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Preisstabilität: Inflation in Deutschland sinkt auf null

Das hat es seit 22 Jahren nicht mehr gegeben: Die Inflationsrate in Deutschland ist auf 0,0 Prozent gesunken - vor allem weil die Energiepreise niedriger sind als 2008.

Berlin - Stabile Preise in Deutschland: Die Jahresteuerungsrate in Deutschland hat im Mai nach ersten Berechnungen erstmals seit mehr als 20 Jahren den Wert von 0,0 Prozent erreicht. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch aufgrund vorläufiger Daten aus sechs Bundesländern mit. Im Vergleich zum Vormonat April 2009 ergab sich ein Rückgang um 0,1 Prozent. Ein gegenüber dem Vorjahr unverändertes Preisniveau wurde in der Bundesrepublik seit der Wiedervereinigung noch nie erreicht.

Experten gehen davon aus, dass die Verbraucherpreise in den nächsten Monaten sogar in den negativen Bereich sinken und im Juli ihren Tiefststand erreichen. Ab August dürfte die Inflationsrate wieder anziehen.

Im Zuge der sinkenden Ölpreise bewegt sich die Inflation in Deutschland seit Monaten auf historisch niedrigem Niveau. Im Sommer 2008 erreichte die Jahresteuerung noch ein 15-Jahres-Hoch von 3,3 Prozent - gleichzeitig notierte der Ölpreis auf seinem Rekordhoch von knapp 150 Dollar. Doch seitdem haben sich Benzin und Diesel deutlich verbilligt, der Preisdruck ließ stetig nach und lag im April bei 0,7 Prozent.

In mehreren Bundesländern konnten sich die Bürger darüber freuen, dass Heizöl bis zu 44 Prozent günstiger war als vor einem Jahr. Auch Tanken war bis zu rund 18 Prozent billiger, kostete aber im Vergleich zum April in einigen Ländern bis zu vier Prozent mehr. Der ADAC kritisierte, dass die Preise eine Woche vor Pfingsten wieder angehoben würden. Wie sehr Energie die Preisentwicklung derzeit prägt, zeigt sich daran, dass die Inflationsrate in mehreren Bundesländern deutlich über einem Prozent liegt, wenn man Heizöl und Kraftstoffe herausrechnet. Von einer allgemein deflationären Tendenz könne deshalb keine Rede sein, teilte das Hessische Statistische Landesamt mit.

"Ich gehe davon, dass wir bei der Jahresteuerung mit einer Null rauskommen", sagte Analyst Alexander Koch von Unicredit. "Bis Juli erwarten wir den Tiefststand, dann geht es auch kräftig ins Minus", betonte auch Simon Junker von der Commerzbank. Die Experten rechnen damit, dass die Inflationsrate ab August wieder zulegen wird.

Trotz einer Erholung bei den Rohstoffpreisen dürfte die Inflation insgesamt aber moderat bleiben, sagte Koch. "Die Unternehmen werden in der Krise kaum noch Chancen haben, ihre Preise zu erhöhen."

kaz/Reuters/AP

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