Produktionsausfälle: Flut verlängert Rezession in Ostdeutschland

Deutsche-Bank-Filiale in Meißen (Sachsen): Rezession durch Jahrhundertflut Zur Großansicht
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Deutsche-Bank-Filiale in Meißen (Sachsen): Rezession durch Jahrhundertflut

Der Wirtschaft im Osten Deutschlands droht wegen des Hochwassers eine längere Rezession. Produktionsausfälle in Landwirtschaft, Industrie und am Bau sorgen für einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent - der Wiederaufbau dürfte aber für einen Schub sorgen.

Halle - Das extreme Hochwasser wird wohl auch für die Wirtschaft in Ostdeutschland zur Belastung: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte von April bis Juni um 0,2 Prozent und damit das fünfte Quartal in Folge schrumpfen - das sagte das zum Beraterkreis der Bundesregierung gehörende Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Montag voraus. "Ohne Dauerregen und Hochwasser würde es zu einer schwarzen Null reichen", sagte IWH-Experte Udo Ludwig.

Die Naturkatastrophe beeinträchtige Landwirtschaft, Industrie und Baugewerbe, aber auch Handel, Gast- und Verkehrsgewerbe in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Für Deutschland insgesamt erwartet der Industrie- und Handelskammertag (DIHK) dagegen ein Wachstum von 0,5 Prozent für das zweite Quartal. "Das sieht ordentlich aus, aber man hätte wegen des Nachholbedarfs vom schwachen Jahresstart mehr erwarten dürfen", sagte DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann.

Wegen des langen Winters war das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März nur um 0,1 Prozent gewachsen. "Das Hochwasser lässt die Konjunktur nicht unberührt: Betriebe können nicht produzieren, Läden nicht öffnen, Restaurants keine Gäste empfangen", sagte Schumann. "Das alles kostet im Moment Wachstum - wenn auch nicht flächendeckend für ganz Deutschland."

Der Wiederaufbau dürfte die Wirtschaft allerdings in der zweiten Jahreshälfte wieder wachsen lassen. "Viele Privatleute werden Geld ausgeben müssen, um ihren Hausrat zu ersetzen", sagte IWH-Experte Ludwig. "Sie werden vor allem langlebige Güter wie Waschmaschinen und Kühlschränke kaufen, wie die Erfahrungen des Hochwassers von 2002 lehren." Außerdem werde der Wiederaufbau mit Hilfsgeldern unterstützt, was ebenfalls de Konjunktur stimulieren werde. Der Staat werde zudem in die Infrastruktur investieren.

Während in Teilen Ostdeutschlands das Hochwasser weiter steigt, laufen andernorts bereits die Aufräumarbeiten. Das genau Ausmaß der Schäden und der Zerstörung durch die Fluten von Elbe, Saale und anderen Flüssen gilt derzeit als noch nicht absehbar.

nck/Reuters/dpa

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insgesamt 21 Beiträge
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1.
Postscriptum_B 10.06.2013
Quatsch. Hollande hat neulich deklariert, dass die Eurokrise vorbei ist. Es ist wieder eine pure Schwarzmalerei vor den Wahlen.
2. Kritik am BIP
virminator 10.06.2013
Die Steigerung des BIP nach einer Naturkatastrophe (oder auch Kriegen) ist ein wesentlicher Kritikpunkt zur aussagekraft des BIP. Denn selbstverständlich steigert der Wiederaufbau nach einer solchen Katastrophe das BIP. Unterm Strich kann der Wohlstand in der Volkswirtschaft trotzdem fallen auch wenn DE mal wieder "das Miniplus rettet" oder die "schwarze Null". Das BIP ist aufgrund der Tatsache dass Vermögensverluste nicht berücksichtigt werden, in solchen Fällen zwangsläufig verfälscht.
3.
Cleo96 10.06.2013
Zitat von sysopDPADer Wirtschaft im Osten Deutschland droht wegen des Hochwassers eine längere Rezession. Produktionsausfälle in Landwirtschaft, Industrie und am Bau sorgen für einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent - der Wiederaufbau dürfte aber für einen Schub sorgen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/produktionsausfaelle-wegen-flut-verlaengern-rezession-im-osten-a-904885.html
Glückwunsch! Damit ist doch eine tolle Begründung für eine Fortführung der Zwangsabgabe "Solidaritätszuschlag" gefunden. Die westlichen Länder die entlang des Rheins, oder Mosel und des Mains teuere Vorsorge gegen Hochwasser getroffen haben sind zusätzlich die Dummen und dürfen regelmäßig für die Nass-Modernisierung im Osten bezahlen. (Letztes Beispiel: Das Bundesland Hessen sorgt für Hochwasserschutz in seinem Land durch Finanzierung von Überflutungsflächen in Rheinland-Pfalz. Hätte man sich sparen können, laut jammern reicht.)
4. und wo bleiben
women_1900 10.06.2013
jetzt die Konjunktur fördernden Maßnahmen der EU? Wo bleiben Zusagen der EU über Finanzmitteldel zur Schadensbehebung? Oderf werden nur ausländische Banken gerettet?
5. Wieso Rezession?
FreakmasterJ 10.06.2013
Zitat von sysopDPADer Wirtschaft im Osten Deutschland droht wegen des Hochwassers eine längere Rezession. Produktionsausfälle in Landwirtschaft, Industrie und am Bau sorgen für einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent - der Wiederaufbau dürfte aber für einen Schub sorgen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/produktionsausfaelle-wegen-flut-verlaengern-rezession-im-osten-a-904885.html
Wenn nach der Flut wieder aufgeräumt wird und die ganzen Bauschäden gerichtet und Möbel etc. ersetzt werden müssen, kurbelt es die Wirtschaft doch erst an?! Und ob Porsche jetzt 100 Auto mehr baut oder die Leute mal ne Woche Pause haben, ist auch egal... die Autos kann sich ja eh kein Normalsterblicher leisten... Vielleicht haben Murksel & Co. deswegen keine Dammerhöhungen und weitere Schutzmassnahmen finanziert, seit der letzten Flut. Das Geld lieber in Südeuropa versenken und dann auf Wählerfang zur Flutbesichtigung rüber machen... sehr hilfreich!!
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