Preissteigerungen bei Aldi und Co. Lebensmittel werden drastisch teurer

Der Discounter prescht vor, der Rest zieht nach: Aldi hat in dieser Woche bei etwa 50 Produkten die Preise erhöht - und setzt damit ein Signal für die gesamte Branche. Schon kündigen die ersten Lebensmittelketten an, es dem Billiganbieter gleich zu tun.


Frankfurt am Main - Auch Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe plant in den kommenden Wochen Preiserhöhungen bei billigeren Artikeln. "Die gesamte Branche ist von deutlich gestiegenen Rohstoffpreisen betroffen", sagte ein Rewe-Sprecher heute. "Wir müssen - wie andere Unternehmen auch - darauf reagieren."

Discounter-Kundin: Insgesamt sollen 380 Produkte teurer werden
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Discounter-Kundin: Insgesamt sollen 380 Produkte teurer werden

Beim zum Tengelmann-Konzern gehörenden Discounter Plus stehen nach Informationen aus der Unternehmenszentrale "zum ersten Mal seit Jahren" wieder Preiserhöhungen bevor. Hintergrund seien höhere Kosten bei Rohstoffen und bei der Produktion. Einzelheiten zum Zeitpunkt und zu den betroffenen Produkten wollte das Unternehmen nicht nennen.

Die "Lebensmittel-Zeitung" (LZ)hatte berichtet, dass Aldi mit der Verteuerung von etwa 50 Artikeln in dieser Woche ein Signal für den gesamten Markt gegeben habe. Nach Informationen der Zeitung rechnet man in Industriekreisen damit, dass bis zu 380 Produkte bei Aldi teurer werden. Der Discounter setze damit Maßstäbe für den gesamten Lebensmitteleinzelhandel. Die Konkurrenten von Aldi würden voraussichtlich innerhalb weniger Tage dem Marktführer folgen.

Betroffen sind nach Angaben der Zeitung unter anderem Joghurt, Käse, Quark, zahlreiche Backwaren, Wurst und Tiefkühlprodukte wie zum Beispiel Eiscreme. Von Aldi selbst war bislang keine Stellungnahme zu erhalten. Allerdings hatte der Discounter bereits am vergangenen Samstag in ganzseitigen Zeitungsanzeigen Preiserhöhungen angekündigt.

Ernteausfälle und gestiegene Energiepreise

Darin begründete der Discounter die Verteuerung mit Ernteausfällen bei Getreide und Obst, Nachfragesteigerungen auf dem Milchmarkt sowie stark gestiegenen Energiepreisen, die zu erheblichen Verteuerungen bei den Lieferanten geführt hätten. Aldi verdiene nicht an den Mehrkosten und werde die Preiserhöhungen wieder zurücknehmen, sobald es die Beschaffungspreise zuließen, versprach das Unternehmen. "Das macht man nicht, wenn es nur um wenige Artikel geht", schreibt die LZ unter Berufung auf einen Handelsfachmann.

Der größte deutsche Lebensmittel-Händler Edeka wies darauf hin, dass es sich bislang lediglich um Preisforderungen der Industrie handele. Was davon umgesetzt werde und schließlich beim Endverbraucher ankomme, hänge vom Verhandlungsverlauf zwischen Industrie und Handel ab. Die jährlichen Preisgespräche stünden noch bevor. Viele Anbieter würden auch im Windschatten der Molkereibranche segeln und wollten höhere Preise durchsetzen, obwohl ihre Kosten nicht so stark gestiegen seien. Die Milchprodukte hatten sich in den vergangenen Wochen massiv verteuert.

sam/dpa-AFX/AP



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