Pro und contra Kontaktbörsen: Hot Shots meiden Xing & Co.

Über Business-Portale wie Xing oder LinkedIn kann man in kurzer Zeit viele Geschäftskontakte knüpfen. Doch welchen Nutzen bringen Online-Netzwerke tatsächlich?

Hamburg - Business-Netzwerke wie Xing und LinkedIn erobern in kurzer Zeit die Geschäftswelt - ganz nach der These des New Yorker Sozialpsychologen Stanley Milgram: Jeder kennt jeden - und zwar über maximal sechs Ecken. Immer mehr Menschen nutzen die beiden Internet-Netzwerkdienste, um die eigenen Kontakte zu pflegen und zu erweitern.

Erst im November 2003 startete der Hamburger Lars Hinrichs in seinem Wohnzimmer seine Webseite mit einer kleinen Kontaktplattform namens "Open BC". Das Kürzel steht für "offener Business-Club". Weil der Begriff aber etwas erläuterungsbedürftig war, heißt die Plattform seit wenigen Tagen Xing. Das soll auch die Expansion nach China erleichtern.

In gerade einmal drei Jahren ist die Zahl der Mitglieder bereits auf derzeit mehr als 1,5 Millionen angestiegen. Kürzlich hat Hinrichs sein Unternehmen Open Business Club Chart zeigen an die Börse gebracht. Xing ist in Deutschland die erfolgreichste Plattform mit sozialer Software. So heißt die Software, die Kontakte und Kommunikation zwischen Menschen vereinfacht und beschleunigt.

Erfolgsgeschichten gibt es bei Xing Dutzende. So etwa die von Björn Schotte. Er moderiert bei Xing das Open-Source-Forum. Schotte ist einer der Geschäftsführer der 2001 gegründeten Münchner Firma Mayflower. Über Xing knüpft er Kontakte zu Experten in seinem Fachbereich: "Ich nutze Xing als strategisches Instrument, nicht unbedingt zur Akquise", sagt er. Dank seiner Internet-Kontakte konnte Schotte bereits ein Projekt mit einem bekannten deutschen Autovermieter abschließen.

Unternehmensberater Andreas Lutz bezeichnet die Plattform als "intelligente Version der Gelben Seiten". Er berät in erster Linie Menschen, die sich mit einem Unternehmen selbstständig machen wollen. "Über Google Chart zeigen weiß man in der Regel über einen Kontakt relativ wenig, doch bei Xing kann man wesentlich mehr erfahren", sagt er. Dazu gehören nicht nur Informationen, die Menschen über sich selbst bei Xing preisgeben, sondern auch das, was andere wissen: Als ein Mitglied ihm ein Kooperationsangebot antrug, erkundigte er sich bei den gemeinsamen Kontakten nach der Seriosität des Anbieters - und wurde gewarnt. Die Kooperation kam nicht zu Stande.

Doch "wirkliche 'Hot Shots' sind selten", warnt IBM-Mitarbeiter Peter Berlich vor allzu großen Illusionen, durch die Internet-Plattformen lukrative Geschäfte machen zu können. Berlich selbst pflegt übers Internet vor allem sein bestehendes Netzwerk. "Das mag eine Altersfrage sein, hat aber auch mit sozialer Abgrenzung zu tun. Ab einem bestimmten Erfolgsniveau ist man vielleicht doch lieber unter sich, und eher mit der Abwehr als mit der Neuaufnahme von Kontakten beschäftigt", sagt er.

Xing ist im deutschsprachigen Raum bereits Marktführer und bietet deshalb beste Voraussetzungen für das "Netzwerken" hierzulande. Wer dagegen an Kontakten im englischsprachigen Ausland interessiert ist, sollte sich bei der US-amerikanischen Konkurrenz LinkedIn umsehen. Dieser Dienst hat bereits acht Millionen Mitglieder. Allerdings will auch LinkedIn im neuen Jahr ein deutschsprachiges Angebot auf den Markt bringen.

Weil LinkedIn in den USA unangefochtener Marktführer ist, konzentrieren sich die Macher der deutschsprachigen Konkurrenz auf die Expansion in europäische und asiatische Länder. Während LinkedIn bislang als einzige Sprachoption Englisch anbietet und wohl deshalb die meisten Mitglieder aus dem angelsächsischen Raum zählt, ermöglicht Xing zahlreiche Länder- und Spracheinstellungen. Sie sorgen dafür, dass primär Kontaktmöglichkeiten in der eigenen Umgebung angezeigt werden.

Christiane Schulzki-Haddouti, ddp

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