Problemkredite Schulden-Banken sollen Finanzmarkt retten

Misstrauen beherrscht den Kapitalmarkt - weil niemand weiß, welche Risiken in den Bilanzen der Banken noch schlummern. Sogenannte Bad Banks, in die Problemkredite ausgelagert werden, sollen für mehr Transparenz sorgen. Doch für die Abwicklungsgesellschaften könnte es bereits zu spät sein.

Von , Frankfurt am Main


Es ist nicht besonders ermutigend, was Hans-Peter Burghof zum Thema "Bad Bank" zu sagen hat. "Versuchen kann man es ja mal", lautet der fatalistische Kommentar des Hohenheimer Finanzwissenschaftlers zu der dieser Tage viel diskutierten Einrichtung. Dabei scheint die Idee verlockend: Banken lagern ausfallgefährdete Problemkredite und -anlagen, die schwer auf den Bilanzen lasten und potentielle Kreditgeber abschrecken, einfach aus. In eigene Gesellschaften - die Bad Banks. Die haben keinen anderen Zweck, als in aller Ruhe dafür zu sorgen, dass die auch gern als Gift-Assets bezeichneten Anlagen noch so viel wie möglich am Markt abwerfen.

Und die "Good Banks" können endlich das Vertrauen des Kapitalmarkts wiedergewinnen. So könnte im besten Fall der eingefrorene Interbankenmarkt für Kredite wieder in Fahrt kommen.

Logo der HSH Nordbank: Kredite in Höhe von 50 Milliarden Euro in eine Bad Bank?
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Logo der HSH Nordbank: Kredite in Höhe von 50 Milliarden Euro in eine Bad Bank?

Vor allem bei den schwer angeschlagenen Landesbanken gewinnt das Konzept derzeit an Popularität. Die HSH Nordbank liebäugelt schon ganz offiziell mit der Idee. Inoffiziell laufen dieser Tage nach SPIEGEL-Informationen offenbar sogar Gespräche über eine bundesweite Ramsch-Bank für alle Länderinstitute. Wertpapiere in Höhe von mehr als 200 Milliarden Euro könnten mit ihrer Hilfe entsorgt werden.

Die Hoffnung ist, dass es so laufen könnte wie Anfang der neunziger Jahre in Schweden. Damals erlebte das Land ein Bankendesaster, das auf den ersten Blick verblüffende Parallelen zu den jüngsten Entwicklungen in den USA zeigt. Die Geldinstitute vergaben Unsummen an Krediten. Die gesetzlichen Vorgaben waren lax und die hohe Steuerquote und starke Inflation machten das Leben auf Pump attraktiv. Ähnlich wie in den USA investierten schwedische Anleger mit dem geliehenen Geld vor allem in Immobilien. Doch dann brachen die Preise um mehr als 50 Prozent ein - und die großen Banken des Landes gerieten ins Wanken.

Der Staat griff beherzt ein - mit Erfolg: Das Krisenmanagement machte die angeschlagenen Banken zur Musterbranche. Der Weg dorthin: Die Regierung garantierte alle Einlagen der Banken, pumpte Milliarden in die Institute - und sie gründete für die zwei größten Krisenfälle Auffanggesellschaften für Problemkredite und -hypotheken.

Die Securum etwa gilt heute noch als Musterbeispiel einer Bad Bank. Zwar musste der Staat das Haus mit Milliarden an Kapital ausstatten, doch Securum-Chef Jan Kvarnström gelang es, einen guten Teil über die Abwicklung der Assets wieder reinzuholen. So verhinderte er etwa die Zwangsversteigerung von mehr als tausend beliehenen Immobilien im In- und Ausland. Zu denen gehörten auch ziemlich extravagante Anlagen wie ein Botschaftsgebäude in Burma. Kvarnström setzte Krisenmanager ein, bis die Objekte wieder gute Preise erzielten.

Teils wurden riskante Kreditpakete und Anlagen auch schlicht noch zu beachtlichen Preisen an Finanz-Investoren verkauft. Die bauten ebenfalls darauf, dass der Marktwert der Ramsch-Assets eines Tages wieder steigen und somit für guten Gewinn sorgen würde.

