrelang sind die Preise für Lebensmittel in Deutschland gesunken - auch weil sie von der EU hoch subventioniert waren. Doch inzwischen sind die riesigen Butterberge und Milchpulverhalden leergefegt, die sich in Europa, aber auch den USA gebildet hatten. Was jahrelang als staatliche Miss- und Subventionswirtschaft gegeißelt worden war, ist inzwischen nur noch Geschichte. Erst im April verkaufte die EU ihre letzten 6000 Tonnen Butter - vor 20 Jahren lagerten hier noch 1,4 Millionen Tonnen.

"Man hat sich in Deutschland an billige Lebensmittel gewöhnt - egal, ob es dem realen Erzeugerpreis entspricht oder nicht", sagt auch Milchproduzentin Nopper. "Dabei gibt es bei anderen Produkten wie Coca-Cola Chart zeigen überhaupt keine Diskussion." Langfristig müsse man sich auf höhere Preise einstellen.

Tröstlich für den jetzt empörten Verbraucher ist vielleicht, dass der Einkommensanteil, den er für Lebensmittel ausgibt, laut Statistischem Bundesamt nur bei rund neun Prozent liegt. Von dem Geld werden an erster Stelle Fleisch und Wurst (22,7 Prozent) und an zweiter Stelle Brot und Getreidewaren (17,2 Prozent) gekauft.

Erst an dritter Stelle liegen mit rund 14 Prozent die Milch- und Molkereiprodukte. Preissteigerungen sind für den Durchschnittsverbraucher durchaus verkraftbar - auch wenn sie auf den ersten Blick enorm erscheinen.



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