Produktpiraterie Maschinenbauer verzichten auf Patente

Deutsche Maschinenbauunternehmen melden einem Zeitungsbericht zufolge immer weniger Patente an. Mit der Kreativität der Entwickler hat das allerdings weniger zu tun, als mit der Angst vor der Kopierwut der Chinesen.


Hamburg – In China hat man eine ganz eigene Auffassung von Patentschriften. Sie dienen weniger der Information, welche technische Errungenschaft bereits einem anderen gebührt, sondern viele mehr wie eine Anregung und Anleitung zum Nachbauen. Diese Umwidmung des Schutzkatalogs hat sich inzwischen auch bei den deutschen Unternehmen herumgesprochen. "Wir melden nur noch ganz wenige Patente an", sagte etwa der Chef des weltgrößten Stahlwerksbauers SMS Group, Heinrich Weiss, der "Financial Times Deutschland".

Maschinenbau: Patentschrift vom Fachmann ohne Probleme zu verstehen
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Maschinenbau: Patentschrift vom Fachmann ohne Probleme zu verstehen

Auch der Kranhersteller Demag Cranes sei mittlerweile bei der Anmeldung von Patenten vorsichtig geworden, berichtet die Zeitung. "Wir versuchen, die Chinesen so lange wie möglich auf Abstand zu halten", sagte Unternehmenschef Harald J. Joos. Der Weltmarktführer bei mobilen Hafenkränen, der insgesamt über rund 1500 Patente verfügt, habe bereits schlechte Erfahrungen gemacht. Zwei frühere Kran-Generationen seien von den Chinesen längst kopiert worden.

Der Präsident des Deutschen Patent- und Markenamts, Jürgen Schade, sagte der Zeitung: "Die Offenlegungsschriften, die 18 Monate nach Patentanmeldung einsehbar sind, kann ein Fachmann ohne Probleme verstehen."

Laut einer Studie des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sind vier Fünftel der Unternehmen der Investitionsgüterindustrie bereits Opfer von Produktpiraterie geworden. Die Schäden durch Plagiate werden demzufolge weltweit auf bis zu 660 Milliarden Euro jährlich geschätzt. "Wir raten unseren Mitgliedern inzwischen, Patente nur noch anzumelden, wenn die Produkte ein sehr komplexes technisches Know-how voraussetzen", sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse.

mik/dpa-AFX

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