Pro Sieben Ende einer Ära

Jahrelang gehörten "Pro Sieben" und "Georg Kofler" untrennbar zusammen. Erst vor einem Jahr wollte Kofler "in der Champions League der erfolgreichsten europäischen Medienunternehmen" mitspielen. Als er plötzlich seinen Rückzug ankündigte, war die gesamte Branche überrascht.


München - Der Südtiroler Kofler war einer der ersten Männer des deutschen Privatfernsehens, der als Vorstandsvorsitzender den Konzern sehr eigenständig führte. Der Aufstieg der Pro Sieben Media AG war deshalb vor allem mit seinem Namen verbunden.

Jede Menge Spekulationen über seine Beweggründe: Georg Kofler
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Jede Menge Spekulationen über seine Beweggründe: Georg Kofler

Zuletzt wollte Kofler neben dem Entertainment - Pro Sieben war 1988 vor allem als Spielfilmsender gegründet worden - den Nachrichten- und Multimedia-Bereich zum zweiten Standbein des Unternehmens machen: Der Konzern kaufte Anfang des Jahres die Nachrichtenagentur ddp/ADN. Zugleich kündigte Kofler den Aufbau des Nachrichtensenders N 24 an. Im August teilte er dann zur Überraschung der Branche mit, dass er seinen Vertrag mit Pro Sieben nicht über das Jahr 2000 hinaus verlängern werde. Hartnäckige Gerüchte, er stehe dem Griff von Leo Kirch auf Pro Sieben im Weg, wies er zurück. Stets wies er auch die Einschätzung zurück, Kirch übe einen bestimmenden Einfluss auf die operativen Geschäfte der Sendergruppe aus: Die Kirch-Gruppe sei für Pro Sieben lediglich ein wichtiger Programmlieferant.

Zwei Wochen nach Koflers Rückzugs-Ankündigung wurde der Schweizer Jurist Urs Rohner als Nachfolger Koflers berufen, dem ebenfalls Verbindungen zu Leo Kirch nachgesagt werden. Rohner wird Kofler, der zuvor noch den angeblich innerhalb der Kirch-Gruppe umstrittenen Nachrichtensender N 24 starten will, am 1. Februar nächsten Jahres ablösen. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Pro Sieben Media AG, Rewe-Vorstandschef Hans Reischl, hatte noch Anfang September die Unabhängigkeit des Unternehmens von der Kirch-Gruppe betont. Im Juli 1997 ging Pro Sieben an die Börse. Der Jahresüberschuss kletterte 1998 um 47 Prozent auf 153 Millionen, das Konzernergebnis um 24 Prozent auf 316 Millionen Mark. Der Marktanteil von Pro Sieben sank jedoch 1998 von 9,4 auf 8,7 Prozent, während der Schwestersender Kabel 1 von 3,8 auf 4,4 Prozent zulegen konnte.



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