Privatisierungspläne Gutachten empfiehlt radikalen Sparkurs für die Bahn

Höchste Geheimhaltungsstufe für ein brisantes Papier: Laut einem Pressebericht soll ein Gutachten der US-Bank Morgan Stanley den geplanten Börsengang der Bahn untersucht haben. Heraus kamen radikale Sparvorschläge – zu Lasten der Steuerzahler und der Kunden.


Frankfurt am Main – Auf genau 168 Seiten wird der Börsengang der Bahn durchexerziert – und dargestellt, wie sich der Kapitalmarkt die Strategie einer teilprivatisierten Bahn vorstellt. Im Auftrag der Bundesregierung habe die US-Bank Morgan Stanley damit quasi ein "Drehbuch für den geplanten Börsengang" erstellt, berichtet die "Frankfurter Rundschau" heute. Danach solle der Konzern nach dem Einstieg privater Geldgeber den Zustand der Gleise und Bahnhöfe nur auf "ausreichendem" Niveau halten. Das gelte für Betriebs- wie für Sicherheitstechnik.

Ein ICE in München: Bahnhöfe sollen in Zukunft nur auf "ausreichendem Niveau" gehalten werden
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Ein ICE in München: Bahnhöfe sollen in Zukunft nur auf "ausreichendem Niveau" gehalten werden

Gleichzeitig müsse der Konzern die "Eigenmittelabflüsse" für die Instandhaltung "möglichst gering" halten, raten die Gutachter. Das bedeute: Die teilprivate DB solle bei den Ausgaben für die Wartung radikal sparen, schreibt die "Frankfurter Rundschau" weiter. Der Zeitung zufolge loben die Experten der Investmentbank, dass die Bahn "umfangreiche Analysen" präsentiert habe. Demnach kalkulierten die DB-Experten drei Szenarien durch. Variante 1: die Stilllegung von 2630 Kilometern. Variante 2: die Kappung von 8000 Kilometern. Variante 3: das Aus für 14.000 Streckenkilometer, mehr als 40 Prozent des heutigen Netzes, das noch 34.000 Kilometer lang ist.

Ein DB-Sprecher sagte nach Angaben der Zeitung: "Es gibt weder Szenarien noch Planungen zur Streckenstilllegung, es gab keine und es wird keine geben." Zum vertraulichen Gutachten nehme man keine Stellung. Die Investmentbanker haben nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" tiefen Einblick in das Zahlenwerk des Staatskonzerns. Mehrmals im Jahr erstelle Morgan Stanley für die Regierung Kontrollberichte zur wirtschaftlichen Entwicklung und Kapitalmarktreife der Bahn.

Das Gutachten, schreibt die Zeitung weiter, liege seit mehr als drei Jahren unter strengstem Verschluss in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages. Eine Weitergabe von Informationen gelte als Geheimnisverrat. Für den Verkehrsexperten der Grünen, Winfried Hermann, ist dieser Zustand unhaltbar. "Das Gutachten enthält wichtige Aussagen zur Strategie der Bahn nach der Privatisierung und gehört endlich auf den Tisch - und zwar, bevor über einen Verkauf entschieden wird", zitiert die Zeitung den Abgeordneten.

sam/AP



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