Preisschub im Großhandel Deutschen Verbrauchern droht Teuerungswelle

Schlechtes Vorzeichen für Deutschlands Konsumenten: Im Großhandel hat es im März einen Preissprung von 7,1 Prozent gegeben – der höchste Wert seit einen Vierteljahrhundert. Klar ist: Die höheren Kosten werden zumindest teilweise an die Verbrauchern durchgereicht.


Wiesbaden/Berlin - Solche Werte hat es seit 1982 nicht gegeben: Die Preissteigerung im Großhandel im März ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts die höchste seit 26 Jahren. Die Großhandelspreise für Getreide, Saaten, Futtermittel stiegen sogar um 52,0 Prozent im Vergleich zum März 2007.

Mähdrescher-Einsatz: Getreide verteuerte sich um 52,0 Prozent
AP

Mähdrescher-Einsatz: Getreide verteuerte sich um 52,0 Prozent

Experten wiesen zwar darauf hin, dass die Preissteigerungen im Großhandel nicht in gleicher Höhe an die Kunden weitergegeben werden. Auch der Bundesverband des Groß- und Außenhandels in Berlin teilte mit, die Teuerungsrate im Großhandel bedeute "nicht, dass Brot oder Bier entsprechend teurer werden".

Denn der Verbraucherpreis hänge zum einen auch von Posten wie Lohn, Energie und Verpackung ab. Zum anderen gebe es einen sehr starken Wettbewerb, ein weltweites Angebot und funktionierende Märkte. Deshalb teilten sich Produzent, Handel und Verbraucher letztendlich die Mehrkosten.

Der Großhandelspreisindex könne aber durchaus als Frühindikator für die Verbraucherpreise angesehen werden, erklärte das Statistische Bundesamt. Er zeige die Preisentwicklung in vorgelagerten Bereichen an, die sich erst später für die Konsumenten niederschlage. Auch aus Wiesbaden hieß es aber, die Teuerung werde nicht eins zu eins an den Kunden weitergegeben. "So unmittelbar ist der Zusammenhang nicht feststellbar", sagte ein Sprecher.

Dritter Preissprung in diesem Jahr

Der Teuerungsrate von 7,1 Prozent im März waren Preissprünge von 6,0 Prozent im Februar und von 6,6 Prozent im Januar vorausgegangen.

Nicht nur im Jahresvergleich, auch im Vergleich zum Februar 2008 legten die Großhandelspreise zu. Der Index kletterte im März um 1,6 Prozent. Eine Vormonatsveränderung in ähnlicher Höhe gab es den Statistikern zufolge zuletzt im September 2005 (plus 1,7 Prozent).

"Lager sind ganz oder fast leer"

Der Sprecher des Groß- und Außenhandelsverbands wies darauf hin, dass die Nahrungsmittel nur rund zehn Prozent am Warenkorb der Verbraucher ausmachen. Dies relativiere die Auswirkungen der Preissprünge im Großhandel auf den Verbraucher. Die Lebensmittelpreise seien lange gesunken, und der Kunde habe sich daran gewöhnt. Inzwischen zögen die Preise aber wegen der weltweit steigenden Nachfrage nach Nahrungsmittel wieder an.

Ganze Länder veränderten ihre Nahrungsgewohnheiten und fragten inzwischen Milch und Fleisch nach, erklärte der BGA-Sprecher. Durch Missernten habe sich das Angebot verknappt. "Die Lager sind inzwischen leer oder fast leer." Auch konkurrierten nachwachsende Rohstoffe für Biosprit auf den Feldern mit Nahrungsmitteln.

itz/AP



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