"Ihr Partner für Problemkredite!"

Auch in Deutschland hat man Erfahrungen mit Bad Banks gesammelt, wenn auch im kleineren Stil. Die Volks- und Raiffeisenbanken gründeten schon Anfang der achtziger Jahre ihre eigene Abwicklungsbank, als die nordrhein-westfälische Hammer Bank in Schwierigkeiten geriet. Die BAG Bankaktiengesellschaft besteht noch heute. "Ihr Partner für Problemkredite!" wirbt sie auf ihrer Internetseite. Die Dresdner Bank baute 2003 die "Institutional Restructuring Unit" auf für Risiko-Kredite in Höhe von 35,5 Milliarden Euro. Die Führung der IRU übernahm niemand anders als der einstige Securum-Chef Kvarnström.

Doch in der aktuellen Krise ist nichts mehr wie früher. Und so sind Zweifel durchaus angebracht, dass das Bad-Bank-Konzept diesmal noch so funktioniert wie gewünscht.

Ein böses Omen: Der inzwischen gescheiterte Versuch der US-Regierung, notleidenden Instituten ihre faulen Kredite abzukaufen - ursprünglich ein Kernelement des 700-Dollar-Rettungspakets der Regierung. Die Aktion scheiterte an ganz praktischen Problemen. Vor allem die Frage der Wertermittlung für die faulen Papiere erwies sich als schwierig. "Weil es schlicht keinen Markt mehr gibt", erklärt Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance & Management. Wie soll man den Preis ermitteln, wenn niemand ein Angebot macht? Und: Welche Assets sind eigentlich keine Problemanlagen in einer Zeit, in der die Krise längst vom Finanzsektor auf die gesamte Wirtschaft übergeschwappt ist? So erklärte US-Finanzminister Henry Paulson kürzlich kleinlaut, der Aufkauf fauler Kredite sei derzeit "nicht der effektivste Weg".

"Es ist sehr spät für die Gründung von Bad Banks", sagt Finanzexperte Burghof - das gelte auch in Deutschland. Die Krise ist seiner Meinung nach einfach zu groß, die Dimensionen der Problemanlagen zu ausufernd geworden. In einer Bad Bank müsse man inzwischen die unterschiedlichsten Anlagen betreuen und Verbindlichkeiten "in aller Herren Länder" behandeln, sagt Burghof. Geeignetes Fachpersonal sei schwierig zu bekommen - "und auch schlicht teuer".

Kosten, die im Falle der Landesbanken am Steuerzahler hängen bleiben würden. Hinzu kommen die Risiken für die Bad Banks, die wohl auch die öffentliche Hand übernehmen müsste und die noch nicht einmal ansatzweise abzuschätzen sind. Allein die HSH Nordbank will nach SPIEGEL-Informationen in ihre Bad Bank Assets in Höhe von 50 Milliarden Euro packen. Wie viel die übrigen Banken ausgliedern müssten, darüber lässt sich nur spekulieren.

Doch Bilanzposten wie etwa die strukturierten Wertpapiere der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Höhe von 95 Milliarden Euro lassen die beteiligten Akteure das Schlimmste fürchten. Kein Wunder also, dass der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger erklärt: "Ich kann mir eine bundesweite Abwicklungsbank für alte Risiken bei den Landesbanken vorstellen." Nach SPIEGEL-Informationen soll diese die 200-Milliarden-Euro-Risiken mit Hilfe des bundesdeutschen Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) abfedern.

Derzeit verfügt der Soffin für den Gift-Asset-Kauf allerdings nur über einen Topf von höchstens 80 Milliarden Euro - aus dem auch noch die vorgesehenen Kapitalspritzen für Banken bezahlt werden müssen.

Diskussionen zwischen Landes- und Bundespolitikern über eine deutsche Bad Bank dürften also ziemlich heiß werden. "Und ob eine solche Bank dann wirklich wieder zu Vertrauen am Kapitalmarkt führt, ist fraglich", sagt Burghof.



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