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Private Verwaltung: Wie Würzburgs Bürger König werden soll

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Kapitalismus in Ämtern und Behörden: Der Bertelsmann-Konzern krempelt die Verwaltung der Stadt Würzburg radikal um. In Zukunft gelten hier die Gesetze der Privatwirtschaft, aus Bürgern sollen Kunden werden.

Würzburg – Noch ist Würzburg eine ganz normale Stadt. Wie überall in Deutschland gibt es hier ein Amt für das Einwohner- und Meldewesen, eines für die Zulassung von Kraftfahrzeugen, eines für Bewohnerparkausweise und eines für die Hundesteuer. Außerdem gibt es dann noch das Fundbüro, die Abteilung für Führungszeugnisse und das Amt für Gewerbeangelegenheiten. Eben der ganz normale Bürokartieirrsinn einer ganz normalen Stadt.

Arvato-Logo in der Würzburger Innenstadt: Der Bürger soll König werden
DPA

Arvato-Logo in der Würzburger Innenstadt: Der Bürger soll König werden

Doch im nächsten Jahr soll sich das ändern. Würzburg ist eine Partnerschaft mit dem Unternehmen Arvato eingegangen, einer Tochter des Bertelsmann-Konzerns. Ziel der Vereinbarung: der radikale Umbau der Verwaltung nach den Gesetzen der Privatwirtschaft. Die Arbeitsabläufe werden gestrafft, statt Akten gibt es moderne Computer – und der Bürger wird zum Kunden. "Das Projekt ist einzigartig in Deutschland", schwärmt Oberbürgermeisterin Pia Beckmann.

Erfahrung mit öffentlicher Verwaltung bringt Arvato reichlich mit. Im Bezirk East Riding im englischen Yorkshire hat das Unternehmen fast sämtliche kommunale Aufgaben übernommen. Arvato betreibt dort die Bürgerbüros, kassiert die Steuern und zahlt das Wohngeld an Bedürftige. Das Prinzip heißt Public Private Partnership (PPP): Öffentliche Institutionen gehen Bündnisse mit privaten Firmen ein, die dann dem Staat einen Teil seiner Arbeit abnehmen.

In East Riding ist Arvato für 325.000 Einwohner zuständig. Doch von Anfang an war klar, dass das Projekt nur Pilotcharakter haben sollte. Denn dem Mutterkonzern Bertelsmann schwebt Größeres vor. Im Visier habe man "Zentraleuropa und vor allem Deutschland".

Den Anfang macht hierzulande Würzburg. Unter dem Motto "schneller, besser, effizienter" will Arvato die Geschäfte der Stadt umkrempeln. CSU-Bürgermeisterin Beckmann hat schon einmal den Wortschatz der privaten Wirtschaft übernommen: "Kundenorientierung", "attraktives Arbeitsumfeld" und "Standortwettbewerb" gehören zu ihren Lieblingsvokabeln.

Bisher müssen die Würzburger für Behördengänge weite Wege einplanen. Wie in jeder deutschen Stadt gibt es für fast jedes Anliegen ein eigenes Amt. "Wer etwas von uns will, muss durchs ganze Rathaus wandern", erzählt die Bürgermeisterin. Auf Anraten von Arvato wird das nun anders.

Je nach Lebenslage hat man in Zukunft nur noch mit einem Ansprechpartner zu tun – für Familien, Studenten oder Unternehmer. Wer zum Beispiel umzieht, muss das nur noch einer einzigen Stelle mitteilen. Die kümmert sich dann um das Kfz-Kennzeichen, den Personalausweis und die neue Mülltonne. Im Behördendeutsch heißt das "fallorientierte Leistungserbringung" statt der bisherigen "funktionsorientierten". Frei nach dem Motto: Der Bürger ist König.

Ein ganzer Flügel des Rathauses wird derzeit für das neue Bürgerbüro umgebaut, ab 2008 soll der Betrieb beginnen. "Der Bürger hat dann nur noch einen Weg", verspricht die Bürgermeisterin. Auf Personalversammlungen warb sie für das Vorhaben: "Die Mitarbeiter sollen Spaß am Umgang mit Kunden haben."

Die Idee zu dem Projekt hatte die Bürgermeisterin selbst. "Es war immer mein Ziel, die Verwaltung effizienter und bürgerfreundlicher zu machen." Nur mit der Umsetzung war die Stadt überfordert. "Das können wir nicht alleine stemmen. Schon rein technisch nicht." Deshalb schrieb Beckmann das Projekt aus. Mehrere Firmen bewarben sich, das Rennen machte schließlich Arvato. "Die Stadt definiert das Ziel", sagt Christoph Baron, der verantwortliche Manager des Unternehmens. "Und wir beschreiben den Weg dorthin."

Minutiös haben beide Seiten geregelt, wer bei der Kooperation was tun darf. Im Vertragswerk gibt es ein eigenes Kapitel für den Fall, dass sich Stadt und Unternehmen einmal nicht einig werden. "Das letzte Wort hat weder Arvato noch die Stadt", erklärt Kommunalreferent Wolfgang Kleiner. "Im Streitfall muss ein neutraler Schiedsrichter entscheiden."

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